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  • 26. Oktober 2006, noch kein Kommentar

Georg Danzer und Franz Josef Degenhardt: Zwei Liedermacher der ersten Stunde und ihre neuen Werke.

Von Carsten Weidemann

George Danzer feiert seinen 60. Geburtstag mit einem neuen Album: "Träumer". Doch der österreichische Liedermacher feiert nicht nur sein Lebensalter, sondern auch 40 erfolgreiche Jahre im Musikgeschäft mit ebenso vielen Alben. Danzer der Poet, der Zornige, der Träumer, der Musikant, der Lyriker der es stets geschafft hat undressierte Texte wie wilde Pferde durch seine Lieder laufen zu lassen. Dieser Danzer wirkt auf seiner neuen CD ungeschminkt ehrlich wie eh und je. Der Titelsong "Träumer" ist eine Rekapitulation der vergangenen 40 Jahre. Wie gesagt "Rekapitulation" – keine Kapitulation vor der Geschichte. Die 60er Jahre mit all ihren Träumen, die Welt zu verändern… viele Irrwege - aber im Grunde nicht falsch und vor allem mit der Feststellung, dass man sich im Leben nichts von anderen ausradieren lassen soll. Oder wie heißt es, "die Hoffnung stirbt zuletzt". Die ganze CD hört und liest sich wie "das waren 60 verrückte Jahre und was jetzt kommt, weiß keiner so genau…".

Die 60 hat Franz Josef Degenhardt schon einige Jahre überschritten. Am 3. Dezember wird der Liedermacher-König bereits 75 Jahre alt. Als Meister der zeitgenössischen Ballade in der Tradition Brecht-Wedekind-Tucholsky erzählt Degenhardt auf "Dämmerung" wieder seine alltäglich-skurrilen Geschichten aus den gesellschaftlichen Randbezirken, von Schmuddelkindern und Antihelden, wie dem frisch aus dem Seniorenheim geflohenen "Onkel Allbright", dem einstigen Bombenleger und heutigen Kneipen-Sonderling "Bruder Hans" oder dem alten Kumpan "Fuchs auf der Flucht", dem Degenhardt ins Grab hinterher eine Hommage und sich selbst dabei den Tod vom Leibe singt. Musikalisch ist er dabei auf den Punkt wie selten zuvor: Gesang, Gitarre, Mundharmonika – von ihm selbst eingespielt. Ansonsten nur wenige zusätzliche Instrumente, eingebettet in sparsame Arrangements. Der Blick aufs Wesentliche wird freigelegt, die Wirkung der Textebene unterstützt, ohne Klischees zu bedienen. "Poetisches Musizieren" möchte man das nennen.

26. Oktober 2006