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Doch die liberale Sexologin Li Yinhe erntet Spott und Unverständnis

Von Wolfgang Weitlaner

Der Wandel der Gesellschaft hat in China vor allem auch die Lebensgewohnheiten der Jugendlichen extrem verändert. Eines der größten Probleme betrifft das soziale Leben der jungen Generation. Die Zeitung China Daily berichtet, dass junge Männer immer häufiger zu drastischen Mitteln greifen, um ihren Eltern eine Freundin vorzustellen.

Eines davon ist etwa, dass junge Männer Inserate aufgeben, in denen sie gegen Bezahlung ein Mädchen für die Begleitung zum traditionellen Spring Festival suchen. Gesehen wurden Anzeigen, in denen Mädchen 1.000 Yuan (umgerechnet etwa 100 Euro) für das zehntägige Festival inklusive Bekanntmachung mit den Eltern geboten wurden. Nach chinesischer Tradition ist es so, dass egal wie viel Arbeit da ist, das Frühlingsfest gemeinsam mit der Familie begangen wird - und dabei gehört es sich für junge Männer, den Eltern die Freundin vorzustellen. Jene, die zu den Zeitungsannoncen greifen, versprechen darin auch, dass keinerlei Pflichten zu Intimitäten bestehen.

Partnerschafts- und Heiratsexperten wie Wang Zhenyu von der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften CASS haben im China Daily Kritik gegenüber den jungen Männern ausgesprochen und sie dazu aufgefordert, ehrlicher gegenüber ihren Eltern zu sein und auf solche Aktionen zu verzichten. Zudem warnte er vor den Gefahren solcher Annoncen.

Dass aber nicht nur die heterosexuelle Partnersuche im neuen, aufstrebenden China problematisch ist, weiß die berühmteste Sexologin des Reichs der Mitte, Li Yinhe vom CASS. Sie forderte zum vierten Mal die Legalisierung gleichgeschlechtlicher Heirat und erntete von ihren Kollegen offensichtlich sehr viel Spott dafür. Die liberale Forscherin, die sich auch offen für eine Legalisierung der Pornografie einsetzt, hat angekündigt, für eine gewisse Zeit keine öffentlichen Interviews mehr zu geben. Sie schrieb in einem Internet-Blog, dass sie generell auch davon Abstand nehmen werde, über das Thema Sex zu schreiben. Grund für ihren Rückzug sei Druck seitens der Kollegen und der Öffentlichkeit.

Dass ausgerechnet Li mundtot gemacht werden soll, trifft hart, denn sie wurde vom Magazin "People by Asiaweek" als eine der 50 einflussreichsten Chinesen gelistet. Im November 2006 wetterte sie gegen die lebenslange Verurteilung des Betreibers der größten Porno-Webseiten. Das Anti-Porno-Gesetz gehöre längst über Bord geworfen, meinte Li. Im Januar 2007 kritisierte sie den Rauswurf einer Polizistin, die sich offen zu einem Partnertausch bekannte. "Es gibt keine Kritik am Partnertausch, wenn die drei wesentlichen Prinzipien, der freie Wille, die Privatsphäre und Volljährigkeit erfüllt sind." Es gehe keinen Arbeitgeber an, was Angestellte in ihrer Freizeit tun würden und es gebe kein Recht in die Privatsphäre einzudringen.

Li hatte in ihrem Blog geschrieben, dass nicht alle Menschen, deren Rechte sie verteidige, schlechte Menschen sein würden, wie das behauptet werde. "Homosexuelle und Swinger sind ganz normale Menschen. Sie haben eben andere sexuelle Präferenzen", so die Sexualforscherin. "Ich denke übrigens auch, dass schlechte Menschen grundsätzliche Rechte wie das auf Nahrung und auf Sex haben. Das ist aber für meine Mitbürger offensichtlich schwer zu akzeptieren."

18. Februar 2007



#1 hwAnonym
  • 18.02.2007, 13:27h
  • ...dazu auch noch ein paar "staatsnahe" seiten auf deutsch:

    "....Derzeit sorgt die Gründung eines Clubs durch eine Gruppe homosexueller Studenten an einer renommierten Universität in der Presse für Schlagzeilen. Denn auch heute noch ist das Thema Homosexualität mit einem Tabu behaftet.

    Der "Gruppe Regenbogen" gehören Homosexuelle und Heterosexuelle an. Die Gruppe wurde nach der Regenbogenfahne benannt, die für die Gleichberechtigung von Homosexuellen steht.

    Laut Aussage von Professor Ai Xiaoming, der auch gleichzeitig der Tutor der Gruppe ist, strebt die Studentengruppe ein Studium über Homosexualität an. Außerdem wolle die Gruppe gegen sexuelle Diskriminierung eintreten.

