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  • 16. November 2006, noch kein Kommentar

Ein neuer Roman zeigt den schwulen Wilden Westen fernab von "Brokeback Mountain"-Romantik: "Missouri" von Christine Wunnicke.

Von Dat tat Do

Es endet tragisch, was nicht sein darf und doch sein kann: Ein einfacher Gerichtsschreiber Anfang des 19. Jahrhunderts steigt in der Londoner feinen Gesellschaft auf zum renommierten Schriftsteller und verliebt sich in einen Jungen. Doch von Anfang an steht diese Liebe unter keinem guten Stern.

Der 30-jährige Douglas Fortescue gibt nur vor, etwas zu sein, was er nicht ist. Er stiehlt seine Gedichte und Erzählungen nämlich von jungen Burschen, die ihm unter Einfluss von saisonalen Modedrogen ihre Erlebnisse schildern. So nimmt er begierig und gewissenhaft auf, was sie sprechen, fühlen, genießen und erleiden. Eines Tages erhebt die Society allerdings den Verdacht, dass er sich seinen durchweg männlichen Musen ebenso körperlich genähert haben soll, was der Dichter verneint. Allerdings lässt er sich von seinem Bruder und Manager Jeremy dazu bewegen, sicherheitshalber doch die Insel zu verlassen und sich mit ihm eine neue Heimat in den Vereinigten Staaten zu suchen.

Dort wird er gefangen genommen von einem Trupp Vogelfreier, die unter der Führung von Joshua Jenkyns raubend und mordend durch die Lande ziehen. Der Teenager kennt kein Erbarmen, ist gefürchtet. Doch er liebt zufälligerweise die Werke seiner Geisel – und verliebt sich in den Mann, der zögerlich eine Annäherung zulässt. Sein Bruder heuert währenddessen Söldner an, um dem Jungen das Handwerk zu legen. Sein klarer Befehl lautet: Jenkins erschießen, den Bruder lebend befreien!

Es wird brenzlig für die Liebenden, als die Gefolgschaft des Gesetzlosen die beiden verlässt, da sie wahrnimmt, was zwischen ihnen abläuft. Auf der Flucht nach Missouri wird Joshua immer zugänglicher und wandelt sich von einem einsamen Wesen zu einem fühlenden Menschen, dem die Liebe erstmal im Leben begegnet. Gefühle kann er beispielsweise nur durch einen lauten Schrei ausdrücken. Wie laut muss der nur in der ersten gemeinsamen Nacht sein…

Auf allzu intime Details verzichtet die Autorin Christine Wunnicke glücklicherweise dabei, sie belässt es beim andeuten, skizzieren. Das macht auch den besonderen Charme der Erzählung aus und erhebt sie zu wirklich guten schwulen Literatur! In romantischen, verspielten sowie poetischen Szenen erzählt Wunnicke die ungewöhnliche Liebesgeschichte "Missouri" - der aufmerksame Leser ahnt bald, dass dort die Reise für alle beteiligten tragisch enden wird.

Christine Wunnicke: Missouri, Roman, 117 Seiten, Männerschwarm Verlag, 14 Euro

16. November 2006