Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?6415

Ein orakelnder Helmut Berger, schwafelnde Moderatoren und gute Jury-Entscheidungen: Der schwul-lesbische Filmpreis wurde vergeben.

Von Christian Scheuß

Helmut Berger hatte seinen Auftritt, wie man ihn aus Talkshows der vergangenen Jahre gewohnt ist: Entweder unter Drogen, Medikamenten oder Alkohol stakst er auf die Bühne, lässt sich dort auf ein Sofa fallen und spricht mit schwerer Stimme merkwürdige Dinge. Etwa: "Warum soll man immer Äpfel essen, wenn man Erdbeeren naschen kann." Oder "Ich freue mich, das die Deutschen nach 40 Jahren aufgewacht sind, und mir einen Preis geben." Und: "Man kennt ja das Leben". Der Schauspieler erhielt am Freitagabend den "Special Teddy Award" für sein Gesamtwerk, und gibt die dadaistische Vorstellung eines Mannes, der sämtliche Abgründe des Lebens kennt. Die Moderatoren stehen hilflos vor ihm. Wissen nicht, wie sie mit ihm umgehen sollen.

Zum 21. Mal wurde der schwul-lesbische Filmpreis, der Teddy Award, im Rahmen der Berlinale vergeben. Der weltweit einzige Preis dieser Art, der im Rahmen eines sogenannten A-Festivals – also eines besonders wichtigen Filmfestes – vergeben wird. Die acht Mitglieder der Teddy-Jury, die aus dem Kreis schwuler oder lesbischer Filmfestivalmacher und -macherinnen gewählt werden, sichteten Filme aller Sektionen des Festivals, die in einem schwulen, lesbischen und/oder transgender Kontext standen. Der Teddy wird jeweils in den Kategorien Bester Spielfilm, Bester Dokumentar-/Essayfilm und üblicherweise Bester Kurzfilm vergeben.

Bester Spielfilm war in diesem Jahr Ci Quing - Spider Lilies. Der Film handelt von einem Cybersex- Mädchen und seiner Beziehung zu einer Tattoo-Künstlerin. Die Regisseurin Zero Chou aus Taiwan kann sich nun über 3.000 € freuen, gestiftet vom Teddy e.V. mit Unterstützung der Berliner schwul lesbischen Szene und ihrer diversen Spenderinnen und Spender. Der Teddy für den besten Dokumentarfilm, ebenfalls dotiert mit 3.000 €, gestiftet vom schwul lesbischen Förderverein elledorado e.V., ging an "A Walk Into The Sea". Es ist die Rekonstruktion des Lebens des Pop-Art-Künstlers Danny Williams. Da es in diesem Jahr keine Kurzfilme im Programm gab, konnte dafür auch kein Preis vergeben werden. Was die Jury ausdrücklich kritisierte: "Wir hoffen aufrichtig, dass diese Situation nicht die Zukunft des LGBT-Films in diesem Festival aufzeigt, das in der Vergangenheit maßgeblich bei der Entdeckung und Vorstellung solcher Arbeiten im Rahmen einer Veranstaltung von internationaler Bedeutung beteiligt war," hieß es in ihrer Stellungnahme. Erstmals in diesem Jahr wurde ein Zuschauerpreis vergeben, gestiftet von der Autofirma Volkswagen. "Notes On A Scandal", die Geschichte einer lesbischen Lehrerin, gespielt von Judi Dench, überzeugte die Kinobesucher.

Insgesamt lobte die Jury die große Bandbreite und Qualität der Produktionen, die sie gesehen hatten. Und Wieland Speck, einer der Väter des Teddy-Awards, freute sich, das die Zahl der lesbischen Filme in diesem Jahr bedeutend höher war. Weniger gelungen war allerdings die Preisverleihung, die von mehreren tausend Besuchern im Hangar 2 am Flughafen Tempelhof besucht wurde. Unsichere und mit Plattitüden um sich werfende ModeratorInnen sowie peinliche Interviewblöcke zu Aids und antischwuler Gewalt ließen das Publikum schnell unruhig auf den Stühlen hin- und herrücken. Man sehnte sich die anschließende Party herbei. Helmut Berger hatte schon Recht: Warum Äpfel essen, wenn man Erdbeeren naschen kann. Er kennt schließlich das Leben.

17.02.2007



15 Kommentare

#1 FelixxxAnonym
  • 17.02.2007, 13:22h
  • Wer waren denn die ModeratorInnen?! Gehört es nicht dazu, sie zu nennen - erst recht, wenn sie kritisiert werden?
  • Antworten » | Direktlink »
#2 dpaAnonym
  • 17.02.2007, 17:44h
  • Komischer Artikel. die Moderationen waren nett.
    Die Auftritte des Arztes von der AVK, von Volker Beck, waren engagiert. Wo ist die Thematisierung der Menschenrechtssituation von LGBT People in Eurem Beitrag? ward Ihr überhaupt da?
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Mike - BerlinAnonym
  • 17.02.2007, 18:07h
  • Die Moderatoren waren Annette Gerlach und Gustav Hofer.
    Ich fand es auch unglaublich, wie man eine so unprofessionelle Fernsehansagerin auf eine Show-Bühne vor ein großes Publikum stellen kann. Die Frau war vollkommen überfordert und peinlich, vergaß einen Umschlag mit dem Preisfilm hinter der Bühne, verpatzte den inszenierten Auftritt von Helmut Berger, hatte anscheinend seinen Teddy auch hinter der Bühne vergessen, unterbrach Helmut Berger dann, als er seinen Text mit den "Erdbeeren" (seine Umschreibung des "Schwulseins" - das war für Leute, die ihn kennen, nichts Orakelndes!) vorlas, um ihm dann stillos den Teddy zu geben, etc., etc,. Die Frau war nur peinlich!
    Die Veranstalter sollten das nächste Mal Birgit Schrowange und Jens Riewa als Moderatoren einladen, um das Niveau weiter so zu heben ;-)