    Die Gruppe erhielt von der Sun Yat-sen-Universität in Guangzhou (Provinz Guangdong, Südchina) eine Immatrikulationszusage. Damit ist sie die erste Gruppe dieser Art in ganz China.

    Die umstrittene Sexologin Li Yinhe begrüßte diesen Schritt als denkwürdiges Ereignis und historischen Erfolg.

    "Die Gründung der Gruppe Regenbogen ist fantastisch. Dadurch zeigt sich, dass eine staatliche Universität in China Studenten mit anderen sexuellen Vorlieben durchaus eine Chance gibt und zu Wort kommen lässt", sagt Professor Ai.

    Auf der anderen Seite zeigen sich die Eltern einiger Studenten besorgt, denn Homosexualität gilt in vielen Familien immer noch als Schande.

    "Die Mutter eines Jungen versuchte sogar, Selbstmord zu begehen, als sie herausfand, dass ihr 24 Jahre alter Sohn schwul ist", sagt Li Yinhe.

    "Sollte ein Dozent an der Universität meiner Tochter in der Vorlesung neue Formen der Sexualität predigen oder die traditionellen Familienwerte angreifen, werde ich die Universität verklagen", erklärt Xue Yong, Elternteil eines Studenten.

    Xue glaubt, dass viele Eltern über Homosexualität und sexuelle Befreiung gleichermaßen besorgt sind.

    De facto ist Homosexualität unter chinesischen Studenten nichts Neues. Denn nahezu jede große Universität in China verfügt auf ihrer Webseite über spezielle Foren für Schwule. ..."

    www.china.org.cn/german/275476.htm

    Laut einer aktuellen Umfrage von Li Yinhe, respektieren 91 Prozent der Chinesen einen homosexuellen Lebensstil. Immerhin sind über 80 Prozent der Auffassung, dass Homosexuelle gleiche Jobchancen verdient haben. Mehr als 60 Prozent hat nichts gegen homosexuelle Freunde einzuwenden. Bei der Umfrage wurden insgesamt über 400 Personen in großen und mittelgroßen Städten Chinas befragt.

    Die Mehrheit hofft laut Umfrage trotz allem, dass homosexuelle Menschen ihren Lebenswandel ändern und "normal" werden.

    "...Ma Lu, ein Studienabbrecher der Chinesischen Universität für Wissenschaft und Technologie, konnte nicht ahnen, dass seine Studienfreunde und Zimmergenossen seine Sexualorientierung verstehen, bevor er zugibt, dass er homosexuell ist. Zuerst waren seine Zimmergenossen darüber erstaunt und versuchten sogar, ihm Mädchen vorzustellen. Ihre Bemühungen waren jedoch vergeblich. Allmählich akzeptierten sie ihn. Es wunderte ihn, dass er nicht diskriminiert wurde. Die Haltung seiner Studienfreunde gab ihm den Mut, offen über seine Sexualorientierung zu sprechen. „Ich bin stolz darauf, dass ich ein Homosexueller bin“, sagte Ma..."

    www.bjrundschau.com/2005-52/2005.52-fm-1.htm
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#2 hwAnonym
#3 hwAnonym
#4 FloAnonym
  • 18.02.2007, 14:35h
  • Mein Freund ist gebürtiger Chinese und ich bin froh, dass er hier leben kann. Um 1900 war China wohl mal ein echtes Homoparadies - da sieht man mal, wie man Dinge durch Hass verändern kann...
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#5 hwAnonym
  • 19.02.2007, 12:37h
  • @ flo

    ..aus welcher sozialen schicht stammt die familie deines freundes ?
    mein chinesischer freund stammt aus kunming, einziger sohn, einer arbeiterfamilie, der die rente kaum reicht
    und deren sohn hier architektur studieren kann, sowas gab´s vor mao nicht. er ist kein kommunist, aber das weiß er. so hat
    halt jeder seine wahrheit. die gay-scene in kunming ist relativ gut sortiert.
    kennst du die vorherrschenden lebensumstände der ca. 70.000 chinesen in deutschland ?
    am besten zählen, messen, wiegen, schätzen.

    de.wikipedia.org/wiki/Kunming

    bei 1.300.000.000 chinesen nimmst du 10 % um auf die anzahl der wahrheiten zu kommen.
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#6 StarletAnonym
  • 19.02.2007, 15:24h
  • Homosexualität wird vielfach gleichgesetzt mit sexueller Freizügigkeit und Ausschweifung. Wenn jemand, der sich für eine "Homo-Ehe" einsetzt, gleichzeitig auch für die Freigabe von Pornographie eintritt, dann wundert es mich nicht, dass die Forderung einer "Homo-Ehe" auf Unverständnis stößt! Die Verbindlichkeit einer Ehe, sexuelle Ausschweifung und Pornographie können nun mal keine Einheit bilden.
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