Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?5631

In Zeiten, in denen gerne auch mal eine deutsche Fahne in Flammen aufgeht, setzt Sängerin Kristina Bach auf arabische Klänge.

Von Jan Gebauer

Der Papst hält riskante Reden, im arabischen Raum heizt die Stimmung auf, deutsche Fahnen werden als Brennstoff missbraucht. Kristina Bach, ihres Zeichens Schlagermutti mit 20 bewegten Jahren im Musikgeschäft, vermischt in diesen schwierigen Zeiten arabische Klänge mit eingängigem Schlager. Leistet die Unterhaltungsbranche damit den ultimativen Beitrag zur Völkerverständigung? Die Bach hat sich in orientalische Gewänder gehüllt (oder zumindest was sie dafür hält, siehe Trägertopp und durchsichtige Bluse), ließ 1001-Nacht-Klänge im Computer abmischen und kramte als Komponistin in ihren Schubladen nach Songs mit Ohrwurm-Potential. Der geneigte Fan dürfte jubilieren: Insgesamt 16 Songs sind beim musikalischen Kredenzen herausgekommen, teilweise bizarr zwischen Schlager und den angesprochenen arabischen Elementen pendelnd.

"Die 1002. Nacht", so der Name des Albums, ist allerdings durchweg gelungen: Das unfreiwillig komische "Deine Spuren sind in mir" darf natürlich nicht zweideutig verstanden werden, "Bin kein Engel" klingt eher nach Südamerika oder wahlweise "Antonio" (Bach-Hit Anfang der 90er) und "Jimmy, ich hab dich geliebt" ist das obligatorische Zicken-Lied. "Der Mann, der freitags nur kann" ist schamloser, trashiger 60s-Pop, den Stock/Aitken/Waterman (Kylies Ex-Produzenten) vor 20 Jahren auch nicht besser hinbekommen hätten. Dazu gibt es witzige vokale und textliche Kapriolen der Bach: "Dieser Freitagsmann ist noch mein Untergang"! So reiht sich ein unterhaltsamer Schlager an den nächsten, wir lernen, dass der Wind auch ein Kleid sein kann ("Tanz im Feuer"), bevor am Ende per Bonus-Track tränenreich Abschied genommen wird: "Wenn ich geh" dürften einige Leute als klassisches Stück "Adagio" des Barock-Komponisten Tomaso Albinoni (1671-1751) oder als Pop-Version von Lara Fabian kennen. Die Bach ist allerdings so frech und deklariert die Musik als Eigenkomposition. Klischees am laufenden Band, die ganz großen Gefühle, bis zur Unkenntlichkeit retuschierte Fotos im Booklet – wie immer ganz großes Schlagerdrama von Frau Bach.

Für Fans von: Michelle, Claudia Jung, Rosanna Rocci, Andrea Berg

20. September 2006