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Köln (queer.de) - Der Lesben- und Schwulenverband ruft dazu auf, Protestbriefe wegen der homophoben Gesetzesvorhaben in Polen zu schreiben. Dort will die Regierung jegliche Diskussion über Homosexualität in Schulen unter Strafe stellen (queer.de berichtete). "Deshalb rufen wir dazu auf, Protestbriefe an den polnischen Ministerpräsidenten, die polnische Botschaft in Berlin, die Koordinatorin für die Deutsch-Polnische Zusammenarbeit sowie an die deutsche EU-Präsidentschaft zu schreiben", so Klaus Jetz vom LSVD in einer E-Mail an alle Interessenten. Alle Informationen samt Adressen und Musterbriefe gibt es auf der LSVD-Website. (pm)



16 Kommentare

#1 FloAnonym
  • 23.03.2007, 16:00h
  • Solange die EU aus wirtschaftlichen Interessen tatenlos zusieht und die Ewiggestrigen in Polen nicht stoppt, werden auch Protestbriefe nichts bringen... Wieso auch, was interessieren schon Bürgermeinungen, wenn einem selbst die EU in den Arsch kriecht.

    Einziger Trost: dass die EU wirtschaftliche Interessen über Grundrechte stellt, wird der EU irgendwann mal das Genick brechen. Dann sehen die profilierungssüchtigen Politiker wohin das führt. Eigentlich schade um die Idee einer Europäichen Union, aber diese EU hat es nicht besser verdient!
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#2 OliverAnonym
  • 23.03.2007, 16:16h
  • SCHANDE über die EU, die faschistische Staaten wie Polen und Litauen ohne Verbesserungen bei den Menschenrechten aufgenommen hat! Aus reiner Geldgier (neue Absatzmärkte, etc.)!

    Wie dumm kann man eigentlich sein, zu glauben, die würden sich automatisch ändern, wenn man sie aufnimmt. Im Gegenteil, wenn man sie aufnimmt, kann man nicht mehr Druck ausüben, dass ohne Verbesserung keine EU'-Aufnahme erfolgt!

    Wenn man schon bei der Aufnahme so dumm oder geldgeil war, sollte man wenigstens jetzt für seine Fehler geradestehen und diesen Staaten klarmachen, dass man als EU-Mitglied keine Menschen als Untermenschen behandeln darf! Aber die EU sieht nur zu oder appeliert mal leise. Echte Sanktionen bleiben aus. Wohl, wenn man anderswo was falsch macht, dann ist die EU schnell...

    SCHANDE über die EU!!!
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#3 PromAnonym
#4 stephan
  • 23.03.2007, 18:07h
  • Ich halte die Protestbrief-Aktion für eine gute und geeignete Sache und ebenso wichtig sind die Briefe an die Bundeskanzlerin und Gesine Schwan. Unsere Regierung muß Druck auf die polnische Regierung machen!
    Ich hoffe, dass viele Menschen ihren Unmut äußern werden. Hierzu habe ich auch Freunde und Bekannte über die Aktion des LSVD informiert, keinem war diese Art der Volksverhetzung gleichgültig und ich hoffe, dass die Mails sprudeln werden bis das Netz glüht!
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#5 Gandalf the GayAnonym
  • 23.03.2007, 18:22h
  • So löblich die Aktion des LSVD natürlich ist, so zeigt doch die Erfahrung, dass gut gemeinte Worte nur dort wirken, wo sie auf offene Ohren stoßen und die Leute zumindest ansatzweise bereit sind, sich mit einer Sache zu befassen.

    Da dies in Polen nicht der Fall ist fürchte ich, dass das nicht viel bringt. Das einzige Mittel das immer bleibt ist die internationale Sprache des Geldes!

    Sobald es Polen ans Geld geht, wird sich das auch ändern und keinen Tag früher!

