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Stuttgart (queer.de) - Der CSD Stuttgart 2007 findet vom 20. bis 29. Juli unter dem Motto "Teil des Ganzen" statt. Damit wollen die Veranstalter anklagen, dass Lesben und Schwule immer noch nicht in allen Bereichen Teil des Ganzen beziehungsweise Teil der Gesellschaft sind. Nach dem augenzwinkernden Motto "Bist du auch normal?" unterstreicht der schwäbische CSD seinen politischen Anspruch. "Schwule und Lesben sind seit Anbeginn der Zeit Teil des menschlichen Lebens", so Christoph Michl, Gesamtleiter des CSD Stuttgart 2007. "Leider ist die Diskriminierung von Homosexuellen genauso alt." Sie seien selbst jetzt nicht in allen Bereichen angenommen und damit kein Teil des Ganzen. "Auch heute, mit dem Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz, der Eingetragenen Lebenspartnerschaft, einem offen bekennend homosexuellen Bürgermeister in der Bundeshauptstadt und unzähligen weiteren Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens – sei es aus Funk und Fernsehen, Politik oder Kultur - sowie mehr als 40 Christopher-Street-Day-Veranstaltungen pro Jahr werden tagtäglich Menschen aufgrund ihrer Sexualität gebrandmarkt, diskriminiert und erfahren körperliche oder seelische Gewalt." Der Stuttgarter CSD hat in den vergangenen Jahren stets für Wirbel gesorgt: 2005 führte die Schirmherrschaft des damaligen CDU-Sozialministers Andreas Renner zu heftigen innerparteilichen Protesten und mündete schließlich in dessen Rücktritt (queer.de berichtete). Ein Jahr später weigerte sich Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) im Gegensatz zu seiner Parteifreundin Angela Merkel, ein Grußwort zu verfassen (queer.de berichtete). (pm/dk)



#1 tux2006Anonym
#2 ChrisAnonym
#3 SaschaAnonym
  • 08.02.2007, 23:58h
  • Und bitte nicht immer wieder das Attribut "bekennend" homosexuell!

    Weder handelt es sich bei Homosexualität um eine Religion noch um ein Verbrechen zu demer man sich "bekennen" müsste.

    Sonst müssten wir ja auch alle Heterosexuellen, die ihre sexuelle Identität nicht verheimlichen oder verdrängen (interessanterweise tut das von denen aber so gut wie niemand), als bekennend heterosexuelle Menschen bezeichnen.

    Was für eine absurde und verheerende Logik, die hier sogar von Teilen der Homosexuellen in ihrer Wortwahl völlig unreflektiert übernommen wird!
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#4 Chris (Orgateam, CSD Stuttgart)Anonym
  • 09.02.2007, 15:07h
  • Das prekäre an dem nicht-vorhandenen Oettinger-Grußwort im letzten Jahr war die Tatsache, dass er im Jahr 2005 eines geschrieben hat und sich dann im Jahr 2006 - als es mal wieder zu Kritik aus den konservativen Kreisen kam - plötzlich nicht mehr traute... Mal sehen was bei der diesjährigen Anfrage passiert...
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#5 joshAnonym
  • 09.02.2007, 20:31h
  • @sascha:
    oftmals sind wir ja einer meinung, diesmal jedoch leider nicht. ja schön wäre eine welt in der die frage nach der sexuellen orientierung derart nebensächlich ist, das wir sie nicht weiter erwähnen muss.
    leider wird diese welt nicht im alleingang kommen. egal welche gruppe du nimmst die diskriminiert werden oder wurden. um diese ungerechtigkeiten zu beiseitigen, ist es notwendig eine gruppenspezifische identität aufzubauen um es als problem in der gesellschaftlichen realität erkennbar zu machen. ich find das immer toll wenn ich hier höre, man müsse ja bloss in die richtigen gegenden gehen. wenn ich bei mir um die ecke in die ganz normale kneipe gehe, bin ich mit "sieg heil" besser aufgehoben als mit meinem regenbogensticker. solange wir als homosexuelle nicht eine eigene identität entwickeln, sondern so tun als seien wir eigentlich wie die heteros nur mit nem mann zu hause, wird sich nie etwas ändern. genauso wie ein neger im klukluxklan schlecht aufgehoben ist, so auch hier.
    zudem gilt der alte "witz" ja immer noch, der typische schwule ist verheiratet und hat zwei kinder. ich bin für mehr identität, mehr konfrontation auch und mehr bekennende schwule und lesben.
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#6 SaschaAnonym
  • 10.02.2007, 13:09h
  • @josh: Man könnte fast meinen, dass du meinen Beitrag absichtlich missverstehen wolltest, aber vermutlich liegt es nur daran, dass du dir des von mir angesprochenen Fehlers in der Wortwahl ebenfalls nicht bewusst bist.

