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Der Skandal um den Abgeordneten Mark Foley gefährdet die Wahlchancen seiner Republikaner.

Von Dennis Klein

Ein Sex-Skandal verhagelt den US-Republikanern derzeit den Wahlkampf: Der 52-jährige Kongressabgeordnete Mark Foley aus Palm Beach war letzte Woche bei einem Sex-Chat mit einem 16-jährigen Kongressboten erwischt worden (queer.de berichtete). In dem freizügigen Gespräch ging es um unter anderem um die Onanie-Gewohnheiten des Jungen. Foley forderte ihn darin auf, seine "einäugige Schlange" anzufassen.

Foley: "Bin schwul und wurde misshandelt"

Gleich nachdem die Meldung publik geworden war, trat der Politiker zurück. Nun hat er auch noch in einer Pressekonferenz über seinen Rechtsanwalt mitteilen lassen, dass er homosexuell ist. "Er will Sie wissen lassen, dass er ein schwuler Mann ist", erklärte David Roth. Außerdem sagte der Anwalt, dass Foley selbst im Alter von 13 bis 15 Jahren von einem Pfarrer misshandelt worden sei. Dadurch habe der Politiker heute noch psychologische Probleme. "Wie Experten mir bestätigt haben, kann die Kombination eines derartigen Traumas mit dem Konsum von Alkohol zu unangebrachtem Verhalten führen, für das Herr Foley natürlich die Verantwortung übernimmt", erklärte Roth. Er stellte jedoch klar, dass der Kongressabgeordnete nie Sex mit einem Jugendlichen gehabt habe - obgleich er in von "ABC News" veröffentlichten Chat-Protokollen einen Jugendlichen dazu aufforderte, zu ihm zu kommen und Alkohol zu trinken.

Foleys Chat-Geschichte wäre sicherlich nicht so schädlich für die Partei, wäre Foley nicht selbst ein großer Moralapostel republikanischen Stils - und dazu noch lange Jahre der Vize-Fraktionschef seiner Partei. Während der gescheiterten Clinton-Amtsenthebung gehörte er zu den lautesten Kritikern des "umoralischen" Präsidenten. Zudem schrieb er sich den Kampf gegen Pädophilie auf die Fahnen - und warnte selbst wiederholt vor den Gefahren für Kinder und Jugendliche im Internet. Bei einigen Homo-Themen zeigte er sich allerdings sanftmütiger: So war er einer der wenigen Republikaner, die gegen eine Verfassungsänderung stimmten, die die Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau definieren sollten. Das sei Angelegenheit der Staaten, argumentierte der Politiker.

Republikanische Mehrheit wackelt noch mehr

Die Affäre ist dabei keine Lokalposse, sondern zieht die Parteiführung selbst in den Strudel. Denn bereits vor einem Jahr wusste der republikanische Vorstand von Vorwürfen gegen Foley. Der hatte scheinbar seit Jahren mit Unter-18-Jährigen rege gechattet - und nicht nur über das Wetter. Vor über einem Jahr war dann die Beschwerde eines 16-jährigen Jungen eingegangen, wurde nun zugegeben. Doch Kongress-Präsident Dennis Hastert, der mächtigste Republikaner im Repräsentantenhaus, kehrte die Angelegenheit unter den Tisch - deshalb fordert die Opposition lautstark seinen Rücktritt. Und das zu einer Unzeit: Nächsten Monat wird ein neues Repräsentantenhaus gewählt, außerdem müssen sich ein Drittel der Senatoren dem Volk stellen - und in beiden Kammern wackelt die Mehrheit, die sich seit 1994 fest in der Hand der Bush-Partei befindet. Bei der Parteibasis, evangelikalen Christen aus der Provinz, hat in den letzten Wochen ohnehin schon die Kritik zugenommen, da die Republikaner ihrer Meinung nach nicht hart genug gegen Abtreibung und Homosexualität vorgingen.

