Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
http://queer.de/?6639

Städträte in Florida haben ihren Stadtdirektor nach 14 Jahren gefeuert – nach dessen Coming-out als Transsexueller.

Von Dennis Klein

Sechs Stunden lang dauerte die Anhörung in Largo (US-Bundesstaat Florida) – dann stand fest: Stadtdirektor Steve Stenton muss gehen. Die Stadträte stimmten mit fünf gegen zwei Stimmen für die Absetzung. Stadtrat Gay Gentry sagte, Stanton sei ein "hochnäsiger Chef, der keinen Widerspruch duldet" und der wenig Respekt für seine rund 1.200 Untergebenen gezeigt habe. Verwunderung ruft allerdings das Timing des Rauswurfs hervor. Das Amtsenthebungsverfahren wurde begonnen, kurz nachdem sich Stanton als Transsexueller geoutet hatte. Davor war er schon 14 Jahre lang im Amt gewesen, ohne jegliches Problem. "Sie müssen uns glauben, die Sache hat nichts mit der Transsexualität zu tun", so Gentry weiter.

Die Posse hatte einen Monat zuvor begonnen, als der 48-jährige Direktor des 76.000-Einwohner-Städtchens in einer Pressekonferenz bekannt gab, dass er im falschen Körper stecke und mit seiner Geschlechtsanpassung beginnen wolle. Mit der Öffentlichkeit wollte er eigentlich Gerüchte aus der Welt schaffen und für klare Verhältnisse sorgen. Doch der Aufruhr war groß: Der Stadtrat berief eine Anhörung ein. Einziges Thema: Die Absetzung des Stadtdirektors. Denn dieser sei schon länger nicht mehr tragbar. Manche glaubten sogar, Stanton habe seine Transsexualität erfunden, um seinen Job zu retten.

Der Gemobbte zeigte sich nach dem Rausschmiss schockiert: "Ich war eigentlich optimistisch, habe aber nicht ahnen können, wie groß die Aufregung sein würde", sagte er nach der Anhörung. Er hatte zuvor die Stadträte gebeten, "einem transsexuellen Stadtdirektor eine Chance zu geben, weil die Qualitäten eines Menschen einzig auf seinen Fähigkeiten, seinem Wissen und seiner Bildung" beruhten.

Mehr als 70 Bürger haben sich in der Anhörung zu Wort gemeldet, darunter auch einige schwul-lesbische Aktivisten. "Ich will nicht, dass Largo international als Beispiel für Engstirnigkeit und Diskriminierung gilt", sagte eine Bürgerin. Die meisten unterstützten ihn zwar, andere forderten aber wenig subtil seinen Kopf: "Diese Sache hat uns zum Gespött des Landes gemacht. Der Kerl sollte sich schämen."

Im August will Stanton seinen Namen ändern, die Geschlechtsanpassung soll dann 2008 über die Bühne gehen. Er hält sich die Möglichkeit offen, die Stadt – für die er 14 Jahre lang gearbeitet hatte – wegen Diskriminierung zu verklagen.

26. März 2007