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  • 26. September 2006, noch kein Kommentar

Hier geben Homos immer noch den Ton an und machen die Nacht zum Tag: West Hollywood ist ein Paradies für schwule Reisende.

Von Jan Gebauer

Alles ist "huge" in Amerika. Das beliebteste Wort der Amerikaner neben "fuck" und "awesome" scheint sich aber schon auf der Fahrt von Los Angeles nach West Hollywood zu bewahrheiten, denn der Weg zieht und zieht sich. West Hollywood, eine selbständige Gemeinde, im Gegensatz zum Stadtteil Hollywood, der zu L.A. gehört, bietet eine Fülle von schwulen Hotels: Das Ramada mitten auf dem Santa Monica Boulevard wird von vielen Gays gebucht und da verwundert es nicht, wenn ich bereits beim Einchecken von einem hübschen blonden Typen angegraben werde: "Ah, you are German – ik och!" Die Welt ist klein – Berliner gibt es überall. Vom Ramada ist es praktischerweise nur ein Katzensprung zu den angesagtesten Gay-Bars in West Hollywood: Trunks, Revolver oder Range – hier hängen schicke Kerle ebenso herum wie durchtrainierte Schönlinge oder coole Jungs von nebenan.

Allerdings sollte man unbedingt immer seinen Reisepass oder Führerschein einstecken, damit man überhaupt Zutritt zu den Locations bekommt (in Kalifornien ist der Erwerb von Alkohol erst ab 21 Jahre erlaubt). Charmantes Augenblinzeln à la Doris Day prallt jedenfalls an den stämmigen Türstehern selbst in den kleinsten Klitschen ab wie Teflon. In fast jedem Laden erlebe ich eine schrille Quoten-Tranny und die meisten Bars wirken wie in den 80er Jahren stehen geblieben. Die Jungs sind wahlweise freundlich oder distanziert wie in Deutschland auch – die Gepflogenheiten schwuler Lebenskultur sind so unterschiedlich nicht. Darkrooms oder heiße Saunen, wo die Sex-Post abgeht, sucht man allerdings vergeblich. Dafür fahren die Typen direkt mit nach Hause, denn Sex im Gebüsch könnte von der oft patrouillierenden Polizei als Erregung öffentlichen Ärgernisses aufgefasst werden.

Die Grenzen zwischen rein schwulen und schwulenfreundlichen Läden verschwimmen in West Hollywood deutlich. Wir werden überall herzlich in Empfang genommen. Die sprichwörtliche Freundlichkeit beim Personal bekomme zwar nicht immer überall zu spüren, auch wenn insgesamt das Heimatland des Services uns Deutschen nach wie vor überlegen ist. Die unzähligen First-Class-Läden in dieser Gegend haben eines gemeinsam: Der Service ist ausgezeichnet, das Essen ist großartig und multikulturell und man bekommt Leute wie Paris Hilton ebenso zu Gesicht wie Colin Farrell. Bei den Preisen sollte man allerdings höher kalkulieren, denn billig wird es so gut wie nie. Besonders zu empfehlen ist das Katana, ein exklusives Restaurant, in dem man unbedingt rechtzeitig vorbestellen sollte, da es sonst schwierig mit dem Platz wird. Prominente klatschen sich hier förmlich ab. Zwischen dem besten Sushi der Gegend und anderen kulinarischen Leckereien treffe ich Ex-Bondgirl Famke Janssen ("Goldeneye") und Tia Carrere ("Wayne's World").

Zum zweiten Teil des West-Hollywood-Reisereports.

26. September 2006