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Frankreichs schrillste Stimme feiert Jubiläum. Gut geföhnt, gediegen gekleidet, phonetisch brillant – 40 Jahre Mireille Mathieu.

Von Jan Gebauer

Wir rollen das R und lassen die Sektkorken knallen: Mireille Mathieu feiert 40-Jähriges. Viereinhalb Jahrzehnte beglückt und erschrickt uns die Französin mit ihren Chansons und Schlagern. Entweder man liebt oder hasst sie abgrundtief – dazwischen gibt es nicht wirklich viel. Das liegt vielleicht auch daran, dass sich die Mathieu in ihrer Karriere kaum verändert hat: Der unverwechselbare schwarze Pilzkopf sieht immer noch genauso aus wie am Anfang ihrer Karriere – sieht man von temporären, modischen Föhnwellen ab. Ihre kühle, dezent freundliche Art ist ebenso unverändert, wie der neckisch-französische Akzent bei deutschen Liedern (Achtung: rollendes R) oder ihr eisenharter, technisch brillanter Gesangsstil, der selbst einem Orkan trotzen würde. Mathieus Karriere krankte immer etwas an der Berechenbarkeit: Ihr Repertoire pendelte stets zwischen unfreiwillig komischen Schlagern, tränenreichen Schnulzen und durchaus ernstzunehmenden Chansons. Allerdings sang sie alles gleich, egal ob es nun um die ewige Liebe, Wein aus Bordeaux oder die Kulissen von Paris ging: Stark, packend, wie ein Fels in der Brandung – nein, Verletzbarkeit suchte man bei der Mathieu vergebens.

"Herzlichst, Mireille" heißt ihr aktuelles Doppel-Album, dass auf der einen Seite zum x-ten Male ihre großen Hits präsentiert und auf der anderen viele Raritäten bereithält, die zum großen Teil ihr CD-Debüt feiern. Fans werden die erste CD gut und gerne übersehen und sich dafür flink auf die wenigen neuen und seltenen Stücke stürzen. Unter den frisch eingespielten Titeln findet sich u. a. eine Neuauflage von "Goodbye My Love", dass die Mathieu in den 80er Jahren noch mit Peter Alexander zu Hitehren führte. Beim 2006er Aufguss wurde ihr ausgerechnet der unsägliche Florian Silbereisen an die Seite gestellt. Schwamm drüber!

Nimmt man Mathieus Hits mit Humor und hört bei den unbekannteren Stücken genau hin, eröffnet sich langsam der Unterhaltungswert der Französin. Die Evergreens machen unglaublichen Spaß, lassen einem manchmal vor Lachen die Tränen im Auge stehen und dürften auf der nächsten Schlagerparty zum fröhlichen "wie viele französische Klischees findet man in Mathieus Liedern"-Raten einladen. Auf der ernsten Seite warten viele hübsche Chansons, jederzeit perfekt gesungene Schlager und Überraschungen wie die deutsche Version von Roland Kaisers "Dich zu lieben" ("Où est l'amour"). Nur beim Cover und den Booklet-Fotos hätte man sich etwas zurückhalten können. Bis aufs Äußerste retuschiert wirkt die 60-jährige Künstlerin wie eine Untote. Spatz von Avignon, das hast du wirklich nicht verdient!

13. Oktober 2006



#1 WernerAnonym
  • 18.10.2006, 13:18h
  • Qui est Mireille Mathieu? Zumindest dürften sich die meisten Franzosen diese Frage stellen, denn in Frankreich hat die Tante nicht annähernd die Popularität wie in Deutschland. Zu Recht, denn dort hat man ganz andere Kaliber zu bieten, die ohne den Klischee-Kitsch auskommen.
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#2 MartinAnonym
  • 19.10.2006, 19:16h
  • Seit ein Paar Jahren ist Mireille Mathieu wieder ganz schoen oben in Frankreich zu finden. Grosse Tourneen (2002,2005), neue Lieder, Fernseh-und Radioauftritte, Presse-Interviews...
    Bald kommt auch die neue DVD und CD auf der Markt.
    Es stimmt, dass sie nicht bei allen Franzosen geliebt ist, aber viele zeigen ihr Respekt: schliesslich singt sie seit 40 Jahren und neben Aznavour oder Kaas kennt man sie als grosse singende Botschafterin ihres Landes, von Kanada bis China und von Mexico bis Moskau.
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#3 mvsAnonym
  • 19.10.2006, 21:56h
  • Lieber Gott, schenke doch
    der Mireille Mathieu ein Loch,
    lass sie reinfall'n und mach's zu
    dann is' auf der Erde ruh.

    Schenk dem Peter Alexander
    einen Feuersalamander,
    der ihm, wenn er sagt, wie er heißt
    gleich kräftig in den Finger beißt!

    Schenke auch dem Gildo Rex
    ein fleischfressendes Gewächs,
    dass ihn, wenn er auch nur singt
    auf der Stelle gleich verschlingt.

    Und zum Schluss - bin ja nicht dumm -
    dreh Heino noch die Gurgel um.

    Jodelei-ti :)

    (Otto Waalkes)
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