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Berlins Regierender Bürgermeister hat beste Aussichten, in der Hauptstadt weiter zu regieren.

Von Dennis Klein

"Ist Deutschland bereit für einen schwulen Kanzler", fragt das amerikanische Online-Magazin "365gay.com" in einer Titelgeschichte - und vergleicht Klaus Wowereit gleich mit dem letztes Jahr abgetretenen Gerhard Schröder. Tatsächlich sieht es gut aus für "Wowi", zumindest in Berlin: Stimmen die Meinungsumfragen, erhält seine SPD bei den Abgeordnetenhauswahlen am Sonntag 33 Prozent - und damit zehn Prozent mehr als die CDU. Wowereit könnte sich dann womöglich sogar entscheiden, ob er mit der Linkspartei weiterregieren will, die ihm handzahm aus der Hand frisst und selbst soziale Einschnitte ohne Murren mitmacht - oder doch lieber auf die Grünen zugeht, was aus bundespolitischer Sicht besser wäre, da die alte PDS in großen Teilen der Republik nach wie vor als Schmuddelkinder gelten. Als einer der großen SPD-Stars trauen ihm viele sogar eine Kanzlerkandidatur 2009 zu - auch wenn er sich dazu noch bedeckt hält.

Präsidial bis hin zur Arroganz

In Berlin ist Wowereit der "Sonnenkönig" (so Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann). 64 Prozent würden bei einer Direktwahl für den Sozialdemokraten stimmen - sein Kontrahent Pflüger erhielte nur 17 Prozent. "Pflüger kämpft - und Wowereit isst erst mal eine Currywurst", beschrieb das "Hamburger Abendblatt" die Rollenverteilung vielsagend. Der sich präsidial bis zur Arroganz gebärdende Wowereit ist auch unter Schwulen sehr beliebt. Seit seinem medienwirksamen Coming-out vor der Abgeordnetenhauswahl 2001 (365gay.com: "I am gay - and that's a good thing") hat er stets die Community unterstützt - auch wenn er dafür so manches Mal Prügel einstecken musste: So warfen Union und einige Springer-Medien anlässlich des Folsom Europe dem Bürgermeister vergangenes Jahr vor, "zweifelhafte Pornofeste" und "abartige Sexualpraktiken" zu unterstützen - Wowereit hatte für die populäre Leder- und Fetischveranstaltung ein Grußwort verfasst (queer.de berichtete). In diesem Jahr grüßte er wieder: "Nach der Diskussion konnte ich gar nicht anders, als wieder ein Grußwort zu schreiben", so Wowereit. Friedbert Pflüger sagte nur kleinlaut, er würde so etwas nicht machen - aber mit Kritik hielt er sich lieber zurück, um die wichtige Homo-Wählergruppe nicht gegen sich aufzubringen.

Der Herausforderer versuchte ja, nett zu wirken. Dem Magazin "Männer Aktuell" verriet er im Exklusivinterview: "In meinem Bekanntenkreis habe ich seit eh und je Schwule", selbst einige Mitarbeiter seien schwul. Obendrein lief er noch beim CSD in Berlin mit und meinte, man solle jemanden nicht nur wählen, weil er schwul sei. Am selben Wochenende musste er sich aber die Kritik vom Homo-Verband LSVD gefallen lassen: Die Bundeswehr hatte angeordnet, dass Soldaten nicht mehr in einschlägigen Homo-Vierteln übernachten sollten (queer.de berichtete). Pflüger hatte in seiner Position als Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium zunächst über den Vorfall geschwiegen - einige Tage später sagte er, er habe von dem Vorfall nichts gewusst und lehne Diskriminierung ab (queer.de berichtete).

Einen großen Joker im Kampf um Schwule verspielte er dann auch noch: Vicky Leandros, Grande Dame des Eurovision Song Contest, wollte nicht Pflügers Kultursenatorin werden (queer.de berichtete).

