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Der polnische Comedian Marek Fis ruft dazu auf, am 19. Mai an der "Parade der Gleichheit" teilzunehmen.

Von Marek Fis

Am 19. Mai findet in Warschau die "Parade der Gleichheit" statt. Deutsche und europäische Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Unterstützer jeglicher politischer und kultureller Couleur haben den "Warschauer Pakt" gegründet. Bereits seit 2005 unterstützt diese Initiative die polnische Bewegung.

Die Lebensumstände für Homosexuelle, Bisexuelle und Transgender sind in Polen sehr kompliziert. Die homophobe Regierung um Kaczynski, Giertych und Co. schürt Ängste bei den Menschen und verurteilt homosexuelle Partnerschaften bis aufs Übelste. Schwule und Lesben können kein normales Leben führen. Sie werden immer noch terrorisiert, diskriminiert und diffamiert - und das in einem EU-Land im Jahr 2007.

Wir Polen geben oft vor. fromme Katholiken zu sein, aber die Realität sieht leider ganz anders aus. Bildungsminister Giertych von der ultra-klerikalen Partei LPR wirft verbale Steine auf die homosexuelle Gemeinschaft. Seine jungen Schergen von der "Mlodziez Wszechpolska" folgen ihrem Wortführer und schrecken auch nicht vor körperlicher Gewalt gegen die angeblichen "Päderasten" zurück.

- w - Video (51s) - Feiere Pride mit Levi's®

Ich habe leider den Eindruck, dass sich mein Heimatland dem Motto "Europa = Toleranz" entziehen möchte. Deswegen sind Aktionsbündnisse wie der "Warschauer Pakt" oder die "Parade der Gleichheit" immens wichtige Ereignisse, die den Menschen in Polen zeigen sollen, dass Homosexualität etwas völlig Normales ist und man keine Übergriffe dulden darf.

Es ist beschämend, dass ranghöchste Politiker und Kleriker diesen Hass gegenüber Homosexuelle predigen dürfen. Polen ist ein wunderschönes Land mit einer traurigen und tapferen Geschichte. Die Menschen haben immer für ihre Freiheit gekämpft. Ich durfte tolle Literatur von Mickiewicz, Sienkiewicz und Lem lesen. Die Polen sind ein unglaublich gastfreundliches und patriotisches Volk. Wir möchten ein Teil dieses Europas sein, aber wir müssen lernen, dass Toleranz und Akzeptanz dazu gehören.

Mein Land ist tief katholisch geprägt. Ich selbst bin gläubig und gehe in die Kirche. Gott liebt alle Menschen, ob sie schwarz, braun, weiß, schwul, lesbisch oder heterosexuell sind. Wir sind eine Familie und diese bunten Farben machen doch eine spannende Mischung.

Als Comedian, der in Deutschland lebt und arbeitet, schaue ich leider mit einem weinenden Auge auf meine Heimat. Ich bin bestürzt darüber, dass wir eine Regierung haben, die die Menschenrechte und die Würde des Menschen, nicht genügend achtet.
Mein Herz schlägt für die Homosexuellen in Polen, die sich nicht outen können und Repressalien ausgesetzt werden. Ich möchte euch Mut zusprechen und meine Unterstützung in jeglicher Form zusagen.

Die "Parade der Gleichheit" ist eine Chance und eine Aufgabe, die notwendig ist. Es überkommt mich immer ein kalter Schauer, wenn ich die Nachrichten aus Polen lese. Es sind meistens negative Nachrichten, die aus der Ferne kommen. Leider. Polen kann und hat so viel mehr. Ich kann Euch einen Besuch nur ans Herz legen.

In keiner Silbe möchte ich mein Heimatland schlecht reden. Ich prangere nur die Missstände an. Es ist eine unbequeme Wahrheit und deswegen möchte ich der deutschen Homosexuellen-Community von ganzem Herzen für das Engagement danken.

