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Eine archäologische Ausstellung über die Geschichte der menschlichen Sexualität startet Anfang Februar in Mettmann.

Von Carsten Weidemann

"Rippeln", "bei sich liegen" oder "sich im Fleische erkennen" - alles Synonyme der mittelalterlichen Sprache für Geschlechtsverkehr. Wenn es um die Themen Sexualität, Liebe und Erotik geht, tut man sich schwer. Oft wird fantasievoll verschleiert. Immer besteht die Gefahr, von der bildhaften oder politisch korrekten Sprache ins Vulgäre abzugleiten.

Die im Drents Museum in Assen, Niederlande, konzipierte Ausstellung "100.000 Jahre Sex" nähert sich diesem Themenkreis unter archäologischem Blickwinkel. Wo Worte und Schriftquellen fehlen, sprechen Zeichnungen auf Felsen und Wänden, Tonfiguren, Statuetten oder Bildmotive auf antiken Gefäßen. Den Besucher erwartet eine ebenso interessante wie vergnügliche Zeitreise durch 100.000 Jahre. Sicherlich gab es Sex auch schon vor 100.000 Jahren – und nicht nur Männlein und Weiblein haben sich vergnügt, sondern auch Mitglieder des gleichen Geschlechts.

Wann entdeckten die Menschen den kleinen Unterschied? Seit wann empfinden wir Scham, Lust und Verlangen und denken darüber nach? Gab es in der Steinzeit den Anteil an der Jagdbeute nur im Tausch gegen Sex? Wie trieben es die alten Griechen und Römer?

Diesen und anderen Fragen geht die Ausstellung auf die Spur. Auf 300 Quadratmetern Ausstellungsfläche kann man sich über die sexuelle Bildersprache in der Kunst der Altsteinzeit informieren und erhascht einen Blick auf das, was Mann und Frau in der Bronzezeit "darunter" trugen.

Freizügige Darstellungen auf griechischen Keramiken geben einen Einblick in die Welt der "pornai" und "hetairai" - der Prostituierten - und zeigen zugleich, wie sich die damalige Männerwelt Lust und Vergnügen vorstellte.

Die Ausstellung verdeutlicht, dass sich durch die Jahrtausende Moralvorstellungen wandelten und deutlich von denen unserer Zeit unterscheiden. Dies wird vor allem bei Ehe, Homosexualität und Sex mit Minderjährigen deutlich. War es im Alten Rom völlig legitim, sich neben der Ehe lustvollen Zweitbeziehungen zu widmen und Bordelle aufzusuchen, so sah das die Welt des Mittelalters anders: (Hetero-)Sex sollte ausschließlich in der Ehe zum Zweck der Fortpflanzung und nicht zum Lustgewinn stattfinden. Bußbücher, in denen Geistliche mit viel Fantasie ausführlich alle Arten sexueller Verfehlungen sowie die dafür notwendigen Bußübungen aufzählten, belegen allerdings auch, dass nicht jeder diese Moralvorstellungen nachvollziehen wollte. Dies zeigen auch die Verse der Minnesänger und Bilddarstellungen in alten Handschriften.

Pornographische Darstellung in der Kunst der Neuzeit, das erste Kondom sowie diverse Spielzeuge zum Lustgewinn führen den Besucher schließlich in die Gegenwart.

Die Ausstellung "100.000 Jahre Sex" zeigt Kulturgeschichte pur. Deutlich wird, wie sich die Blickweisen auf das Thema Sex und was damit alles im Zusammenhang steht im Laufe der Jahrtausende wandeln.

"100.000 Jahre Sex", vom 3. Februar bis zum 20. Mai 2007 im Neanderthal-Museum (Talstr. 300, 40822 Mettmann). Öffnungszeiten: Di-So 10 bis 18 Uhr (Ostermontag geöffnet). Eintritt: 8 Euro, Studenten 5,50 Euro.