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  • 22. November 2006, noch kein Kommentar

Amerika ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten - gerade an Weihnachten. Besonders in New York wird das Fest lange, opulent und dekadent gefeiert.

Von Dennis Klein

Egal ob in den Parks, Shoppingzentren oder in der Schwulenszene - Weihnachten findet in der heimlichen Hauptstadt der USA - wie so vieles - im XXL-Format statt. Die Christmas Season wird dort Jahr für Jahr Ende November an Thanksgiving, dem amerikanischen Erntedankfest, eröffnet. Der letzte Wagen der legendären Macy's Thanksgiving Day Parade markiert den Beginn der Vorweihnachtszeit. Hier hat Santa Claus persönlich Platz genommen. Und noch bevor der erste Schnee fällt, verwandelt sich New York City in ein fast magisches Winterwunderland, dem in Blockbustern wie "Kevin - Allein in New York" gehuldigt wird. Je näher das Christfest rückt, desto mehr Transen trifft man als Domina-Weihnachtsfrauen in der legendären Christopher Street. Und selbst die sonst so harten Polizisten kommen mit Weihnachtsmützchen daher.

In der Stadt wurde 1912 der erste öffentliche Weihnachtsbaum aufgestellt. Diese Tradition ist nach wie vor wach, an allen Ecken der City. Das Rockefeller Center Tree-Lighting am 29. November ist dabei ein besonderes Spektakel. Bereits sechs Stunden vor dem eigentlichen Ereignis um 20 Uhr versammeln sich die ersten Schaulustigen, um die Illumination der riesigen Tanne und die zweistündige Show mitzuerleben.

Ganz so bombastisch geht es in der Szene nicht zu: Zwar steht so mancher Weihnachtsbaum in der Boybar - aber gerade in der Christopher Street bieten viele kleine Bars Rückzugsfläche vom Weihnachtsstress dort draußen. Es streifen sich in den vielen Stripclubs der Stadt trotzdem gutgebaute Tänzer rote Mützen mit weißem Plüsch über Haupt und Hoden - man braucht aber nicht zu befürchten, andauernd mit "Jingle Bells" vollgedudelt zu werden. Um ein paar schmucke New Yorker zu treffen, sind vor allem kleinere Bars geeignet. Ins Gespräch zu kommen ist dort einfacher als Zigaretten zu finden. Die wichtigsten aktuellen Informationen, wo wann was abgeht, gibt es im wöchentlichen "HX Magazine", das kostenlos in der Szene ausliegt.

Wer um X-Mas einen Trip in die Stadt plant, sollte sich sputen: Viele Hotels sind sehr schnell ausgebucht - und zudem noch etwas teurer als sonst. Der günstige Dollarkurs macht das aber mehr als wett: Außerdem sind vor und noch mehr nach Weihnachten viele Schnäppchen in Big Apple zu holen. Der Shopping-Himmel ist dabei Macy's (151 W., 34th St.): Das luxuriöse Kaufhaus erstrahlt von allen Weihnachtssternen in New York am hellsten - alle Vorzüge des Kapitalismus werden in den riesigen Schaufenstern präsentiert.

Doch wer als Schwuler nicht nur dem Kommerz frönen, sondern die Geburt des Gottessohnes feiern will, für den gibt es in der City natürlich auch ein Angebot: Die Metropolitan Community Church (MCC) ist eine protestantische US-Kirche, die sich gerade an Schwule und Lesben wendet - und die meisten Anhänger in New York hat. Sie befindet sich in Manhattan (446 W, 36th St.) und bietet am 24. und 25. Dezember Weihnachtsgottesdienste unter der Regenbogenfahne an. Wer statt christlicher Erbauung nur den richtigen Sound sucht, ist beim New York City Gay Men Chorus richtig: Der sorgt mit seinem "Holiday Spectacular" seit rund 25 Jahren für Weihnachtsstimmung (11. Dezember in der Carnegie Hall).

Für Weihnachtsmuffel ist New York sicher nicht zu empfehlen. Doch wer die Party liebt, das raue, windige Klima toleriert und dem traditionellen Wintergetränk Eggnog - einem teilweise äußerst hochprozentigen Eierpunsch - nicht abgeneigt ist, der wird die Stadt lieben. In Amerika ist die Stimmung um Weihnachten ohnehin auf dem Höhepunkt - und die US-Boys sind dann auch am Willigsten.

22. November 2006