Marek Fis heißt eigentlich Wojtek und ist der erste und einzige polnische Comedian in Deutschland. Seine Bühnenpremiere hatte er vor drei Jahren

11. Mai 2007



#1 PeerAnonym
  • 11.05.2007, 16:11h
  • Eigentlich sollte es Aufgabe der EU sein, die faschistischen Kräfte in Polen zu stoppen und klarzumachen, dass EU-Mitglieder europäische Grundrechte zu achten haben!

    Da die EU das aber nicht macht, müssen wir nun mal selbst aktiv werden. Ich hoffe, dass möglichst viele teilnehmen werden!
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#2 rudolfAnonym
  • 11.05.2007, 21:55h
  • Eine sympthische Solidaritätserklärung.

    Ich kenne auch ansonsten viele sympathische bodenständige Polen. Vielleicht ist das polnische Parlament ja ein verkapptes Nervensanatorium, in dem sich die polnischen ekklesiogenen Neurotiker austoben dürfen (z. B. mit der Idee, Christus höchstpersönlich zum König von Polen zu krönen, letzter Vorschlag war ein staatl. Mini-Rock-Verbot), damit die normalen Polen ihre Ruhe haben. Ob das Konzept aufgeht? Als polnischer Comedian wäre ich jedenfalls beunruhigt. Wenn das die Realität ist, wo bleibt da der Platz für die Satire?
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#3 JürgenAnonym
  • 13.05.2007, 13:54h
  • Es gibt sicher auch vernünftige heterosexuelle Polen, aber offenbar sind die in der Minderheit, denn die Mehrheit hat nun mal diese Regierung gewählt. Und bei den Menschenrechtsverletzungen dieser Regierung gehen auch nur Schwule und Lesben auf die Straße aber es geht ein Aufschrei durch die Bevölkerung.

    Insofern ist und bleibt Polen leider ein faschistisches Land, wo Hass über Grundrechte gestellt wird und das völlig zu Unrecht Mitglied der EU ist! (Vereinzelte Schwalben machen leider noch keinen Sommer.)
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#4 SaschaAnonym
  • 13.05.2007, 18:58h
  • Lieber @Marek,

    besten Dank für deine wahren Worte zur Geschichte Polens und dem nun dringend notwendigen gesellschaftspolitischen Fortschritt. Ebenso kann ich deinen Aufruf zur europaweiten Solidarität mit polnischen Homosexuellen und zum aktiven Eintreten für Menschenrechte in der EU nur unterstreichen.

    Allerdings verstehe ich nicht, wie du als jemand, der selbst von den verheerenden Folgen der Hasspropaganda und Demagogie der katholischen Kirche betroffen ist, diesen Machtapparat, der seit jeher nur zur Unterdrückung von Menschen dient, auch noch unterstützen kannst ("ich gehe regelmäßig zur Kirche" etc.). Wenn man wirklich für Veränderung eintreten möchte, sollte man die gesellschaftlichen Strukturen auch einmal ganz grundsätzlich in Frage stellen.

    Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem Engagement!
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#5 rudolfAnonym
  • 14.05.2007, 08:07h
  • @sascha

    Sicher hast Du - theoretisch - recht. Ich plädiere aber für den Respekt vor kultureller Differenz! (es gibt kaum zwei Völker, die so völlig unterschiedlich sind wie Deutsche und Polen - von links bis rechts) Der Katholizimus ist dem heutigen Polen so etwas wie eine zweite Haut. Die sollten wir ihm nicht abziehen, sondern auf die Zukunft (und folgende Generationen) hoffen. Spanien war auch mal erzkatholisch...
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#6 Boy85Anonym
  • 14.05.2007, 20:18h
  • Hey, auch ich werde dabei sein- aber als Gegendemonstrant *gg

    kleiner scherz...wer kommt alles mit?:o)
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#7 gerdAnonym
  • 16.05.2007, 01:53h
  • Hinfahren und mitmachen... so weit ist Warschau auch nicht weg, das ist zu schaffen.
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