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  • 19. September 2006, noch kein Kommentar

Deutscher Pop vom Feinsten: Wunder und das neue Album "Strom".

Von Carsten Weidemann

Wie die meisten deutschsprachigen Bands, die sich in den letzten Jahren über die Beachtung der deutschen Musikszene freuen können, gibt es auch Wunder nicht erst seit der "perfekten Welle". Schon seit 1995 entwickeln sie spielerisch ihre eigene Vision von moderner Popmusik, die kräftigen Pop/Rock mit aussagestarken und direkten Texten verbindet. "Das war damals, Mitte der 90er, durchaus ein schwieriges Pflaster, da man deutschsprachiger Popmusik noch lange nicht so offen gegenüberstand", erinnert sich Gitarrist Keller. In der Folge mussten Wunder früh lernen, selbständig zu arbeiten: Touren selbst organisieren, das komplette Booking übernehmen, Selbstmanagement, ein eigenes Studio aufbauen.

1999 veröffentlichten sie ihre selbst produzierte EP "Ach ja". Belohnt wurde die Mühe mit bundesweiter Medienpräsenz und Live-Übertragungen auf Radio- und Fernsehkanälen im ganzen Land. Dazu gesellten sich mehrere Musik-Beiträge für Kurzfilme und eine Version eines ihrer Songs für das Hörspiel "Die wilden Kerle". Als Wunder in Jahr 2004 zu Warner Music kamen, hatten sie ihr Album "Was hält uns wach" bereits fertig aufgenommen und produziert. Auch für ihr neues Album "Strom" hatten Wunder künstlerisch vollkommen freie Hand über Repertoire und Sound. Eine Band wie Wunder muss frei fließen können, um das Beste aus sich herauszuholen. Die Freiheit, einen "Strom" zu bilden, der Widerstände einfach umspült und weiterfließt.

Auffallend sind die große Homogenität des Albums, die wärmere Atmosphäre und die starke Emotionalität. Wirkte "Was hält uns wach" auf Manchen sehr technisch, sind bei "Strom" die wärmeren Sounds und die Gitarren in den Vordergrund gerückt: Nähe statt Distanz. "Es ist für uns eigentlich ganz normal, dass wir uns da nicht festlegen," betont Katrin. "Dass unser Schwerpunkt zwischen Gitarre und Elektro pendelt, zieht sich als Faden durch unsere Geschichte. Es geht immer darum, was das Herz und die Seele sagen, was wir gerade wollen und in welcher Situation wir gerade sind." So verzichten die Songs auf "Strom" weitgehend auf elektronisches Schlagzeug und erhalten ihre treibenden Impulse von echten Drums, die zum Teil bei Wunsch-Engineer Peter Schmidt in Berlin aufgenommen.

Natürlich kann man von Wunder nach wie vor keinen flauschigen Sommerpop mit einer Prise Nachdenklichkeit erwarten, sondern Songs, die Zweifel hegen und den Konfliktfall nicht scheuen. Etwa wie die erste Single "Schatten und Licht", die auf ihre Art ein typisches Wunder-Liebeslied ist: Schwächen werden nicht akzeptiert / Gefühle ständig isoliert / der eine gewinnt, der andere verliert... Und doch siegt die Liebe im Refrain: Der Schatten braucht das Licht / genauso wie ich Dich / dass wir zusammengehören / kann niemand zerstören.

19. September 2006