Dagegen wurde Wowereit im Magazin "Men's Health" zum "bestgekleideten Business-Mann Deutschlands" gewählt - und bewies damit seine schwulen Sekundärtugenden. Ob er nach einem Wahlsieg wirklich in die Bundespolitik wechseln wird, ist indes noch unklar. Der "Tagesspiegel" spekuliert, dass er bereits nächstes Jahr Vizechef der SPD werden könnte. Viele andere Sympathieträger hat die Partei nach dem Abgang von Gerhard Schröder ohnehin nicht. Noch wird darüber diskutiert, ob ein schwuler Mann in ländlichen Gebieten eine Bundestagswahl gewinnen könnte. Wahrscheinlich ist es aber im Vergleich zur Stoiber bei den Wahlen 2002 ein kleineres Handikap: Damals hatte der Südländer die Wahl im Norden und Osten verloren - weil die einen "typischen Bayern" einfach nicht zum Kanzler haben wollten.

15. September 2006



17 Kommentare

#1 madridEUAnonym
  • 15.09.2006, 17:58h
  • Das glitzernde Berlin braucht wie viele andere EU-Hauptstädte einen Wowi-Superstar. Dass er obendrein schwul ist, macht die Sache vielleicht für viele Verklemmte noch anziehender. Nicht auszudenken, wenn er Kanzler werden und seine sexuelle Identität schlicht als ganz normal empfunden würde.
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#2 PierreAnonym
  • 15.09.2006, 18:00h
  • Dann haben PDS und Schwule ja zufällig etwas gemeinsam: Dass beide Gruppen in Teilen der Bevölkerung als 'Schmuddelkinder' gelten.
    Eine 'schmuddelige' PDS, die zwar in Berlin 'handzahm' ist und so manches an Sozialkürzungen einsteckt, ist mir aber lieber, als ein Grüner Koalitionspartner, der wohlmöglich noch größere Einschnitte unterstützt. Oder war es nicht die rot-grüne Regierung, die Hartz IV eingeführt, die Krankenkassenbeiträge auf Betriebsrenten verdoppelt und Krankenfahrten fast komplett abgeschafft, dafür aber die Praxisgebühr eingeführt hat???
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#3 TheoAnonym
  • 15.09.2006, 18:24h
  • Dass Schlager-Zombie Vicky Leandros Pflügers Wahlchancen bei Schwulen erhöht hätte, bezweifle ich. Den Eurovision Song Contest zu sehen heißt noch lange nicht, vollkommen anspruchslos zu sein.
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#4 ManuAnonym
#5 tux2006Anonym
  • 15.09.2006, 22:08h
  • @pierre: .....Und was viele leider immer wieder vergessen: Der schuldenberg, den die CDU der Hellrot-Roten Regierung in Berlin hinterließ(sie Berliner Bankenskandal), macht sich nicht von allein wett. Zumal auch eine CDU nicht davor zurückschrecken würde, noch tiefere einschnitte vorzunehmen. Die Linkspartei macht zwar gezwungenermaßen mit(da die SPD der stärkere koalitionspartner ist), wütet aber nicht ganz so schlimm wie manche das immer darstellen.

    Wie die CDUSPD-Koalition auf Bundesebene mit Sozialschwachen umgeht, hat sie ja nun des öfteren auf Bundesebene bewiesen, nicht zuletzt durch Ihre
    Äusserungen:

    www.erwerbslosenforum.de/nachrichten/efd_-_spd_soll_die_grose_koalition_beenden.htm

    www.erwerbslosenforum.de/nachrichten/
    brief_von_ronald_pofallas_vater_an_seinen_sohn.htm

    www.erwerbslosenforum.de/nachrichten/
    marcus_soder,_csu_hat_wohl_nicht_mehr_alle_tassen_im_schrank.htm
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#6 DannyAnonym
  • 15.09.2006, 22:55h
  • @pierre:

    Die Praxisgebühr ist seinerzeit AUF BESONDEREN WUNSCH der CDU in irgendwelchen Vermittlungsausschüssen mit aufgenommen worden, da die Union seinerzeit im Bundesrat die Mehrheit hatte und neue Gesetze und Reformen nach eigenem Gusto blockieren oder durchwinken konnte. Der Passus mit der Praxisgebühr wurde mit aufgenommen, weil sonst andere Notwendigka nicht durch den Bundesrat gekommen wären.

