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Die Aids-Prävention geht ins Internet. Am 1.2. startete bei gayromeo ein neues Präventionsprojekt.

Von Christian Scheuß

Die Zeichen mehren sich, dass die Safer-Sex-Botschaften immer weniger ankommen, und alle Beteiligten in den Aids-Hilfen machen sich Gedanken darüber, warum das so ist.

Der Pharmaindustrie wird die Schuld zugeschoben, weil sie mit ihren Werbekampagnen angeblich behauptet, mit dem Schlucken von ein paar Pillen sei es nach einer Infektion mit HIV getan. Den Medien werden Vorwürfe gemacht, weil sie Aids nicht mehr thematisieren. Die tödliche Bedrohung sei nicht mehr sicht- und spürbar, klagen die Aids-Hilfen, weil die neuen Medikamente ja tatsächlich – und glücklicherweise - die Lebenserwartung von Positiven stark erhöht haben.

Was weiterhin an Lebensqualität und Lebenschancen flöten geht, das bekommt leider kaum einer mit. Safer Sex ist weiterhin die einzige Alternative, schreien die bunten Plakate der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und Aids-Organisationen schon beinahe verzweifelt und mit zunehmend drastischeren Bildern.

Jüngstes Beispiel sind die Anzeigen der Berliner Kampagne "Vergessen ist ansteckend". Auf den Motiven sieht man Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung beim Sex. Umschlungene Körper beim entfesselten Liebesspiel – auf dem Schreibtisch, im Fahrstuhl, im Park, im Bett oder in der Badewanne. Doch den aufregend in Szene gesetzten Protagonisten fehlt etwas Entscheidendes: Der Kopf. Die Botschaft ist klar. Aber geht es nicht genau darum beim Sex? Den Kopf verlieren zu können, weil erst dies das sexuelle Erleben so unvergleichlich macht?

An dem Punkt, an dem der Orgasmus naht, hat der Verstand eigentlich nichts mehr im Bett zu suchen, der Körper und die Instinkte übernehmen. Das Loslösen, das Fallenlassen, das Verschmelzen, sich Vereinen, Hingeben und Lustspenden, das sind Momente jenseits der Vernunft. Und erst mit dem Abschalten der Sicherungen kann der Orgasmus gar so etwas wie eine menschliche Grenzerfahrung werden. Es soll animalisch, tierisch, einfach nur geil sein.

Genau das ist seit Anbeginn das große Dilemma der Aids-Prävention. Wohl jeder wird zustimmen, wenn man sagt: Ohne Gummi ist es geiler. Die Safer-Sex-Botschaft hat leider immer nur eine Möglichkeit der Entgegnung: Mit Gummi ist es auch geil, irgendwie.

Das ganze Leben lang vernünftig sein?

Sehr viele Kampagnen der vergangenen zwei Jahrzehnte haben immer wieder an die Vernunft appelliert. An die Ratio, die dir sagt: "Raus, bevor es kommt!" An die Angst, die dir vor dem Ficken das Gummi über den Schwanz zwingt. Das hat auch eine Weile ganz gut funktioniert. Die Neuinfektionen konnten eingedämmt werden, Deutschland war mit seiner liberalen Aids-Politik vielerorts Vorbild. Doch das Vernunftinstrumentarium ist abgestumpft. Der New Yorker Professor James I. Martin nennt in einem Beitrag für die Wissenschaftszeitung "Sexualities" einen wichtigen Grund dafür: "Sich für eine gewisse Zeit umsichtig, rational und vorsichtig zu verhalten ist etwas ganz anderes, als gesagt zu bekommen, dass Ekstase und Hingabe für den Rest des Lebens ausgeschlossen sein sollen."

Vernunft und vernünftiges Verhalten stößt also immer irgendwo an seine Grenzen, das zeigt sich auch in anderen Bereichen. Wir rauchen, obwohl wir bestens aufgeklärt sind über die schädliche Wirkung. Wir fahren zu schnell, obwohl wir jeden Tag Unfallbilder in den Nachrichten sehen. Und wir sind abhängig von Volks- und sonstigen Drogen. Wider jede Vernunft.

