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  • 09. April 2007, noch kein Kommentar

Schrill, schlagfertig und überdreht: Was steckt hinter den Klischees einer Tunte? Das Buch "Die Diva ist ein Mann" gibt Antworten.

Von Christian Scheuß

Seit das Online-Dating boomt, ist sie wieder deutlich sichtbar, die Angst vieler Männer vor der Tunte. "Tunten zwecklos" heißt es dort häufig in den Profilen, mal mehr, mal weniger unfreundlich formuliert, jedoch immer distanzierend gemeint. Das ist schade, weil hier ausgerechnet schwule und bisexuelle Männer ihre ablehnende Haltung klarmachen. Nur wovor genau fürchten Sie sich? Vor ihren eigenen weiblichen Anteilen? Und vor einer Gesellschaft, die das Ausleben von selbstdefinierten Geschlechterrollen ablehnt? Einige Homosexuellen scheint die Anpassung an Rollenerwartungen wichtiger, als das Überschreiten dieser einengenden Grenzen.

Autor Patrick Hamm liebt die Grenzgänger, die Männer im Fummel, die Drags und Tunten. Seit Jahren taucht er in ihren Kosmos ein, beobachtet, fotografiert und freundet sich mit den Menschen an, die sich – schrill und schillernd – ganz schön was wagen. Jetzt hat er ihnen mit einem reich bebilderten bunten Buch ein Denkmal gesetzt. Mehr als 250 Personen waren mit ihren Infos und Aussagen am Entstehen beteiligt, fast 100 Tunten kommen mit Selbstdarstellungen zu Wort.

Hamm lud viele weitere Autoren ein, ihre Beiträge zu den verschiedenen Gattungen zu verfassen. Die Trümmer-, Polit-, Glamour-, und Bühnentunten werden ebenso beschrieben wie die Drag Queens und die Travestie-Künstler. Dazu gibt es eine Fülle von zusätzlichen Informationen: Die tuntigsten Bücher, Filme, Lieder, Tiere, Modedesigner, etc.

Am Ende der 224 pickepackevollen Seiten beschleicht einen die Erkenntnis: Tunten sind entgegen den üblichen Vorurteilen nicht immer nur zickig oder egozentrisch. Dahinter stecken oft vielschichtige bis schüchterne Menschen. Und: Tunte sein war und ist politisches wie gesellschaftliches Statement, mal Beruf, mal Berufung. Auf jeden Fall eine Bereicherung des sexuellen Kosmos. Wer nach dem Lesen noch immer nicht den Dekolleté-Griff oder die Amphore beherrscht, bei dem sind Hopfen und Maskara verloren.

Patrick Hamm (Hg.), Die Diva ist ein Mann, Querverlag, Broschiert, 224 Seiten, Großformat, Farbfotos, 19,90 Euro

10. April 2007