    Man möge mich verbessern, wenn es nicht stimmt. Ich meine aber, daß dem so war!

    Es wird nur immer gerne der SPD oder den Grünen in die Schuhe geschoben, weil die damals die Regierung gestellt hatten.
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#7 tux2006Anonym
#8 tux2006Anonym
  • 16.09.2006, 07:54h
  • @danny. nur das die praxisgebühr nie zur senkung der kassenbeiträge gedacht war. Sie ist lediglich Mittel zum Zweck eine zwei-klassen-medizin in der BRD zu errichten.
    Auch die Krankenkassenbeiträge steigen unaufhörlich weiter, damit die vorstände sich ihr leben weiter versüßen können und die kassen sich größere paläste bauen können.
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#9 DannyAnonym
  • 16.09.2006, 12:14h
  • Man kann sich seine Kasse frei aussuchen!

    Keiner kann Dich hindern, die Billigste zu nehmen. Nachdem ich seinerzeit sehr unkulant bei der BARMER behandelt wurde, bin ich zur BKK Heilberufe gewechselt, dann irgendwann zur BKK Essanelle und nun nach dreieinhalb Jahren zur Kieler IKK Direkt.

    Daher braucht man nur die Möglichkeiten des offenen Marktes zu nutzen, um seinen Standpunkt zu unterstreichen und Krankenkassen mit günstigen Verwaltungskosten zu wählen.
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#10 saltgayAnonym
  • 17.09.2006, 10:33h
  • Bevor hier die Diskussion in den Bereich "Krankenkassen für Friseure" abgleitet, sei doch noch einmal an Klaus Wowereit erinnert, der ja eigentlich Ausgangspunkt der Diskussion war. Für notorische West-Berliner hat er ja einen gewissen Charme auf BZ-Niveau. Was "Gelsenkirchner Barock" für den Kohlenpott ist - das ist der lifestyle "Newköln" für den kleinen Senatsangestellten. Das verkörperte bereits das "Diebchen", und die Berliner SPD, die mit Abstand seit jeher die spießigsten Sozis stellte, die hat da eben auch etwas zu bieten. Berlin ist aber nicht Newköln und durch die drei Mumien vom Grill (Friede ihrer Asche) wird auch die Boddinstraße nicht zu einem Boulevard. Mir kotzt der Affentanz um Wowereit einfach nur an. Er hat dieses schnöselige Etwas, das den Sachbearbeiter im Amt am Fehrbelliner Platz, zuständig für Bleistifte und Radiergummis, ausmacht. Gewissermaßen der "sunny boy" der Abteilung III b. Dort gibt es bestimmt ein Fräulein Völzke aus dem Wedding, die in heißen Sommernächten davon träumt mit ihm eine Bootspartie auf dem kleinen Wannsee zu machen um anschließend am S-Bahnhof eine Bockwurst zu verdrücken. Alternativ darf es auch der Besuch einer "Posse mit Gesang" im Hansa-Theater sein.

    Dieser Stadt ist nur zu helfen, wenn man deren Bevölkerung auf die Halbinsel Sachalin verlagert. Es gab zu Adenauer-Zeiten bereits ähnliche Überlegungen, doch Ernst Reuter wollte lieber West-Berlin als billigste Atombombe der Welt erhalten. Das kam teuer zu stehen.

    "Ick und meene Hertha, wenn et Sie hier nicht passt - dann jehen Se doch 'rüber innen Osten!"
    Ehepaar Neugebauer ist überall !
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