    Da die EU nichts unternimmt und keine Sanktionen verhängt (traurig genug, dass für wirtschaftliche Kleinigkeiten Bußgelder verhängt werden, aber nicht bei Menschenrechtsverletzungen) bleibt nur die Hoffnung, dass Bürger polnische Waren und Dienstleistungen boykottieren...
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#6 waldekAnonym
  • 23.03.2007, 21:09h
  • Bei dem Gesetz handelt es sich um einen Versuch der Partei "Liga der polnischen Familien", deren Führer gleichzeitig Bildungsminister ist, sich vor der politischen Bedeutungslosigkeit zu retten. Laut Umfragen ist die Hälfte der polnischen Bevölkerung gegen homosexulle Lehrer. Für eine Partei, die demnächst an der 5%-Hürde zu scheitern droht, ist da ein hohes Wählerpotential.
    Die Gründe für die Ablehnung homosexueller Lehrer (aber auch Erzieher, Priester) liegt wohl in einer Gleichsetzung von Homosexualität und Pädophilie. Um etwas zu ändern, sollte also Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung geleistet werden. Strafen nutzen da nicht viel und würden eher Trotzreaktionen auslösen. Oder haben irgendwelche Strafen in Weißrussland was gebracht?
    Bis vor kurzem wurde auch in einigen Schulen Aufklärungsarbeit geleistet und Verteter von Homosexuellenorganisationen wurden eingeladen, ihren Standpunkt vor Schülern zu erläutern. Deshalb jetzt auch die Forderung eines Verbots "homosexueller Propaganda" in den Schulen.
    Die Aufklärungsarbeit und die Aktionen von Organisationen wie "Kampagne gegen Homophobie" zeigen aber auch Erfolg. Vor 5 Jahren waren noch 70% der Polen gegen homosexuelle Lehrer. In der Gruppe der jungen Menschen bis Mitte 20 sind es heute nur 10%, die keine solchen Lehrer wünschen. Es findet in Polen gerade ein Weltanschaungswandel statt wie in Westdeutschland in den 60ern und 70ern. Daß er in Polen verspätet stattfindet hat seine Ursache in der Abschottung durch den "Eisernen Vorhang". Polen war von den geistigen Strömungen der Nachkriegszeit abgeschnitten. Die katholische Kirche, die bekanntlich keine Homosexuellen verträgt, verschaffte sich auch durch ihre Rolle als größte Widerstandsorganisation gegen den Kommunismus moralische Autorität, von der sie heute zehrt.
    Vor dem zweiten Weltkrieg war Polen Vorreiter was die Rechte Homosexueller angeht. Bereits seit 1932 stand homosexueller Geschlechtsverkehr und sonstige homoerotischen Handlungen nicht mehr unter Strafe. In Deutschland war bis um 1970 das Gegenteil der Fall. Dass Polen, was individuelle Freiheiten, Liberalismus u.ä. dann zurückgefallen ist, daran ist vor allem das frühere Deutschland schuld. Hier die Erläuterung: 1. Deutschland hat Polen besetzt. Polen musste sich dann von den Russen "befreien" lassen. Folge: Verlust der Souveränität für über 50 Jahre mit den oben geschilderten Folgen. 2. Die deutsche Führung wollte aus Polen ein Sklavenvolk machen. Gebildete Menschen, Intellektuelle u.ä. waren unerwünscht. Die Bildungschicht, Träger liberaler Werte in den meisten Nationen, wurde fast komplett ausgelöscht.
    Die deutschen Politiker und Intellektuellen reden oft von der "besonderen deutschen Verantwortung" gegenüber Israel gegenüber. Warum ist diese Verantwortung bei Israel so selbstverständlich, bei Polen hingegen nicht? Da solle man bitte die Vergangenheit ruhen lassen. Die polnische Situation und Mentalität ist heute so wie sie ist, weil in der polnischen Geschichte einiges schiefgelaufen ist, wofür nicht die Polen die Schuld tragen, die nur Spielball anderer Mächte waren. Auch wenn Deutschland deshalb bestimmt nicht alles mitmachen sollte, so wäre es doch wünschenswert, wenn bei den Deutschen zumindest einige Grundkenntnisse vorhanden wären und bei der Beurteilung der Geschehnisse in Polen berücksichtigt würden. Polen ist kein "Faschistenland" o.ä. Es hinkt den anderen Ländern der EU nur hinterher (aber auch nicht anders als z.B. die baltischen Staaten, die ebenfalls durch den Eisernen Vorhang vom Rest der Welt abgeschnitten waren), sowohl was Weltanschauung, Toleranz, als auch Wirtschaft und politische Kultur anbelangt (Pressefreiheit und Pressepluralismus sind hingegen vorbildlich, was die aktuellen Machthaber auch gern ändern würden, wozu sie aber nicht in der Lage sind). Die Mitgliedschaft in der EU bietet Polen die Möglichkeit, zu Westeuropa schneller aufzuschliessen, nicht nur in ökonomischer Hinsicht. Polen aus der EU rauszuschmeissen wäre deshalb genau der falsche Schritt, ganz zu schweigen davon, dass eine solche Forderung völig unrealistisch ist. Ein Boykott polnischer Waren durch Deutsche wäre hingegen total hirnrissig. Erstens kaufen Deutsche mehr polnische Waren als sie denken. Polnische Lebensmittelprodukte fließen als Halbfertigprodukte oder Rohstoffe in in Deutschland fertiggestellte Waren, die dann als "made in Germany" verkauft werden. Zweitens gibt es schon genug Ressentiments auf beiden Seiten und man braucht sie nicht noch durch solche Forderungen zu steigern. Gerade Homosexuelle sollten doch die Folgen von Vorurteilen kennen und sich nicht wünschen, dass solche weiter verbreitet werden. Vorurteile werden nicht dadurch besser, dass sie nicht auf der sexuellen Orientierung basieren, sondern auf der nationalen Herkunft. Sie sind in beiden Fällen schlimm und führen zur Gewalt und Diskriminierung.
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#7 Krzyszek
  • 23.03.2007, 22:00h
  • Hier haben ja einige Experten mal wieder den totalen Durchblick, wenn sie Polen als faschistischen Staat bezeichnen. Diese Leute übersehen ebenfalls, dass zu Zeiten der Aufnahme Polens in die EU die jetzige Regierung noch überhaupt nicht an der Macht war. Es gab auch mal einen polnischen Präsidenten namens Lech Walesa (ehem. Solidarnosz-Führer).

