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  • 21. Mai 2007, noch kein Kommentar

Das neue Erasure-Album ist ab sofort auf dem Markt: Im queer.de-Interview plaudert Sänger Andy Bell aus dem Nähkästchen.

Von Dennis Klein

Seit über zwei Jahrzehnten ist die britische Band Erasure erfolgreich – und immer noch fleißig: Das Synthie-Pop-Duo hat das 17. Album soeben herausgebracht und verbringt den Sommer mit einer ausgedehnten Welttour. Sänger Andy stellt sich im Interview den Fragen von queer.de. Der 43-Jährige hat nie wie andere Popstars seine Homosexualität. 2004 gab er bekannt, dass er HIV-positiv ist (queer.de berichtete).

Euer neues Album heißt "Light at the End of the World". Warum dieser Titel?
Wir wollten einen optimistisches Album machen und das soll der Titel ausdrücken. Es gibt ein Licht am Ende der Welt. Derzeit hört man so viel von Katastrophen, gerade wenn es um das Klima geht. Wir wollten einen Gegenpol setzen – und das mit einem richtig guten Tanzalbum.

Ist das Album eine Reflektion eines glücklicheren Privatlebens?
Es ist immer etwas Privates dabei. In letzter Zeit geht es Vince und mir gut. Er hat ein Baby gekriegt und ich sehe seit über einem Jahr jemanden regelmäßig. Allerdings will ich nie zu viel Privates preisgeben. Ich will nicht, dass mein Leben in den Klatschspalten diskutiert wird.

Ihr plant eine lange Tour. Schon aufgeregt?
Ich weiß nicht so recht, irgendwie ist da immer auch ein bisschen Angst dabei, bevor es losgeht.

Ihr seid ab Juni auch bei Cyndi Laupers True Colors Tour durch die USA dabei, in der sich Künstler für Homorechte einsetzen (queer.de berichtete). Eine spontane Entscheidung?
Wir haben schon seit Jahren auf so eine Tour hingearbeitet. Ich verfolge in den Nachrichten genau, wie es um "Gay Rights" steht. Es hat sich ja vieles zum Besseren gewandelt. Wir wollten Flagge zeigen, dass es so weiter geht.

Macht Ihr auch politische Songs?
Nein, unsere Anwesenheit alleine ist ja schon ein Statement. Mit unseren Texten bleiben wir uns treu. Das würde so nicht zu uns passen.

In England gibt es ja auch Eingetragene Partnerschaften. Wäre das was für dich?
Im Moment nicht. In der Zukunft könnte ich mir das aber sehr gut vorstellen. Ich bin seit über einem Jahr wieder in einer festen Partnerschaft. Mal sehen, wie das weitergeht.

Du bist ja inzwischen seit zwei Jahrzehnten im Musikgeschäft aktiv. Was hat sich in dieser Zeit verändert?
Es ist schnelllebiger geworden. Junge Künstler haben gar nicht mehr die Zeit sich zu entwickeln. Das ist wie Fast-Food. Es liegt wohl daran, dass Musik jetzt immer und überall zugänglich ist und man sich sehr schnell neue Idole zulegen kann. Ich möchte jetzt nicht noch mal anfangen.

Würdest du wieder dieselbe Musik machen?
Wahrscheinlich schon, das liegt mir einfach am besten.

Wärst du heute auch bereit, an den Casting-Shows á la "Deutschland sucht den Superstar" teilzunehmen?
Wahrscheinlich würde ich mich bewerben, wenn ich heute anfangen würde. Es ist doch eine Show, mit der man sehr schnell sehr bekannt werden kann. Das zieht natürlich viele an. Aber ich finde diese Shows, die hauptsächlich Wegwerfprodukte produzieren, eigentlich schrecklich. Ich verfolge sie auch nicht. Keine Ahnung, wer da was gerade gewonnen hat. Meist werden die Kandidaten ausgequetscht und verschwinden dann.

Unter Schwulen in Deutschland ist musikalisch der Grand Prix immer ein Highlight. Hast du nicht Lust, für England anzutreten?
(Lacht) Das hatte ich bisher nicht vor. Nein, das passt nicht, aber ich verfolge das Event schon. Habe vor kurzem auf der BBC eine Zusammenfassung der englischen Titel gesehen – da war sehr viel Grauenhaftes dabei. Großbritannien ist wirklich nicht mit den besten Titeln dabei. Die Endausscheidung habe ich mir mit Freunden angeschaut.

