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  • 13. November 2006, noch kein Kommentar

Gewagt: Zwei Bände aus dem Männerschwarm Verlag erinnern an den schwulen Anarchisten und pädophilen Außenseiter.

Von Carsten Weidemann

Als die Schwulenbewegung in den sechziger und siebziger Jahren um Anerkennung rang, wollten viele Mitstreiter auch die Befreiung der Sexualität von jungen Menschen erreichen. Vorreiter in diesem Kampf war Peter Schult - ein inzwischen in Vergessenheit geratener homosexueller Anarchist.

Der Männerschwarm Verlag hält mit zwei Büchern die Erinnerung an den Außenseiter wach. Er veröffentlicht eine 1978 erstmals erschienene Autobiografie neu, die viele Jahre vergriffen war. Der viel sagende Originaltitel: "Besuche in Sackgassen". Außerdem erläutert Florian Mildenberger von der Ludwig-Maximilians-Universität München in "Beispiel: Peter Schult" die Diskussionen über Knabenliebe im Deutschland des 19. und 20. Jahrhunderts - und schlägt eine Brücke in die Zukunft.

Schult hat ein ereignisreiches Leben hinter sich: 1928 geboren, erlebte er als Hitlerjunge seinen ersten schwulen Sex. Im Nachkriegsdeutschland engagierte er sich bei den Jungdemokraten, musste aber zurücktreten, als seine Homosexualität publik wurde. Dann verbrachte er sechs Jahre lang in der französischen Fremdenlegion, desertierte aber während des Algerienkrieges. Er saß wegen Drogenhandels mehrere Jahre in deutschen Gefängnissen und setzte mit seinem politischen Engagement Mitte der Siebziger das Thema Pädophilie wieder auf die Tagesordnung der Emanzipationspolitik.

Natürlich kam er wieder mit dem Gesetz in Konflikt - wegen eines angeblichen Übergriffes auf ein junges Mädchen. Schult selbst sah darin aber eine Kampagne des Staates gegen sich. Als Anarchist und Päderast kämpfte er gegen das verhasste System - und starb 1984 an Lungenkrebs. Autor Mildenberger behauptet, dass ihm in Gefangenschaft ärztliche Hilfe verweigert wurde.

Schults Thesen mögen heute im allgemeinen Diskurs befremdlich und abgedroschen erscheinen. In der linken Diskurskultur der Sechziger und Siebziger wurde er allerdings einer der Vordenker angesehen.

Peter Schult: Besuche in Sackgassen - Aufzeichnungen eines homosexuellen Anarchisten, Sachbuch, 265 Seiten, Männerschwarm, 16 Euro

Florian Mildenberger: Beispiel: Peter Schult - Pädophilie im öffentlichen Diskurs
Sachbuch, 207 Seiten, Männerschwarm, 14 Euro


13. November 2006