Die Aids-Prävention in Deutschland setzt seit einigen Jahren auf eine Strategie, die sich "Risiko-Management" nennt. Einfach gesagt: Nach Möglichkeit soll jeder in die Lage versetzt werden, die Risiken, die er bei bestimmten Handlungen während einer sexuellen Begegnung eingeht, abschätzen zu können. Diese Art der Prävention ist sich des Konfliktes zwischen Gehirn und Schwanz sehr bewusst und steht deswegen unsichtbar, aber stets parat neben den sich Liebenden, um im entscheidenden Moment das Gummi zu reichen, wenn es denn gewünscht wird.

Diese Förderung eines selbstbewussten Risiko-Managements bauen die Aids-Hilfen zurzeit aus. Sie versuchen es, indem sie den HIV-Test empfehlen und ihn aus den Gesundheitsämtern in die Szene tragen. Und sie gehen endlich auch an den Ort, an dem vernünftige Prävention bislang kaum stattfand. Ins Internet, hin zu den Datingportalen.

Am 1. Februar 2007 startet auf der beliebten Plattform gayromeo.com ein virtuelles Präventionsteam, das – koordiniert von der Deutschen Aids-Hilfe und der Aids-Hilfe NRW, Ehrenamtler aus ganz Deutschland rekrutiert. Die reichen, wenn benötigt, alle Infos zu Safer Sex an die Fragenden. Nur das Gummi und das Gleitgel, das muss man sich weiterhin im realen Leben besorgen.

31. Januar 2007



#1 tux2006Anonym
  • 31.01.2007, 08:19h
  • Also, das Posdter von der AH wien find ich gut. Das zeigt wenigstens, um was es geht. Und das sogar "Multisexuell":-)
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#2 josefAnonym
  • 31.01.2007, 11:22h
  • aber im gay romeo gibt es aber auch ein bareback club.und solange die sowas anbieten wird es immer solche geben die denken es würde ihnen nichts machen.
    leider leben wir in einer zeit wo alles schädlich ist und so werden die menschen abgestumpt.
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#3 seb1983
  • 31.01.2007, 11:36h
  • Man kann sich ja mal die Begrüßungstexte auf bareback Foren durchlesen, das deckt sich nämlich auch mit meiner Meinung über solche Leute:

    "Moralapostel draußen bleiben"
    "Keine Belehrungen"
    "wollen nur unseren Spaß haben"
    etc

    So ist es nämlich auch beim Bekannten von mir. Die sagen mir dann auch nur "lass mich doch in ruhe, ist doch mein Kram".

    Über das Risiko sich mit HIV anzustecken weiß doch nun wirklich jeder bescheid. Die Leute gehen das Riskio eben einfach ein.

    Mit 200 über die Landstraße zum Date, anschnallen muss man sich auch nicht, schön noch ne Kippe aufm Weg, Lungenkrebs interessiert mich ja nicht, zahlt doch die KRankenkasse. Dann noch schön n Näschen poppers oder sonstwas durchgezogen und ne Viagra dazu, das muss das Herz schon aushalten. Na und HIV, wenns passiert dann passierts halt, was, bis dahin hat man ne menge Spaß gehabt. Na und mit 50 noch in die Szene?? will doch eh keiner.... Sollen die blöden Heten mal brüten und Kinder in die Welt setzten, auch noch fest binden und heiraten und so ein konservativer Müll.

    Verantortung für mich selbst einen Partner oder Nachwuchs?

    Don't stress, ohne mich bitte!!
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#4 tux2006Anonym
  • 31.01.2007, 12:04h
  • @josef: da gibt es sicher so etwas, nur was willst du tun?? Es verbieten? Damit erreichst du nix.
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#5 josefAnonym
  • 31.01.2007, 20:29h
  • @tux ich weiss verbote bringen nichts die pornoläden verkaufen ja auch video ohne gummi,und heute geht man da rein wie in die kirche.also sollte es überall verboten sein,aber alle wollen geld machen.
    übrigens habe ich heute mit einem moslem gechattet und der war überzeugt das die moslem diese krankheit nicht überkommen und sie würden das den menschen ansehen,es gibt eben noch viel dummheit auf der welt.
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