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Nach "Desperate Housewives" kommt mit "Weeds" nun die verschärfte Version des amerikanischen Vorstadtlebens ins deutsche Fernsehen.

Von Dennis Klein

Seit "Desperate Housewives" ist das Hausfrauenleben der amerikanischen Vorstadt plötzlich interessant geworden. Bereits vor rund zwei Jahren startete der Pay-TV-Kanal Showtime die Serie "Weeds" über eine Hausfrau mit zwei Kindern, die sich nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes als Dealerin durchschlagen muss. Showtime ist in Amerika bei schwulen und lesbischen Abonnenten sehr beliebt, weil es unter anderem die Serien "Queer as Folk" und "The L Word" im Programm hat. Jetzt bringt Pro Sieben die satirischen 30-minütigen "Weeds"-Folgen auch nach Deutschland.

In Episode 1 treffen wir Nancy Botwin, dargestellt von Marie-Louise Parker ("Angels in America"). Ihr Mann ist gerade erst verstorben und die Hausfrau ist noch recht mitgenommen. Immerhin muss sie sich um ihre beiden recht ungezügelten Söhne kümmern, die pubertierenden Silas und den Grundschüler Shane. Um nicht auf die amerikanische Version von Hartz IV abzurutschen, hat sie ein einträgliches Nebengeschäft gestartet: Sie verkauft Gras in der Nachbarschaft. Eine andere Alternative, so sieht es aus, hat sie nicht: Denn ein sozialer Abstieg raus aus der schönen, heilen Welt der Vorstadt ist für die Enddreißigerin unvorstellbar. Den Stoff erhält sie von einer afroamerikanischen Familie aus einem schwarzen Wohngebiet, in dem konkurrierende Lieferanten schon mal ein "Drive-By-Shooting" veranstalten. Die Großdealerin und Gras-Expertin Heylia (hervorragend dargestellt von Tonye Patano) fungiert dabei als weise mütterliche Figur, die ihre Kinder allerdings auch nicht unter Kontrolle hat.

Eine Reihe von Nebencharakteren macht die Serie bunt und – trotz der unglaublichen Ausgangsgeschichte von der dealenden Mutter – teilweise durchaus lebensnah. Wie in "Desperate Housewives" geht es um betrogene Ehefrauen, pubertierende Teenager und kindische Männer, um nur einige Themen zu nennen. Da Showtime anders als der "Desperate Housewives"-Sender ABC nicht der Fernsehzensur unterworfen ist, wird in der Serie viel geflucht, viel nackte Haut gezeigt – und vor allem viel gekifft. Pro Sieben ist wohl wegen des strengen deutschen Jugendschutzes gut damit beraten, die Serie nach 22 Uhr zu zeigen.

Der Humor beruht zu großen Teilen auf der zur Schau gestellten Doppelmoral, die wohl nicht auf amerikanische Vorstädte begrenzt sein dürfte. So prangt zwar groß auf dem Familien-Kombi ein Anti-Drogenaufkleber – doch wenn es ums private Vergnügen geht, ist der hehre Slogan "Just Say No" schnell vergessen. Zu Nancys Kunden gehört natürlich – wie könnte es anders sein – auch ein Politiker, Stadtrat Doug Wilson (Kevin Nealon).

Manchmal greift Nancy zu moralisch bedenklichen Mitteln, um ihr Geschäft am Laufen zu halten und nicht hinter schwedische Gardinen zu wandern. So droht sie einem konkurrierendem Jungdealer damit, dessen Eltern von den Sex-Spielchen zu erzählen, die er mit dem schwulen Nachbarn veranstaltet. Oder sie muss sich das Wohlwollen der Drogen-Mafia erkaufen, in dem sie einen Groß-Dealer auf der Motorhaube befriedigt. Eine gewisse Integrität hält sie aber dennoch aufrecht: So legt sie Wert auf die Qualität ihres Stoffes, der in Kalifornien im übrigen ganz legal als Medikament angebaut und verkauft wird. Außerdem veräußert sie ihre grüne Ware nicht an Minderjährige – und ist damit verantwortungsbewusster als der Schnapsladen um die Ecke.

In Amerika ist "Weeds" sehr populär, inzwischen wird die dritte Staffel gedreht. 2006 erhielt Marie-Louise Parker den Golden Globe als beste Darstellerin in einer Comedyserie – und besiegte dabei ganz nebenbei alle vier "Desperate Housewives", die ebenfalls für den Preis nominiert waren.

"Weeds – Kleine Deals unter Nachbarn", immer mittwochs, 22:10 Uhr, auf Pro Sieben.

4. April 2007



#1 BerndAnonym
  • 04.04.2007, 16:45h
  • Hmm wenn die Sendezeit nicht so spät wär... ;-).

    Aber lt. Vorschau echt vielversprechend.
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#2 tuxAnonym
  • 04.04.2007, 19:27h
  • @Bernd: So "spät"???

    Was ist denn bitte an 22:30 Uhr spät??

    Schau Dir mal die Anfangzeiten von Queer as Folk an... DAS ist spät.

    Und, es gibt ja auch Video-/DVD-Recorder.
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#3 stromboliProfil
  • 09.04.2007, 10:22hberlin
  • vieleicht gehts gar nicht um die uhrzeit: erwachsene/ mündige bürger den spass an gewissen sendungen zu verderben, weil irgend ein normierter programdirektor aus angst vor bibelfest- freiwillig selbstkontrolierten zensoren schwules auf die kinderfreie nacht verbannt, zeigt aus welchem garn die gleichberechtigung gestrickt. Das es denn der kapitalismus selbst ist ,der die bigotterie ad absurdum führt, zeigt die tatsache , daß es eines paysenders bedarf um die (satirische) realwelt darzustellen. Mein (schwuler)dealer ist jedenfalls schon über 65 und immer noch zuverlässig. Schlage deshalb eine realityshow hierzu vor. Wenn ich mir schon täglich den heterobeziehungsschwachsinn ansehen muß, verlange ich eine sendezeit um 20:00 für QaF und Weed.
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