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  • 10. April 2007, noch kein Kommentar

Wie geil ist ein Orgasmus im Schlaf? Fakten zur nächtlichen Pollution.

Von Dennis Klein

Wer hatte ihn nicht schon - den feuchten Traum. Man wacht schweißgebadet auf und fühlt etwas Nasses in der Unterhose. Orgasmen im Schlaf sind nichts Außergewöhnliches. Und mit Sicherheit nichts Schädliches, obwohl sie in der Bibel als "Verunreinigung" bezeichnet werden (5. Mose 23). Statt im "wirklichen Leben" hat man ein erotisches Abenteuer im Traum - und der Körper spielt mit. Das ist im Prinzip das ganze Geheimnis. Besonders die ohnehin potenteren Jugendlichen erleben diese unerwartete und überaus angenehme (wenn auch oft anderen Leuten gegenüber peinliche) Zusatzfunktion des Schlafes.

Alfred Kinsey hat bereits vor über 50 Jahren herausgefunden, dass zirka 83 Prozent der Männer in den USA einen nassen Traum erlebt haben - die meisten davon in jungen Jahren. Andere Studien kommen sogar zu dem Schluss, dass in besonders sexfeindlichen Ländern fast jeder Mann im Schlaf kommt. Einer indonesischen Studie zufolge waren es 98 Prozent der Männer. Dort ist Onanie ein Tabu - Kindern wird gesagt, dass es schmutzig und womöglich sogar gefährlich ist. Doch auch wenn man tagsüber noch durch Willenskraft den Drang zum Onanieren unterdrücken kann - im Schlaf funktioniert diese Gehirnwäsche nicht mehr. Auch andere Hemmungen in der aufgeklärteren westlichen Welt fallen weg. So fantasiert so manch braver Mann mit Kind und Kegel davon, gefesselt zu werden oder in Lack und Leder zu schlüpfen - da er diesen Traum mit seiner verklemmten Ehefrau aber nicht erfüllen kann, setzt er ihn nie in die Tat um. Das Verlangen bleibt aber - und sucht sich des Nachts ein Ventil. Auch verbotenes Verhalten - wie Sex mit Tieren oder Kindern, kann dazu führen. Wenn diese Träume zum Problem werden, sollte psychologische Hilfe angefordert werden.

Das Gehirn verarbeitet Erlebtes...

Ansonsten ist der feuchte Traum harmlos - sofern man Ersatzunterwäsche griffbereit hat. Das Gehirn verarbeitet einfach Erlebtes oder fantasiert über Unterdrücktes. Das ist nicht anders, als wenn man von anderen Dingen träumt: Der Traum von einer schönen Sommerwiese im kalten Januar löst Wohlgefühle aus, während die Erinnerung an den Horrorstreifen "Dawn of the Dead" zu einem plötzlichen Erwachen samt Angstschrei führen kann. Bis ins letzte Jahrhundert hinein war das noch anders: Damals dachten die Ärzte, beflügelt vom von die Kirchen verursachten sexfeindlichen Klima, dass Orgasmen im Schlaf krankhaft seien und dem Körper Lebenskraft entziehen würden. Das scheinbare Problem lösten die fehlgeleiteten Mediziner mit Beschneidungen oder teilweise gar mit Kastrationen.

Inzwischen sind auch die christlichen Ansichten toleranter geworden. Viele protestantische Kirchen kümmern sich überhaupt nicht mehr um die nächtlichen Spritzereien. Die katholische Kirche, die sich ohnehin mit Onanie schwertut, betrachtet den Orgasmus im Schlaf nur dann als Sünde, wenn er bewusst geplant oder als angenehm und lustvoll empfunden wird.

Steif auch nach dem Abspritzen

Dabei können auch Medikamente die Neigung zu feuchten Träume erhöhen. So bekommen Untersuchungen zufolge neun von zehn Patienten, die testosteronbasierende Medizin einnehmen müssen, "nächtliche Besuche". In einem Punkt unterscheiden sich die feuchten Träume aber vom selbst herbeigeführten Höhepunkt: Oft hat der betreffende Mann selbst nach dem Kommen noch eine Erektion, während diese nach dem Sex oder der Selbstbefriedigung meist sehr schnell verloren geht. Die Forscher sind sich nicht ganz sicher, woran das liegt.

Der medizinische Fachbegriff für den nächtlichen Samenerguss ist Pollution. Er leitet sich vom Lateinischen polluere ab (beschmutzen, verunreinigen). Das ist dabei nicht wertend gemeint, es beschreibt einfach den Umstand, dass man die Bettwäsche oder die Unterhose einsaut und anschließend waschen muss. Wegen der negativen Konnotation (im Englischen bedeutet das Wort Umweltverschmutzung) wird Pollution heute oft als "Orgasmus im Schlaf" oder "Samenerguss im Schlaf" bezeichnet.

11. April 2007