Die Partei versucht nun, den Schaden zu begrenzen - sie schließt hinter dem geschassten Mann aus Florida die Reihen. Präsident George W. Bush selbst bezeichnete die Taten seines Parteifreundes schlicht als "ekelerregend" und stärkte Kongress-Sprecher Hastert den Rücken. Kritik kommt aber sogar von den bushtreuen konservativen Kommenatoren - und die sind sonst nicht zimperlich, zum Beispiel beharren sie drauf, dass im Irak Massenvernichtungswaffen gefunden worden seien. Selbst die regierungstreue "Washington Post" folgte in Folge der Affäre den Rücktritt von Dennis Hastert, dem Sprecher des Repräsentantenhauses. Einfacher machte es sich die Sendung "The O'Reilly Factor" im Republikaner-Kanal "Fox News Channel". Die Krawall-Show, die dem Sender über Jahren die höchsten Einschaltquoten sicherte, bezeichnete den Politiker kurzerhand als Demokraten.

4. Oktober 2006



Sex-Chat-Skandal: Keine Anklage gegen Mark Foley

Vor rund zwei Jahren trat der erzkonservative US-Kongressabgeordnete Mark Foley zurück, weil er mit mindestens einem jugendlichen Kongressboten Sex-Chats per Instant Messenger und E-Mail hatte – jetzt ist das Verfahren wegen Verstoßes gegen das Internet-Kinderpornografiegesetz gegen den 54-Jährigen eingestellt worden.

22 Kommentare

#1 hwAnonym
#2 SaschaAnonym
  • 04.10.2006, 13:53h
  • Sicherlich ist es bezeichnend, dass wieder einmal einer der größten Moralapostel seinen eigenen verlogenen Ansprüchen nicht gerecht wird.

    Aber gerade die verlogenene Schein- und Angstmoral ist es, die wir endlich grundsätzlich in Frage stellen sollten. Ich sehe nämlich absolut keinen Skandal darin, dass ein 16jähriger aus eigenem freien Willen einen Sex-Chat mit einem Erwachsenen führt. Und die allermeisten Jugendlichen dieser Altersgruppe sind auch in der Lage, selbst zu entscheiden, ob und mit wem sie Sex haben wollen oder nicht.

    Letztlich geht es hier um die Perpetuierung einer verlogenen Sexualmoral, im Falle homosexueller Politiker immer auch mit einem gehörigen Maß an Homophobie. So hat dann auch der inzwischen zum Boulevard-Blatt verkommene "Spiegel" diesen "Skandal" gleich ganz oben auf seine Homepage gesetzt!
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#3 gerdAnonym
  • 04.10.2006, 15:40h
  • Das trifft in diesem Fall wiedereinmal genau einen richtigen verlogenen Moralapostel in den Reihen der Republikaner.

    Hoffentlich schadet dies den Republikanern unter Bush und die Demokraten gewinnen die Kongresswahlen.
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#4 NormanAnonym
  • 04.10.2006, 17:08h
  • Cool, ich finde den Chat eigentlich ganz nett.
    Ich würde sagen, der Typ wäre eigentlich ein ganz normaler Schwuler, wenn er nicht so ein großer Moralapostel wäre.
    Aber die sind ja unter Schwulen nur allzu häufig.

    Im Grunde ist dieser Chat auch seine Privatsache, nur darf man sich eben nicht dabei erwischen lassen, wenn man in der Öffentlichkeit eine große Fresse hat.

    So, und nun würde ich gerne noch die Chats von Päpstin Benediktina, George W. Hitler und von Eduard dem Zerstäubten hier vorfinden, genauso breit aufgemacht und angeprangert, dann ist das Weltbild fast wieder OK. :-))
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#5 meAnonym
#6 FloAnonym
  • 04.10.2006, 20:02h
  • "Außerdem sagte der Anwalt, dass Foley selbst im Alter von 13 bis 15 Jahren von einem Pfarrer misshandelt worden sei."

    Würde mich nicht wundern: die andere unterdrücken wollen sind selbst die Schlimmsten. Dass viele Kirchen so große Probleme mit Homosexualität haben, zeigt doch nur, dass sie selbst Dreck am Stecken haben...
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#7 tux2006Anonym
  • 04.10.2006, 20:47h
  • Das ist gut so! Hoffentlich klappt es diesmal, das nicht wieder die Republikander die Oberhand im Staate bekommen. Nur leider spielt dabei auch u.a. das US-Wahlsystem eine Rolle....