    Zudem wird hier gerne übersehen, dass durchaus nicht die gesamt polnische Bevölkerung hinter ihrer Regierung steht. Genauso wenig wie das in den USA der Fall ist oder hier bei uns in der Bundesrepublik.
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#8 rudolfAnonym
  • 24.03.2007, 11:14h
  • @waldek

    Danke für Deine ausführliche Analyse. Hoffentlich hast Du recht. Mich erinnert das heutige Polen an die westdeutsche Bundesrepublik der 50er (oder an das, was ich aus Quellen darüber weiß).

    Da wütete der katholische Volkswartbund gegen nackte Haut im Film, Schwule sowieso, aber auch gegen Comics. Und die Politik - von CDU bis zu Teilen der SPD - ließ sich fleißig aufhetzen.

    Vielleicht ist es ein Problem des heutigen Polen, daß die alte Freundschaft zu Frankreich nach 1989 nicht wiederaufgebaut wurde. Liberale Ideen kamen nach Polen früher oft über diese Schiene. Die Fixierung auf den alten Kriegsgegner (und sehr brutalen Besatzer) Deutschland ist gar nicht so gut, egal ob sie positiv oder negativ ist.
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#9 holga-waldaAnonym
  • 24.03.2007, 14:54h
  • @ waldek

    schließe mich rudolf an. dein jahrgang würde mich noch interessieren und was du von der these hälst, der antisemitismus sei ein effekt der konkurrenz der völker (polen/juden)um die Annerkennung des Leides.
    "..Der Antisemitismus wächst auch, weil in den Medien und in der Politik offen "antisemitisch" gesprochen wird. Der Vorläufer war Radio Maryja, LPR und andere Rechtsextreme Parteien berufen sich auf die ND (National-Demokratische) Ideologie, deren unverzichtbarer Bestandteil der Antisemitismus war. Eine solche Sprache ermutigt die Menschen, und veranlasst sie dazu, ihre antisemitische Weltanschauung ohne Scham publik zu machen....Auf unserer politischen Bühne fehlt jemand, der sich entschieden gegen den Antisemitismus stellt..", Prof. Ireneusz Krzeminski

