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  • 18. September 2006, noch kein Kommentar

Neben Caravaggios schönen Menschen sind nun auch Bacons zerfließende Körper in der NRW-Landeshauptstadt zu sehen.

Von Carsten Weidemann

Dramatische Darstellungen von menschlichen Körpern – schmerzhaft sich windend, zerfließend, miteinander ringend, ineinander verschlungen – bestimmen das Motivrepertoire von Francis Bacon (1909–1992), dem bedeutendsten englischen Maler des 20. Jahrhunderts. Wie kein anderer Künstler seiner Generation hat Bacon das Drama des verwundbaren, schutzlos ausgelieferten Körpers inszeniert. Aus seinen Bildern verbannte er alles Anekdotische und Erzählerische und konzentrierte sich auf die physische Präsenz des Fleisches. Bacon setzte Körper in Szene, die wandlungsfähig, verletzbar und hinfällig anmuten, sich zugleich aber auftrumpfend, vital und aggressiv behaupten. In ästhetischer Überhöhung – Bacons Darstellungen sind von suggestiver Schönheit – vermittelt sich solche Widersprüchlichkeit als schockhafte Erfahrung von Größe und Endlichkeit menschlichen Daseins. Oft stand ihm sein Lover und seine Muse George Dyer Modell.

"Große Kunst besteht immer darin", so Bacon, "das sogenannte Faktische, das, was wir über unsere Existenz wissen, zu verdichten und in einem neuen Licht erscheinen zu lassen." Die Schleier von falschen Vorstellungen und Ideen, die sich immer wieder über das Faktische legen, suchte der Künstler zu zerreißen. Er zeigt uns Gestalten mit menschlichen Zügen, die in ihrer künstlerischen Erscheinung faszinieren und zugleich durch ihre physische Deformation erschrecken. Seine manchmal ins Zoomorphe abgleitenden Wesen bleiben dabei zumeist isoliert und agieren unsicher auf bühnenartigen Plattformen, in leeren, fensterlosen Räumen oder in käfigartigen Konstruktionen.

Die retrospektiv angelegte Ausstellung versammelt 64 Werke, darunter zehn Triptychen, aus den Jahren 1945 bis 1991 sowie Arbeitsmaterial wie Fotografien und Skizzen aus dem Atelier des Künstlers. Neben Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen in Europa, Amerika, Australien und Japan werden auch die beiden Gemälde zu sehen sein, die seit 1964 beziehungsweise 1986 in der Kunstsammlung K20 beheimatet sind: Lying Figure No. 3 von 1959 und Man in Blue V aus dem Jahr 1954.

Die Ausstellung Francis Bacon – Die Gewalt des Faktischen ist Teil des Projektes der "Quadriennale 06" – ArtCity Düsseldorf.


Bis 7. Januar 2007, Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 10.00 - 18.00 Uhr, samstags, sonntags und feiertags 11.00 - 18.00 Uhr, montags geschlossen, jeden 1. Mittwoch im Monat 10.00 - 22.00 Uhr.
K20K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Ständehausstraße 1 • 40217 Düsseldorf