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  • 12. Februar 2007, noch kein Kommentar

Das digital remasterte Meisterwerk von Rainer Werner Fassbinder auf DVD.

Von Carsten Weidemann

Die Berlinale 2007 ehrt Rainer Werner Fassbinder, indem sie seine aufwändigste Produktion in neuem Glanze wiederaufführt. Die digital aufgefrischte Version von "Berlin Alexanderplatz" wurde am 10.2. im Berliner Admiralspalast vorgeführt.

Rainer Werner Fassbinders "Berlin Alexanderplatz" ist für die Filmkritiker ein Monument der Filmkunst des späten 20. Jahrhunderts und wird von vielen als seine Vision von Menschlichkeit angesehen. Es ist die Adaption des Romans von Alfred Döblin. 1979/1980 ursprünglich für das Fernsehen produziert, erscheint das Filmepos nun zum ersten Mal auf DVD im Rahmen der Mediathek der Süddeutschen Zeitung.

Die Boulevardmedien meckerten damals lautstark, als Fassbinders Serie im Fernsehen anlief. Sie fanden "Schmuddelsex" darin, und außerdem sei alles viel zu dunkel in den Szenen. Die BILD-Zeitung mochte den politisch links stehenden offen schwulen Regisseur nicht. Hatte aber mit der Kritik an der Bildqualität durchaus recht. 1980 standen noch immer viele Schwarz-Weißgeräte in den Haushalten, und auf denen waren die bewusst düster gehaltenen Szenen schlecht zu erkennen.

Die Geschichte des Transportarbeiters Franz Biberkopf, der, aus der Strafanstalt Berlin-Tegel entlassen, als ehrlicher Mann ins Leben zurückfinden möchte, ist der erste deutsche Großstadtroman von literarischem Rang. Das Berlin der Zwanziger Jahre ist der Schauplatz des Geschehens. Dabei wird die Großstadt selbst zum Gegenspieler des gutmütig-jähzornigen Franz Biberkopf, der dieser verlockenden, aber auch unerbittlichen Welt zu trotzen versucht.

Mit Berlin Alexanderplatz vollzog Döblin die radikale Abkehr vom bürgerlich psychologischen Roman. Hier wurde kein Einzelschicksal analysiert. Das kollektive Geschehen, das Allgemeine einer menschlichen Situation erfuhr hier eine gültige dichterische Gestaltung. Der Roman zählt zu den großen Epen unserer Zeit.

12. Februar 2007