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  • 07. März 2007, noch kein Kommentar

Reisereport: Trotz homophober Gesetze boomt die Szene im sauberen Stadtstaat.

Von Micha Schulze

"Aus welchem Land kommen Sie? Haben Sie ihren Ausweis dabei? Wie haben Sie von uns erfahren? Wie lange gedenken Sie in Singapur zu bleiben?"

Der Eintritt in den "Towel Club" wird durch ein Verhör an der Kasse eröffnet. Typisch Singapur... Etwa genauso viel wollte bereits der Immigration Officer am Flughafen Changi wissen. Einen Antrag auf eine Clubmitgliedschaft muss man ausfüllen, bevor man in den größten schwulen Schwitztempel des Stadtstaats eingelassen wird. Wie in Italien wird hier versucht, Stress mit den Behörden zu vermeiden. Was Clubmitglieder untereinander so anstellen, interessiert niemanden, es ist ja schließlich eine private, geschlossene "Benutzergruppe".

Etwas streng nach Desinfektionsmitteln riecht es im "Towel Club", selbst der heiße Wasserdampf in der Dampfsauna trägt Domestos-Flair mit sich. Das wundert nicht in einem Land, in dem Kaugummis verboten sind und das selbst eine vergessene Klospülung unter Strafe stellt. Viel mehr wundert ist, dass Singapur überhaupt eine große schwule Sauna besitzt, die in den internationalen Gay Guides gelistet wird. Noch vor wenigen Monaten hatte die australische Regierung schwule Touristen vor Reisen in den Stadtstaat gewarnt. Der Grund: In Singapur werden homosexuelle Kontakte mit Gefängnisstrafen von bis zu zwei Jahren bestraft.

Doch die Szene im multikulturellen und wirtschaftlichen starken Singapur muss sich nicht hinter der anderer Metropolen verstecken – und macht den Stopover auch für schwule Touristen interessant, die mehr erleben wollen als die Shoppingtempel in der Orchard Road, die Vergnügungsinsel Sentosa oder den legendären Jurong Bird Park. Rund zwanzig einschlägige Bars und Clubs wie "Happy" oder "Taboo", die meisten im historischen Chinatown gelegen, haben für Partyfreunde bis in den frühen Morgen geöffnet. Ausgehen ist in Singapur allerdings ein teures Vergnügen: Ein kleines Heineken für zwölf Singapore Dollar (etwa 5,60 Euro) bekommt man meist nur in der Happy Hour…

Doch zurück in den "Towel Club". Nicht nur das Verhör am Eingang, auch die Rituale zur Kontaktaufnahme in dem riesigen Cruising-Labyrinth sind für europäische Touristen ungewohnt. Hier wird nicht offen geflirtet: Die meisten Besucher schauen grimmig drein, niemand spricht oder zwinkert mit den Augen. Und doch verschwinden Leute, die sich zuvor mehrere Minuten lang regungslos gegenüber standen, plötzlich in einer der Kabinen, die offiziell als Meditationsräume deklariert sind.

In Singapur muss man einfach nur gute Ohren haben: Wenn jemand im Vorübergehen vorsichtig an die Wand klopft, heißt das so viel wie "Mitkommen!"…

9. März 2007