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  • 24. Oktober 2006, noch kein Kommentar

Peter Nathschläger über seinen neuen Roman "Patricks's Landing", Spiritualität und Genuss

Von Christian Scheuß

Der Schriftsteller Robert Walden ist wieder da, den wir zuletzt in "Es gibt keine UFOs über Montana" glücklich vereint mit seiner alten Jugendliebe getroffen haben. Doch inzwischen ist viel Zeit vergangen. Der Freund ist verstorben, Robert allein. Walden findet einen verletzten, bewusstlosen Jungen auf seinem Farmgrundstück. Er pflegt ihn und freundet sich mit dem später Erwachten an. Doch es beginnt ein gnadenloses Rennen mit der Zeit. Wenn nicht bald Hilfe kommt für den misshandelten Jungen, droht Patrick zu sterben. Peter Nathschläger gibt im Interview einige Details seiner neuesten Story bekannt.

"Patrick's Landing", das klingt so nach David Bowie, der der Mann war, der vom Himmel fiel. Ist das ein Motiv der Story?

Nicht direkt. Robert Walden mag den Ort, an dem er den schwer verletzten Patrick gefunden hat, als eine Art verbrannte Fläche sehen, einen Ort, wo etwas eingeschlagen hat und sein Leben änderte. Die Tragödie um Patrick Fletcher ist um diesen Ort am Weidezaun zentriert. Ich habe weder beim Titel noch bei der Geschichte je an David Bowie gedacht, aber jetzt, da Du es erwähnst, gefällt mir der Gedanke recht gut.

Wo befinden wir uns bei "Patrick’s Landing"?

Es spielt im Sommer 2034 in Montana. Dieser Zeitsprung ermöglicht es mir, quasi eine Generation weiter zu schauen und einige offene Fragen bezüglich früherer Protagonisten wie David Schneider, Walter Crown und natürlich Robert Walden zu beantworten. Da der Protagonist Patrick Fletcher der Sohn von Mark Fletcher ist, dem mit David Schneider die Flucht aus dem Heim in Shenandoah gelang (siehe: Dunkle Flüsse), hatte ich die Möglichkeit, alle offenen Entwicklungen und Schicksale zu skizzieren.

Ein alter Mann redet auf einen bewusstlosen Jungen ein. Was entwickelt sich daraus für eine Beziehung?

Zunächst eine recht einseitige: Robert Walden redet auf den Jungen ein, zuerst in der Hoffnung, irgendwie zu ihm durchzudringen, später aber redet er, um seinen eigenen Verlust zu verkraften und um sich darüber klar zu werden, was diese spezielle Situation von ihm erfordert - war er doch bislang immer derjenige, dem andere die Alltagssorgen abgenommen haben. Robert Walden hat Angst vor der Verantwortung, die ihm da blutend in die Hände gefallen ist. Schlussendlich schafft er es ja, durchzudringen, und die Beziehung, die daraus entwächst, ist eine bittere Abhängigkeit: Patrick glaubt tief im Inneren nicht mehr daran, dass er überleben wird. Robert Walden glaubt das auch nicht. Aber sie machen weiter, weil es nun mal die Aufgabe von Menschen ist, solange weiter zu machen, wie es nur geht.

Der alte Mann begehrt den Jungen. Und auch für Patrick ist das Begehren Thema.

Patrick Fletcher ist ein Teenager. Begehren und begehrt werden ist ihm nicht fremd. Er ist sich durchaus bewusst, dass es Menschen gab und gibt, die ihn begehrten, ihn liebten. Und er ist sich auch bewusst, dass er mit den Gefühlen dieser Menschen gespielt hatte. Sicherlich nicht auf durchtrieben-boshafte Art, aber doch verletzend genug, um sich später deswegen schlecht zu fühlen. Die offene Liebe von Caio Franks, seinem besten Freund, benutzte Patrick oft wie eine Bühne für sein Ego. Am Ende des Buches und am Ende seines Weges angelangt begreift er, dass Caios reine Liebe ihn von allem reinwäscht - weil Liebe eben nicht hochrechnet sondern jenseits aller menschlichen Scharmützel eine ureigene Kraft und Qualität darstellt.

Deine Romanstoffe haben oft etwas Spirituelles, Religiöses. Es geht um Werte wie: Schuld und Sühne, Vergebung, Leben und Tod. Wie sehr schöpfst du aus solchen Quellen?

Das sind doch universelle Themen, oder? Ich halte diese Themen nichteinmal für besonders sakral oder esoterisch, sondern viel eher für menschlich, ja geradezu naturalistisch. In den großen monotheistischen Religionen scheint es eine direkte Abhängigkeit zu geben: Untat-Reue-Sühne-Vergebung. Mir war es immer wichtig, in meinen Büchern die Möglichkeit in den Raum zu stellen, dass Gott (wie auch immer man ihn oder es nennen möchte) sich mit Sicherheit nicht an die Schriftrollen und Schriftsammlungen gebunden fühlt. Dass er oder es ganz andere Maßstäbe ansetzt - Maßstäbe, die weit über die Grenzen unserer eigenen Moral und Sittenvorstellungen hinausgehen können. Wenn ich aus religiösen Quellen schöpfe, dann meist im negativen Sinn: Nirgendwo scheint es üblere Bigotterie, Falschheit, Machtwahn und Egoismus zu geben wie im Dunstfeld der Machtzentralen der Weltreligionen.

Wer Dein Weblog liest, merkt, dass du weniger Asket und mehr ein Freund des Genusses bist …

Hey, wir haben Sinne, ich habe Sinne... Soll ich die verrotten lassen, nur weil andere dies als Weg in den Himmel hochhalten? Sinnlichkeit und Gläubigkeit schließen sich nicht aus. Mein Glaube als "Freidenker" erlaubt mir, an einen Gott zu glauben, der uns das nötige Rüstzeug mitgegeben hat, ein menschlich erfülltes Leben zu führen, Verantwortung zu tragen und uns zu entwickeln. Man muss nur versuchen, an jedem Tag ein besserer Mensch zu sein, als am Tag zuvor. Oder zumindest kein Arschloch.

Peter Nathschläger: Patrick’s Landing, Himmelstürmer Verlag, 14,90 Euro

24. Oktober 2006