    Weiterlesen:
    magazine.web.de/de/themen/nachrichten/
    ausland/amerika/3011964,cc=000005480300030119641JfFBe.html
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#8 NobbiAnonym
  • 04.10.2006, 21:16h
  • Hallo @me,
    wollen doch mal die Kirche im Dorf lassen, abgesehen davon das ich dieses Verhalten von dem Abgeordneten auf schärfste verurteile, entspricht ja auch dem Tatbestand - Mißbrauch von Abhängigen - , sind es KEINE KINDER sondern Jugendliche die auch NEIN ich will nicht mit Dir chaten etc. schreiben und sagen können. Diese Reife müßten sie als Praktikant und, wie in den USA üblich, sogar schon Autofahrer, damit besitzen. Verstehe nicht wieso dieser Spiegellink ständig verkehrt angezeigt wird, hier mal mein Versuch.
    Gruß Nobbi

    www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,440602,00.html
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#9 ChrisAnonym
  • 05.10.2006, 06:26h
  • Ich denke, dass vor den nächsten Wahlen in den USA irgendwo ein Schurkenstaat "entdeckt" wird, der das amerikanische Volk bedroht. Spätestens dann hat man den "Sex-Skandal" vergessen.
    Ich finde es besonders verlogen, dass Foley jetzt noch auf "geistig verwirrt" tut, um somit Homosexualität als psychische Störung darzustellen.
    Aber was wird passieren? Ich denke Bush wird ihn noch schärfer verurteilen, im nächsten Wahlkampf wird besonders gegen den "Sittenverfall" gewettert, ein bisschen Krieg und schon klappt es auch mit der Wahl.
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#10 hwAnonym
  • 05.10.2006, 12:37h
  • @ chris

    ja, vermutlich wird´s so laufen.
    die wahlen im winter.
    schauen wir auf den letzten winter:
    Im November
    2005 berichtete die Washington Post von dem Brief einiger Senatoren
    »an neun große Ölgesellschaften: ›Angesichts des zu erwartenden Anstiegs
    der Heizkosten für den Winter‹, so hieß es darin, ›bitten wir
    Sie, einen Teil Ihrer Rekordgewinne zur Verfügung zu stellen, damit
    auch die einkommensschwache Bevölkerung diese Kosten aufbringen
    kann‹«. Als einziges Unternehmen antwortete CITGO, das
    unter venezolanischer Leitung steht. CITGO bot billiges Öl für die
    einkommensschwache Bevölkerung Bostons und später auch
    andernorts an. Chávez tue dies nur aus »politischem Eigennutz«, hieß
    es daraufhin aus dem US-Außenministerium. Das erinnere an »die
    kubanische Regierung, die unterprivilegierten amerikanischen Jugendlichen
    Stipendien für eine medizinische Ausbildung in Kuba zur
    Verfügung stellt«. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten und anderen
    Ländern, bei deren Hilfe es sich um Nächstenliebe reinsten
    Herzens handelt.Ob diese subtile Kritik die Empfänger der »12 Millionen
    Gallonen verbilligten Heizöls [von CITGO] für lokale Wohltätigkeitsorganisationen
    und 45.000 einkommensschwache Familien
    in Massachusetts« beeindruckt, ist zweifelhaft.Angesichts von 30- bis
    50-prozentigen Preiserhöhungen wird das Öl an Arme verteilt, die
    »erbärmlich niedrige Heizkostenbeihilfen erhalten – ein warmer
    Regen für Menschen, die sonst kaum über den Winter kämen«, so
    der Leiter der gemeinnützigen Organisation, die das verbilligte Öl an
    »Obdachlosenheime, Wohlfahrtseinrichtungen und einkommensschwache
    Haushalte« verteilt. Und weiter meinte er, er »hoffe, diese
    Abmachung stelle ›eine freundliche Aufforderung‹ an die US-amerikanischen
    Ölgesellschaften dar – die erst kürzlich Quartalsgewinne in Rekordhöhe meldeten –, ihre zusätzlichen Gewinne zu
    verwenden, armen Familien über den Winter zu helfen«. Offensichtlich
    hoffte der Mann vergeblich.......
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