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  • 05. März 2007, noch kein Kommentar

Neu erschienen: Peter-Paul Hartnetts schwuler Tokio-Roman als Taschenbuch

Von Carsten Weidemann

Dem Abiturienten Akio fällt keine bessere Verwendung für seine Schönheit ein, als sie im Bordell alten Männern zu "opfern", die Models einer Fotoagentur haben nichts anderes im Sinn, als ihrem Äußeren den letzten Rest von Individualität auszutreiben, der Sportlehrer Handa kämpft gegen den Sog, den die erotische Ausstrahlung seiner Schüler auf ihn ausübt, und der junge Takeo ist besessen davon, endlich seinen ersten Orgasmus zu erleben. Die Wege aller Figuren kreuzen sich hinter der Fassade eines Wohnblocks in Tokio.

P-P Hartnett beschreibt diese Welt mit feiner Ironie. Weil fast alle Lebensversuche im Stadium der Sehnsucht stecken bleiben, entsteht zunehmend eine untergründige Spannung aus der Erwartung, dass gleich jemand explodiert. Manchmal böse wie Roald Dahl, manchmal kultiviert wie Oscar Wilde nähert sich der Autor aus unterschiedlichen Richtungen dieser eigenartigen Welt, und allmählich wird deutlich, dass sie gar nicht so weit von unserer entfernt ist. Hinter den perfekt inszenierten Fassaden lauern unerlaubte Begierden, aber (fast) niemand wagt es, den erlösenden Satz auszusprechen: I want to fuck you!

P.-P. Harnett: Tokio. Lindenstraße, Roman, Männerschwarm Verlag, 280 Seiten, 12,90 Euro

5. März 2007