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Die schwedische Drag-Queen-Vorlage Zarah Leander hätte am 15. März ihren 100. Geburtstag gefeiert.

Von Dennis Klein

Eine tiefe Stimme, markante Gesichtszüge, einprägsame Gestik: Für Drag Queens ist sie eines der großen Vorbilder. Die schwedische Sängerin und Schauspielerin wäre am 15. März 100 Jahre alt geworden. Mit Klassikern wie "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen", "Der Wind hat mir ein Lied erzählt" und "Eine Frau wird erst schön durch die Liebe" sang sich die Leander ins deutsche Unterbewusstsein – und gilt noch heute als Schwulenikone. Dazu beigetragen haben auch Lieder wie "Kann denn Liebe Sünde sein", als Aufforderung verstanden werden können, endlich die Ehe für Schwule und Lesben zu öffnen. Und wer kriegt keine feuchten Augen bei Sätzen wie "Darf es niemand wissen, wenn man sich küsst, wenn man einmal alles vergisst vor Glück"?

Dabei war Zarah Leander zu Lebzeiten nicht unumstritten: Als sie in den 30er Jahren in Deutschland eine furiose Karriere als Sängerin und Schauspielerin startete, haben gerade die Nazis die Macht ergriffen. Nachdem das Land Greta Garbo und Marlene Dietrich als Star-Diven verloren hatten, schaute sich die Ufa nach einer Frau gleichen Kalibers um – und fand die Leander. Allerdings war die in Deutschland bestbezahlte Schauspielerin der 30er und frühen 40er Jahre keine "Nazibraut": Sie lehnte es sowohl ab, den Ehrentitel Staaatsschauspieler anzunehmen, der etwa Heinz Rühmann verliehen wurde, als auch deutsche Staatsbürgerin zu werden. Außerdem konnte sie durchsetzen, dass sie über die Hälfte ihrer Gage in schwedischen Kronen erhielt – was Goebbels dazu verleitete, sie in seinem Tagebuch als "Deutschfeindin" zu bezeichnen. Ohnehin entsprach die Diva nicht dem nationalsozialistischen Frauenideal: Sie war Kettenraucherin, sowohl Alkohol als auch Männern zugeneigt und machte einfach, was ihr gefiel.

Nach dem Krieg wurde es etwas stiller um die Diva. In Deutschland hatte sie zunächst Auftrittsverbot, in Schweden wurden ihr die Erfolge im Nazi-Reich übel genommen. Sie etablierte sich aber schließlich als Schauspielerin. Ihre Karriere erreichte in einer Hauptrolle im Musical mit dem treffenden Titel "Madame Scandaleuse" ihren Höhepunkt.

Sie verbrachte die letzten Jahre ihres Lebens auf ihrem Gut im schwedischen Lönö und verstarb 1981 an einer Gehirnblutung. In den Schwulenclubs der Republik singen Drag-Stars wie Angela Alzheimer aber nach wie vor ihre unsterblichen Weisen.

15. März 2007



#1 madridEUAnonym
  • 18.03.2007, 10:25h
  • Zarah ist auch ein Teil der faschistischen Geschichte, die wir gern verdrängen, weil
    sie, wie Dennis treffend schreibt, eben DIE Schwulenikone schlechthin war und ist.
    Meine ledige Mutter hat mich während des Krieges als Filmvorführerin in alle Vorführräume mitgenommen, wo ich schon damals völlig unpolitisch "ich weiss, es wird einmal ein Wunder geschehn" gekräht habe. Heute wissen wir es besser, denn das "Wunder" sollte wohl das Kriegsglück zugunsten der NS-Führer wenden. Besonders schlimm auch Zarahs berüchtigter Film, wo sie im Luftschutzkeller
    Optimismus verbreitet, während die Bombardierung draussen nur ein alberner Spaziergang ist, den man mühe- und schadlos überstehen konnte. Aber wer will schon den ersten Stein werfen, wenn man die Verzweiflung und Angst unserer Eltern und Grosseltern bedenkt, die sich mit Zarah Leander ablenkten.
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#2 ingoAnonym
  • 09.04.2007, 12:50h
  • Alles was über Zarah nach dem Krieg von der Presse geschrieben wurde ist alles so einseitig. Sie wird als Sündenbock für alle anderen die wirklich Dreck am Stecken hatten und sich jahrzehntelang weg geduckt haben, benutzt. Und wenn man öffentlich auftritt ist man immer angreifbar. Darum bin ich sehr dankbar für das Buch von Jutta Jacobi "Das Leben einer Diva" und nur wer dieses Buch aufmerksam gelesen hat, kann meiner Auffassung nach sich wirklich ein Bild dieser überlebensgroßen Frau machen.
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