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  • 04. Oktober 2006, noch kein Kommentar

Zwanglektüre für die Dünen: "Elvira auf Gran Canaria" in neuer Auflage.

Von Patrik Maas

So einfach kommt man an den Auftrag, eine Rezension zu schreiben: Seit Jahren fahre ich jeden Winter nach Playa del Ingles, und schon bin ich für die Redaktion ein "Experte". Natürlich habe ich schon viel über das Buch "Elvira auf Gran Canaria" gehört. Gelesen habe ich es jedoch noch nie.

So überkam mich bei der Lektüre des Nachdrucks, der jetzt bei MännerschwarmSkript erschienen ist, immer wieder das Gefühl, dass ich das Buch schon kenne: So viel wurde mir daraus berichtet, und einige der erzählten Situationen habe ich gar selbst erlebt. Welcher Gran-Canaria-Urlauber kennt nicht das Bongoland, hat ein Stück Schwarzwälder Kirsch im Café Wien verspeist oder die Darkrooms im Yumbo-Center besucht? Elvira Klöppelschuh erzählt Anekdoten aus dem wahren schwulen Leben. Skurrile Urlaubserlebnisse (Lama-Decken-Kaffeefahrt) wechseln mit ganz ernsthaften Momenten (Kaposiflecken am Strand). So wird dieses Werk in seiner thematischen Bandbreite auch zu einem interessanten Blick ins Innere der Homo-Seele.

"Elvira auf Gran Canaria” ist so komisch, dass ich beim Lesen oft laut lachen musste ("Entschuldigung, liebe Zugmitreisende"). So ernsthaft, dass ich mir schon mal ein Tränchen wegdrückte. So herrlich tuntig, aber gut dosiert, dass es sicher auch die "echten Kerle" aushalten. So persönlich, dass man manchmal das Gefühl hat, dabei zu sein und sich selbst im Urlaub fühlt. Und nicht zuletzt so sexy – zwar noch jugendfrei, aber mit wohlbekannten Situationen für erfahrene Maspalomas-Dünen-Kenner.

Elvira Klöppelschuh, hinter der sich der 2002 gestorbene Historiker und Homoaktivist Hans-Georg Stümke verbirgt, ist es gelungen, die schönsten schwulen Momente, die einem auf der Insel passieren können, in wunderbar schwule Worte zu fassen. Das Buch ist wie ein Ralf-König-Comic ohne Bilder – die bauen sich beim Lesen von ganz allein auf.

Als Reiseführer, um die besten Kneipen zu finden, eignet sich "Elvira auf Gran Canaria" zwar nicht mehr, dafür ist die Erstauflage 1992 doch in die Jahre gekommen. Auch der "Serviceteil" ist eher bemüht als lustig, geschweige denn nützlich (die "Reise-Merk-Liste" empfiehlt vor der Abreise: "Leder-Möbel fetten"). Wer aber das schwule Lebensgefühl Gran Canarias nachempfinden will, für den ist die Lektüre absolute Pflicht.

Schade, dass die Redaktion ausgerechnet dieses Buch einem "Experten" anvertraut hat. Hätten die Herren es selbst gelesen, würde ich sie mit Sicherheit im Dezember zum ersten Mal auf Gran Canaria sehen…

Elvira Klöppelschuh: Elvira auf Gran Canaria. Urlaub, Schwule, Strand und Tand, Roman, 200 Seiten, Männerschwarm, 12 €

4. Oktober 2006