Kennst du denn den traditionellen deutschen Schlager?
Nicht wirklich. Ich schaue mir manchmal Sendungen im Fernsehen an, wenn ich in Deutschland bin. Dabei bleibe ich bei Volksmusik-Sendungen hängen, erinnern mich an religiöse Sendungen in England – sehr eingängige Musik und ein volkstümliches Set. Es ist in Ordnung, dass ältere Leute damit Spaß haben. Die Melodien sind manchmal ja nicht so schlecht – und die Auftritte kann man auch mit Ironie sehen, dann macht es Spaß.

Hast du jemals daran gedacht, selbst Deutsch zu singen?
Oh Gott, das würde sich schrecklich anhören, das will ich niemandem antun. Wir haben schon mal Aufnahmen in Italienisch und Spanisch gemacht, aber es ist nicht das gleiche, wenn man in einer Sprache singt, die man nicht beherrscht.

Du hattest am Anfang eurer Karriere viele Nummer-1-Hits. Jetzt seid ihr nicht mehr ganz oben dabei. Ist das nicht bitter?
Es belastet mich nicht, aber man schaut schon drauf, wo man steht. Man ist wohl erst ein wahrer Künstler, wenn einem das völlig egal ist. Aber ich habe doch das Verlangen, anerkannt zu werden, das gebe ich offen zu.

Du fällst aber nicht in Depression, wenn ihr die Nummer 1 verfehlt?
Nein, die Nummer 1 streben wir sowieso nicht an, das wäre derzeit utopisch. Aber wenn niemand das Album kaufen würde, wäre ich auch sehr traurig. Ich bin unterwegs, wenn die Charts rauskommen. Wenn mich dann niemand anruft, ist es ein schlechtes Zeichen, dann waren wir wohl nicht sehr erfolgreich. Aber man darf das nicht zu verkrampft sehen. Ich sitze auf jeden Fall nicht vor dem Telefon und warte, bis es klingelt.

Bist du stolz, wenn du eines deiner Lieder im Radio hörst?
Naja, ich höre eigentlich wenig Radio. Und wenn ich bei Freunden bin und einen Song von mir höre, haben die ihn meistens wegen mir aufgelegt.

Und welche CDs hörst du dir am liebsten an?
Ich mag einige der neuen Gruppen sehr gerne. Ich finde toll, was die Scissor Sisters machen.

Zu wem würdest du am liebsten aufs Konzert gehen?
Wenn ich mir ein Konzert aussuchen könnte, würde ich Barbra Streisand sehen wollen. Die Frau hat Klasse, sie ist eine echte Diva. Leider ist ihr einziges Konzert in England schon lange ausverkauft.

Was tust du, wenn du nicht textest oder singst?
Ich spanne aus an der Südküste Englands. Dort habe ich viele Freunde und dann treffen wir uns und gehen zusammen aus.

Erkennen dich Leute, wenn du die Straße entlang läufst?
Nein, das hat sehr nachgelassen. Manchmal schauen mich Leute an und man kann in ihren Augen sehen, dass sie mich irgendwoher kennen, aber nicht einordnen können. Manchmal sehe ich dann auch, wie es "klick" macht bei ihnen. Aber insgesamt habe ich meine Ruhe, wenn ich privat unterwegs bin. Das ist mir inzwischen auch lieber.

Vor zwei Jahren hattest du dein Coming-out als HIV-Positiver. Hat sich dein Leben seither verändert?
Nein, ganz und gar nicht. Mir geht es auch gut, keine gesundheitlichen Probleme. Es ist schön, jetzt offen zu sein. Bevor ich es publik gemacht habe, mussten wir uns immer wieder Ausreden einfallen lassen, wenn wir aus gesundheitlichen Gründen ein Konzert abgesagt haben. Das passiert jetzt nicht mehr. HIV-positive Fans kommen auch auf mich zu und reden und tauschen mit mir Erfahrungen darüber aus.

21. Mai 2007



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