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  • 18. Dezember 2006, noch kein Kommentar

Die brasilianische Metropole wird als "cidade maravilhosa" verehrt - völlig zurecht!

Von Dennis Klein

Auf dem amerikanischen Kontinent läuft Rio de Janeiro den US-Metropolen langsam den Rang als Mekka für schwule Reisende ab. Die "cidade maravilhosa" (wunderbare Stadt) bietet atemberaubende Strände, eine pulsierende Szene und ein wunderbares Flair machen das weltoffene und lebensfrohe Rio zum Erlebnis.

Wenn's bei uns trüb ist, wird es in Rio richtig heiß: Jetzt im Winter sinkt das Thermometer im Rio selbst nachts selten unter 25 Grad. Der Atlantik sorgt dafür, dass selbst in Hitzeperioden eine steife Brise den Aufenthalt angenehm macht.

Das Klima schlägt natürlich auch auf die Menschen nieder: Dass die Brasilianer heißblütig sind, weiß man auch jenseits des Atlantiks. Beim Besuch der Strände sollte man aber auf jeden Fall eine Sonnenbrille mitnehmen: Zuerst wird man von der Schönheit der Mannsbilder geblendet, die den Strand auf- und abschlendern. Zum anderen kann man hinter undurchsichtigen Gläsern den Jungs einfach besser hinterherschauen.

Für schwule Urlauber sind besonders die Stadtteile Ipanema und Copacabana im Süden der Metropole interessant. Dort pulsiert das Leben - sowohl Strand, Shopping als auch Bars und Clubs machen diese Distrikte zum Partyzentrum. In der Unzahl an Kneipen - Ipanema hat die schöneren - kann man abends erstmal in Ruhe ein Bierchen trinken, denn die Clubszene, die auf die Copacabana konzentriert ist, wird erst um 23 Uhr aktiv. Echte Barbies (Schwule, die sich gerne selbst präsentieren) erscheinen erst um 1 Uhr morgens. Im wilden Leben mischen sich Einheimische und Touristen. Dabei ist es nebensächlich, wenn man kein Portugiesisch spricht - Körpersprache und Englisch reicht meist für eine Kontaktaufnahme. Es wird allerdings davon abgeraten, Fremde mit aufs eigene Hotelzimmer zu nehmen. Dafür stehen aber als Ausweichlösung viele Stundenhotels in der Szene zur Verfügung. Die Szene bietet auch eine mannigfaltige Auswahl für Saunafreunde. Hier tummeln sich auch Callboys. Will man einen näher kennenlernen, sollte man vorher seinen Obulus verhandeln. Außerdem ist die Kabine meist kostenpflichtig und muss später bei der Rezeption beglichen werden.

Die Brasilianer feiern gern: Besonders an Karneval im Februar verwandelt sich die Stadt in ein Tollhaus. Abertausende basteln ein ganzes Jahr lang an extravaganten Kostümen, die nur für diesen Anlass getragen werden. Wer die Parade live miterleben will, sollte schon im Reisebüro nach einem Ticket für einen guten Platz fragen - erst mal in Rio angekommen, sind die besten Tischplätze für Touristen unerreichbar. Wer besonders abenteuerlustig ist, kann sich - gegen eine entsprechende Gebühr - in einer der Sambaschulen anmelden und so an der Parade teilnehmen. Vorher sollte man aber auf jeden Fall die Liedtexte in- und auswendig können. Denn die Sambaschulen werden am Ende von Richtern bewertet - wenn ihre Mitglieder nicht enthusiastisch genug mitsingen, gibt es Punktabzug.

Natürlich ist in Rio nicht alles Gold: Man braucht nur die Berge hinter dem glitzernden Stadtteil Copacabana anschauen. Von weitem sehen sie zwar schön und romantisch aus, von nahem stellt man aber fest, dass sich dort ein Slum an das nächste reiht. Dort ist es für Touristen vor allem nachts hochgefährlich. Auch in scheinbar sicheren Stadtteilen muss man Vorsicht walten lassen. Die sozialen Unterschiede sind in Rio hundert Mal gewaltiger als in Zürich: So können Einzelpersonen auf Drogen oder ganze Banden Touristen überfallen, da diese oft viel Geld mit sich herumschleppen. Darum wird empfohlen, stets ein wenig Geld mit sich zu führen - zirka 30 Euro in Landeswährung. Wenn die Diebe nichts bekommen, können sie nämlich auch gewalttätig werden. Außerdem sollte man bei einem Überfall nie den Helden spielen - so mancher Tourist endete schon im Krankenhaus, und das sind die paar Moneten nicht wert. Auch wichtig: Man sollte nie mit teurem Schmuck oder anderen Wertgegenständen offen herumlaufen. Das weckt Begehrlichkeiten, die oft in einer Straftat enden.

Trotz aller Einschränkungen: Rio ist eine Partystadt mit dazu einmaliger Architektur, in die sich Touristen so gut wie immer verlieben. Herzlicher Umgang, umwerfende Männer und Feiern bis zum Abwinken - wenn nur das Leben immer so wäre.

3. Januar 2007