    brys.net/hagalil/gazeta_wyborcza/umfrage2.gif
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#10 waldekAnonym
  • 24.03.2007, 19:31h
  • Ich werde Anfang nächsten Jahres mein Studium abschliessen. Bin also noch nicht allzu alt.
    Ich denke, dass es durchaus eine Art Opferkonkurrenz zwischen Juden und Polen gibt. Die Deutschen bauen Holocaustdenkmäler, Denkmäler zur Erinnerung an die Ermordung der Sinti und Roma, die meisten Menschen hierzulande wissen aber nicht mal, inwiefern sich die deutsche Besatzungspolitik in Polen von der in Frankreich unterschied. Habe da schon Sätze gehört wie "Das kann wohl nicht so schlimm gewesen sein". D.h., das Gefühl der in dieser Hinsicht Unbeachteten und Zukurzgekommenen hat in diesem Fall durchaus einen realen Hintergrund. Deshalb wird auch die deutsche Debatte um Vertreibung und Bombenkrieg in Polen so kritisch gesehen. Es gibt in Deutschland durchaus häufig die Meinung, man habe jetzt schon so viel der Opfer der Deutschen gedacht, da könne man nun an die deutschen Opfer erinnern. Polen stört da nur, dass polnische Opfer bisher kaum wahrgenommen wurden. Es gibt also auch eine deutsch-polnische Opferkonkurrenz, die momentan m.A. nach größere Auswirkungen hat, als die polnisch-jüdische. Natürlich kann man sagen, das ist Vergangenheit, was zählt, ist die Gegenwart und die Zukunft. Aber das geht an der Realität vorbei. Den Menschen ist Vergangenheit wichtig, sie hat auch eine identitätsstiftende Funktion und sorgt für den Zusammenhalt einer Nation. Vor 100 Jahren hatte in Deutschland zum Beispiel die Hermannsschlacht vor 2000 Jahren eine solche Funktion. Die damaligen Germannen wurden mit den Deutschen gleichgesetzt und als Verteidiger deutschen Bodens angesehen. Die Ereignisse des 2. Weltkriegs sind uns viel näher. Wie kann man da erwarten, dass sie keine Rolle spielen?

    Allerdings denke ich, dass Antisemitismus in Polen vor allem andere Ursachen hat. Tatsächlich werden antisemitische Vorurteile zum Teil innerhalb der Familie von Generation zu Generation weitergegeben. Es gibt eine Kontinuität zwischen dem Antisemitismus der Vorkriegszeit und dem von heute. Es sind ja auch die gleichen Parolen wie damals zu beobachten: Die Juden wollen die Weltherrschaft, haben das meiste Geld und beuten andere aus u.ä. Das Wissen über den Holocaust hat aber eher dazu beigetragen, dass der Antisemitismus seltener geworden ist und in gebildeten Kreisen so gut wie gar nicht vorkommt. Radio Maryja verbreitet und verfestigt antisemitische Vorurteile. Der Radiosender richtet sich aber v.a. an eine ältere, ländliche und wenig gebildete Bevölkerung. Es gibt dann auch noch Antisemitismus in der Hooligan-Szene, den gibt es in Deutschland aber in dem gleichen Ausmaß.
    Für die Mehrheit der Gesellschaft ist Antisemitismus eher stigmatiiert. Keine Partei bekennt sich offen zum Antisemitismus. Die "Liga der polnischen Familien" (LPR) kann durchaus als rechtsradikal bezeichnet werden, aber nicht mal sie ist antisemitisch. Bildungsminister Roman Giertych hat in einem Interview mit der "Welt" sogar die Aufnahme Israels in die EU gefordert. Die LPR sieht Israel als möglichen Verbündeten gegen die "Islamisierung Europas". Die LPR schürt also durchaus Ängste, aber nicht gegenüber Juden, sondern Muslimen und Arabern.
    Homosexuellenfeinlichkeit ist in Polen ein viel größeres Problem, nach Ansicht einiger Beobachter sind die Homosexuellen die "Juden von heute". Homosexuellenfeindlichkeit ist salonfähig und wird von führenden Politikern mitgetragen. Ein Vorwurf gegenüber Homosexuellen ist, sie seien eine Gefahr für die polnische Familie, vor 70 Jahren hieß es, Juden würden Anwälte und Ärzte werden, um polnische Ehen zu scheiden und Kinder polnischer Frauen abzutreiben. Es gibt also durchaus auch was die Argumente angeht Parallelen. Damals wie heute war es nur ein Teil der Bevölkerung, der so dachte. Doch waren es Ende der 30er Jahre die Juden, die mit den meisten Anfeindungen zu kämpfen hatten, heute sind es die Homosexuellen. Wenn sich 50% der Bevölkerung keinen homosexuellen Lehrer wünschen, dann ist das enorm. Diese Zahl wird in den nächsten Jahren wahrscheinlich (und hoffentlich ) sinken. Sie wird aber nie auf 0 gehen. Sie würde wahrscheinlich auch in Deutschland nicht bei 0 liegen, wo an den Schulen das Wort "Schwuchtel" immer noch eins der beliebtesten Schimpfwörter ist.
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