    Im Übrigen gab es auf der Party beim Empfang schon Freibier, aber nirgends etwas zu essen. Nach den Protesten vieler Gäste (wir waren dort ab 20.30 Uhr) wurde um 1 Uhr ein Imbiß-Besitzer "eingeflogen", der seine kalten Mini-Pizzas und Falaffel zu überteuerten Preisen den verhungernden Party-Gästen anbot.
    Ansonsten - wie in den Jahren davor - der übliche stillose kalte Raum mit Musik zum Abtanzen.
    Ich bin etwas erschrocken, daß die Teddy-Produzenten in 21 Jahren nicht lernen konnten, wie man eine gelungene Gala-Veranstaltung mit Party organisiert!!!
  • Antworten » | Direktlink »
#4 MikeAnonym
  • 17.02.2007, 18:20h
  • Ich muß dpa zustimmen, daß die Auftritte des Arztes vom AVK und von Volker Beck sehr engagiert waren und die Höhepunkte des Abends waren!
  • Antworten » | Direktlink »
#5 tuxAnonym
#6 stromboliProfil
  • 18.02.2007, 11:39hberlin
  • Alle jahre wieder : teddy und keine besserung. Liegt es an mangelnder creativität oder einfach nur am geld? Abgesehen von den darbietungen, eine lähmend-langweilige verantstaltung in einem unispirierten ambiente. Entsprechend war die selbstauflösung am ende der verleihung . Wozu eine band aufspielen zu lassen wenn ohnehin alle entnervt zum saal hinaus eilt. Schade, die waren gut. Ja , schwule partys sind auch nicht mehr das gelbe vom ei! Der charme einer abgetakelten bahnhofshalle , schlampige licht und ton technik, aufdringliche selbstdarstellung filmferner szenevertreter und in Vip - lounge entschwebende szenepromi´s , zeigen wo´s lang geht: War der Teddy nicht nur ein emanzipatorisches ereignis sondern auch ein fest aller für alle, eben filmemacher zum anfassen, wird der comunity mitlerweile billigstenfalls ein schlecht organisierter rummelplatz mit einfallsloser musikkonzeption zum fraß vorgeworfen ! Für den eintritt incl. €30,00 ein skandal!
  • Antworten » | Direktlink »
#7 stromboliProfil
#8 dantonblnAnonym
  • 18.02.2007, 18:17h
  • Das beste an diesem Abend für mich: ich stand kurz neben Jamie Bell - süsser Typ. 3,50 Euro für ein Becherchen Cola ist aber ziemlich heftig viel Geld.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 MikeAnonym
#10 DavidAnonym
  • 19.02.2007, 13:53h
  • Bei einem schwul-lesbischen Filmfestival muss neben Film, Kunst und Kultur auch immer Platz für Politik sein. Gerade, da viele schwul-lesbische Filme auch sehr politisch sind und selbst die Filme, die es nicht explizit sind, stellen oft ein Politikum dar.

    Deswegen fand ich auch die Auftritte von dem Arzt und von Volker Beck sehr passend. Dabei ist mir auch wieder etwas über die politische Landschaft in Deutschland bewusst geworden:

    Volker Beck (Grüne) redet im Gegensatz zu Westerwelle nicht nur von Gleichberechtigung, sondern er engagiert sich auch dafür. Sei es in Polen oder in Moskau, wo das ganze sogar blutig für ihn endete. Oder sogar im Iran.

    Dass er dazu so offen und sehr deutlich die passenden Worte fand, war sehr gut!

    Wo war bei all diesen Aktionen Westerwelle? Wo stellt Westerwelle sich in der Öffentlichkeit hin und kritisiert Russland, Polen & Co so deutlich?

    Westerwelle redet viel um Stimmen zu bekommen, aber wenn es drauf ankommt, habe ich ihn noch nie gesehen. Ich weiß nicht, ob ihm wirtschaftliche Beziehungen zu Polen und Russland wichtiger sind als Grundrechte oder ob er einfach zu faul oder sonstwas ist. Fakt ist, dass Westerwelle ein guter Redner ist, aber nicht viel tut und die Grünen (nicht nur Volker Beck, auch Claudia Roth, Renate Künast und andere prominente Grüne) nicht nur deutliche Worte finden, sondern auch aktiv hanlden und auf die Straße gehen.

    Was hat die FDP bisher für Schwule getan (außer schön reden)?

    - Beim ADG war und ist die FDP dagegen!

    - Die Forderungen zur Öffnung der Ehe findet man nur bei den Grünen (und der PDS). Die FDP will nur die Ehe 2. Klasse weiter ausbauen.

    - Beim Art. 3 GG hält sich die FDP auch sehr bedeckt.

    - In Nordrhein-Westfalen hat die FDP zusammen mit der CDU eine Aufklärungsbroschüre der EU zum Thema "Homosexualität" wieder zurückgezogen.

    - etc. etc.

    Da ich nicht in allen Fällen einer Meinung mit den Grünen bin, würde ich eigentlich gerne eine Alternative haben (was die PDS definitiv nicht ist). Aber außer viel Gelaber merke ich bei der FDP nicht viel...

    Ich muss wirklich gestehen: in Homofragen sind die Grünen wirklich die fortschrittlichste Partei.

    Und da ich keine Partei wählen kann, die die Behandlung als Menschen 2. Klasse nicht schnellstmöglich beendet, und diese Sache mir wichtiger ist als alles andere, kann ich wohl nicht anders als die Grünen zu wählen.
  • Antworten » | Direktlink »