    Hättest du meine Kommentare hier aufmerksam verfolgt, so solltest du eigentlich wissen, dass ich immer und überall für eine offene und selbstbewusste homosexuelle Identität eintrete, die auch - falls nötig zur Verteidigung und Erreichung gleicher Rechte - keineswegs auf Konfrontation verzichten darf. Erst neulich habe ich mit Bezug auf Personen des öffentlichen Lebens (in diesem FalL ging es um einen Pop-Star) ausführlich Stellung zu dem weit verbreiteten Irrglauben genommen, die sexuelle Orientierung eines Menschen sei "egal" und müsse deshalb auch nicht öffentlich thematisiert werden.

    Wenn du meine Anmerkungen in diesem Thread nochmals liest, sollte auch dir klar werden, dass ich mich damit auf die Wortwahl "bekennend" beziehe, die ich für sachlich falsch und hinsichtlich unserer politischen Ziele für unangebracht halte. Wir sollten von "offen" und "selbstbewussten" Homosexuellen sprechen, aber nicht von "bekennenden". Denn "bekennen" kann man sich zu einem Glauben, einer Religion oder zu einer Straftat. Aber zu meiner sexuellen Identität bekenne ich mich nicht, sondern ich lebe sie offen und selbstbewusst. Wir sollten hier nicht einer Wortwahl folgen, die ihren Ursprung in der Definition von Homosexualität als negative Abweichung von der vermeintlichen "Normalität" hat!
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#7 SaschaAnonym
  • 10.02.2007, 13:13h
  • Und noch als Ergänzung @josh:

    Die sexuelle Identität eines Menschen wird niemals "nebensächlich" sein, und in einer wahrhaft freiheitlich-demokratischen Gesellschaft käme auch kein Mensch auf die Idee, seine Identität vor irgend jemandem zu verbergen und zu betonen, dass es auf diese doch nicht ankomme! Das ist eine der perversen Absurditäten unseres gesellschaftlichen Status quo! Siehe meinen Beitrag von neulich und meinen Verweis auf unsere heterosexuellen Zeitgenossen oben!
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#8 antosAnonym
  • 10.02.2007, 14:51h
  • @ Sascha

    "[...] in einer wahrhaft freiheitlich-demokratischen Gesellschaft käme auch kein Mensch auf die Idee, seine Identität vor irgend jemandem zu verbergen und zu betonen, dass es auf diese doch nicht ankomme!"

    Ob eine "wahrhaft" (der rhetorische Trick aller Idealisten und Utopisten) 'freiheitlich-demokratische Gesellschaft' wirklich die Lösung für dieses Problem ist?

    Dass Schwule und Lesben - immer wieder - geneigt sind, ihre Identität zu verleugnen, empfinde ich als sich ständig wiederholende Erniedrigung. Schwule und Lesben geraten dauernd in Situationen, in denen sie sich überlegen müssen, ob sie mit offenen Karten spielen oder ruhige Miene zum heteronormen Spiel machen.

    Im Business-Umfeld erlebe ich oft, wie an sich unschuldige Situationen in einen untergründigen Machtkampf kippen können. Ein Beispiel: Vor einigen Tagen war ich mit zwei Kollegen bei einer Agentur zu Besuch, um eventuell deren Leistungen einzukaufen. Im Lauf der Präsentation und als 'kleine Auflockerung' wählt der hölzerne Präsenter als Beispiel für einen Online-Shop einen für Unterwäsche aus und steuert "natürlich" - begleitet von pubertär-schmierigem Gekichere und Hohoho-Kommentaren in der Herrenrunde - Pix von rot-schwarzen Damendessous an.

    Wie erlebe ich eine solche Situation? Ich übertreibe jetzt mal ins Kenntliche: Die freundlichen Herren glotzen auf die Bilder und demonstrieren scherzend und wahrscheinlich völlig gedankenlos ihre heterosexuelle Eintracht. Sie verlieren für einen Moment den Kopf - und das ist genau jener Moment, in dem mein Kopf sehr schwer wird. Ich fühle mich unwohl und irgendwie ausgeschlossen, bin gezwungen, intensiv nachzudenken und zu entscheiden: Spiele ich hier mit, kichere ich auch blöd rum? Oder schaue ich irrtitiert-ernst und kicke mich damit aus dem kurzen warmen Einverständnis - mit unabsehbaren Folgen? Oder - hardcore - "bekenne" ich mich und fahre den Herren in die Parade? Da ich für 'straightes', ehrliches Verhalten [...] und Monty Python-Fan bin, entscheide ich mich für die Hardcore-Variante und störe die Eintracht mit einem Kommentar: "Die Beulen unten auf der Seite sind aber auch hammer!" [unten auf der Site waren die Herrenslips]. Prompt verebbt das Lachen - und ich weiß: den Rückstand muss ich jetzt mit einer fachlich-sachlichen Machtdemonstration wieder aufholen. (Aber hey, in dieser Situation bin ich der Einkäufer - ich bin der mit dem Geld, Jungs!)

    Meine Güte, ist das anstrengend!
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#9 joshAnonym