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  • 03. November 2006, noch kein Kommentar

Ray Charles verstarb 2004, doch die Legende lebt. "Ray Sings, Basie Swings" ist ein weiteres posthumes Album.

Von Jan Gebauer

Ray Charles hat alles gesungen: Er prägte Soul, Blues und Jazz, wagte sich an Country- und Pop-Alben und arbeitete mit den größten Stars der jeweiligen Musikrichtungen zusammen. Die namenhaften Künstler standen quasi Schlange, um mit der einmaligen Stimme ins Studio oder auf die Bühne zu gehen. Bei Count Basie war es genau umgekehrt. Charles bewunderte den Jazz-Altmeister und wollte unbedingt einmal mit ihm zusammenarbeiten. 1960 spielte Charles schließlich gemeinsam mit dem Count Basie Orchestra ein Album mit dem Titel "Genius + Soul = Jazz" ein. Es enthielt fast ausschließlich Instrumentalversionen von Jazzstandards und bedauerlicherweise kaum Gesangsnummern aus Charles’ eigenem R&B-Repertoire. Nun ist es - dank modernster Technik und einer gehörigen Portion Mut - zu einem posthumen Aufeinandertreffen von Charles und dem aktuellen Count Basie Orchestra gekommen. "Ray Sings, Basie Swings" heißt das Album, auf dem zwei Legenden der schwarzen Musik Amerikas neues Leben eingehaucht bekommen.

Die Idee zu dem nicht unumstrittenen Experiment kam dem Produzenten John Burk Ende letzten Jahres, als er in den Archiven von Concord Records Tonbänder eines Charles-Konzerts aus den 70er Jahren entdeckte. Der Live-Mitschnitt befand sich allerdings in einem desolaten Zustand: Während Charles’ Stimme auf den Tonbändern makellos herüberkam, war die Begleitband kaum mehr zu hören. Burk hatte daraufhin die Idee, die gut erhaltene Tonspur mit der Stimme zu überspielen und den Part des Orchesters vom heutigen Count Basie Orchestra unter der Leitung von Bill Hughes neu einspielen zu lassen.

Das Ergebnis überzeugt: Dank der vorzüglichen Arbeit von Burk & Co. klingen die Tracks frisch und klar und wer die Stimme von Charles liebt, wird auch hier voll auf seine Kosten kommen. Den Hörer erwarten u. a. bekannte Hits wie "Cryin’ Time", "I Can’t Stop Loving You" oder "Georgia On My Mind", allerdings auch Stücke von den Beatles ("The Long And Winding Road"), Louis Jordan ("Let The Good Times Roll") und den Gershwins ("How Long Has This Been Going On?"). Zwar könnte man Burk leicht unterstellen, er will mit dem Projekt noch mal kräftig an der Legende verdienen, was sicher auch zu einem bestimmten Prozentsatz stimmt, aber am Resultat ändert das nichts: "Ray Sings, Basie Swings" ist für Fans ein gewinnbringender Hörgenuss.

3. November 2006