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Die Uhr auf der offiziellen Website der Olympischen Spiele 2008 tickt. Auch die Szene in Peking wird von dem Sportevent profitieren.

Von Christian Sheuß

In der chinesischen Hauptstadt wird derzeit wie wild gebaut, geputzt und vorbereitet. Bauarbeiter ziehen in Tages- und Nachtschichten Gebäude hoch, Taxifahrer werden zu Englischkursen verdonnert, Schülerinnen und Schüler räumen Dreck von den Straßen, Freiwillige kriegen Kurse in Erster-Hilfe vermittelt. "Smiling Beijing" heißt die Kampagne, die von der Stadtregierung bereits jetzt mit aller Macht umgesetzt wird. Ganz Peking soll lächeln. Bis es weh tut. Und der 8. August 2008 endlich da ist.

Das sich die chinesischen Schwulen bereits jetzt auf den Besucherstrom von Sportlern, Sportfans, Journalisten und Promis vorbereiten, merkt man auch hierzulande. Zum Beispiel wenn man einen Skype-Account besitzt, und irgendwo im dazugehörigen Profil der Internet-Telefonie-Software das Wort "gay" stehen hat. Da kann es einem passieren, das plötzlich Jacky aus Peking anklopft. Taxifahrer ist er, erzählt er, und wenn man möchte, könne er einem die Stadt zeigen. Und ein Date mit ihm sei auch möglich. Schließlich ist er bisexuell. Jacky‘s Taxi ist eines von den einfachen. In Peking fahren Taxen in drei unterschiedlichen Kategorien herum. Je einfacher, je billiger der Klometerpreis. Aber Jackys Dienste sind im Gegensatz zu seinem Taxi unbezahlbar. Denn es ist nicht ganz so einfach, die schwulen Orte ohne einen Guide zu finden.

In Peking ist derzeit viel in Bewegung. Schwule Bars öffnen, um kurz danach wieder zu schließen oder an anderer Stelle neu zu öffnen. Die chinesische Gesellschaft, die gerade in den Metropolen durch das rasende Wirtschaftswachstum einen unglaublichen Wandel erlebt, öffnet sich erst ganz zaghaft dem Thema Homosexualität. Entsprechend sind die Szenetreffpunkte behördlicher Willkür und kommunistischer Saubermann-Politik ausgesetzt. In Shanghai werden Homo-Bars schon mal während internationaler Wirtschaftskonferenzen geschlossen. Das könnte auch zu den Olympischen Spielen in Peking passieren, befürchten einheimische Schwule. Der 32-jährige Chang, der sich über das schwul-lesbische Internetportal fridae.com als Stadtführer empfiehlt, kennt das Katz- und Maus-Spiel: "Wenn ein Laden auf Anordnung schließen muss, wird halt woanders weitergefeiert. Man folgt einfach der Mundpropaganda." Umso wichtiger, das man sich als Tourist frühestmöglich um einen Kontakt mit einem Pekinger bemüht, der die Lokale auch kennt.

Chang, der Tourguide und Jacky der Taxifahrer hoffen auf jeden Fall auf einen positiven Einfluss der Olympiade im kommenden Jahr. Nicht nur für ihr Geschäft. "Das Motto der Olympiade lautet `Eine Welt – Ein Traum'", meint Chang. Sein Traum ist der von mehr Freiheit und Offenheit.

09.04.2007



#1 hwAnonym
#2 MariusAnonym
  • 11.04.2007, 14:56h
  • "Sein Traum ist der von mehr Freiheit und Offenheit."

    Mehr Freiheit, Offenheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Grundrechte täten China wirklich sehr gut.

    Wenn Olympia das bewirken kann, kann man froh sein, ansonsten hat bei der Olympiavergabe wohl die Wirtschaft (Erschließung neuer Märkte) über olympische Prinzipien gesiegt, weshalb die Vergabe an China ja auch sehr umstritten ist. (Ich erinnere nur an die "Säuberungsaktionen" damit das Land nach außen gut rüberkommt...)
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#3 bondagetop.blog.deAnonym