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Mit dem neuen Band "Hamburg mit anderen Augen" feiert das schwule Stadtbuch sein Comeback.

Von Micha Schulze

Unternimmt man einen Kurztrip in eine fremde Metropole, braucht man sich als schwuler Mann nicht groß vorzubereiten. In der Innenstadt wird man schnell ein Café oder Lädchen mit Regenbogenfähnchen oder -aufkleber entdecken, dort greift man sich die aktuelle Ausgabe des einschlägigen Stadtmagazins – und schon ist man mit aktuellen Party-Tipps, Gay Guide und Szene-Map versorgt.

Kein Wunder, dass das Genre des schwulen Stadtbuchs in den letzten zehn Jahren weitgehend ausgestorben ist. Aus der Gmünder-Reihe "von hinten" wird nur noch der Berlin-Band aktualisiert (aber nur aufgrund der vielen Anzeigenbuchungen), Kiepenheuers "Lesben und Schwule in Köln" (1996) und Jackwerths "Homopolis" (1997) waren Eintagsfliegen, auch der Spätstarter "Queer Vienna" wurde seit 2004 nicht aktualisiert. Nun jedoch hat sich der Männerschwarm Verlag an ein neues schwules Stadtbuch gewagt: "Hamburg mit anderen Augen" ist genau 26 Jahre nach dem ersten Versuch erschienen – das war "Hamburg ahoi! Der schwule Lotse durch die Hansestadt" aus dem verblichenen Verlag rosa Winkel.

Das Rad neu erfunden haben Herausgeber Joachim Bartholomae und seine Autoren, darunter Monty Arnold, Werner Hinzpeter und Michael Sollorz, freilich nicht. Der über 250 Seiten starke Band führt selbstverständlich ins Café Gnosa in der Langen Reihe und in die legendäre Wunderbar an der Reeperbahn. Auf die Listung sämtlicher Szeneadressen wurde jedoch aus gutem Grund verzichtet – der Band wäre sonst allzu schnell veraltet. Stadt dessen gibt's die klassischen Streifzüge durch die einschlägigen Kieze, einen Sprachführer "Schwules Platt für alle Lebenslagen", eine Top-10 der idyllischsten Plätze für Verliebte, Erinnerungen an Corny Littmanns legendäre Hammerschläge auf die Klappen-Spiegel sowie – natürlich! – einige, teils sehr schöne literarische Porträts.

"Hamburg mit anderen Augen" kommt dabei nicht als überschwängliche Hymne auf die Hansestadt daher, sondern ist eine eher zurückhaltende, bisweilen kühle und distanzierte Annäherung. So wie die Hamburger eben sind… Andere typische Klischees über die Fischköppe und ihre Stadt hat der Männerschwarm Verlag allerdings – leider! – nicht erfüllt. Während Hamburg doch allgemein als besonders etepetete und Schickimicki gilt, sind die fast durchweg abgesoffenen Fotos nur schwarzweiß, auch das Layout erinnert eher an eine Diplomarbeit in Maschinenbau denn an einen vielfältigen, schwulen Stadtführer.

Erfolgreich könnte der Band trotzdem sein, ganz gegen den Trend. Warum? In Hamburg regnet es bekanntlich besonders häufig – und beim Trocknen und Aufwärmen zwischen den Kiez-Streifzügen bleibt sehr viel Zeit zu lesen. Sei es im Café Gnosa oder in der Wunderbar…

Joachim Bartholomae (Hrsg.): Hamburg mit anderen Augen. Stadtbuch für Schwule, Männerschwarm Verlag, 256 Seiten, 16,80 Euro

27. April 2007

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#1 dantonblnAnonym
  • 28.04.2007, 00:24h
  • Bei aller Liebe zur Seefahrt - das Buch hätte ein besseres Cover verdient. Ziemlich unsexy, vorsichtig ausgedrückt.
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#2 sneaxHHAnonym
  • 28.04.2007, 12:02h
  • @dantonbln

    ooch, warum das denn? das cover eines buches kann doch auch mal zeigen, wo das herz schlägt - muss doch nicht immer nur auf die zuckungen anderer körperregionen zielen :-) ich finds ganz nett und kauf das buch auf jeden fall.

    peter
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