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Im queer.de-Interview spricht Ola von "The Ark" über seine Grand-Prix-Erfahrungen, die Poesie der englischen Sprache und seine Bisexualität.

Von Dennis Klein

Die schwedische Glamrock-Band "The Ark" präsentierte sich vor zwei Wochen beim Grand Prix vor einem Millionenpublikum. Obwohl das Ergebnis eher ernüchternd ausfiel (Platz 18), freute sich Sänger und Songwriter Ola Salo über die Werbung für das neue Album "Prayer for the Weekend", das ab Freitag in den deutschen Plattenläden liegt. Der 30-Jährige gründete bereits 1991 die Band, die zuletzt in Skandinavien und Italien Erfolge feierte. Ganz unbescheiden bezeichnet Ola "The Ark" als "beste Band der Welt".

Wie hat es dir gefallen, beim Grand Prix vor über 100 Millionen Menschen aufzutreten?
Es war super. Es hat sich angefühlt, als ob wir endlich eine Bühne gefunden haben, die groß genug ist für mich und meine Band. Wenn man das Ergebnis anschaut, war der Eurovision Song Contest aber vielleicht nicht das perfekte Forum. Es war einfach zu schwierig, in drei Minuten zu zeigen, um was es bei "The Ark" geht.

In der Zeitung stand, du wärst erbost gewesen wegen des Ergebnisses.
Ach was. Das war wohl nur, was die Leute von mir erwartet haben. In Schweden nimmt man den ganzen Wettkampf ja sehr ernst, die Medien berichten dauernd darüber. Aber für uns war das einfach nur ein großer Spaß, bei diesem Festival mitzumachen. Wir wussten ja schließlich auch, dass unser neues Album kurz danach rauskommen würde und wir es so noch bekannter machen konnten, auch außerhalb Skandinaviens. Wir haben aber nie wirklich damit gerechnet zu gewinnen. Ich vertrete aber immer noch die Ansicht, dass wir die beste Band der Welt sind.

Wie wichtig ist denn kommerzieller Erfolg für dich?
Es ist schon nett. Das heißt ja auch, dass man von der Musik leben kann. Das ist eine sehr luxuriöse Situation, für die wir in den letzten sieben Jahren sehr dankbar waren und sind. Erfolg ist für mich nichts Schlimmes. Schlimm ist aber, wenn man Kompromisse macht, um Erfolg zu haben. Das haben wir, glaube ich, nicht gemacht.

Ihr hattet ja viele politische Songs in den letzten Jahren. Wie kommst du auf die Themen?
Ich schreibe einfach über das, was mir wichtig ist. Das ist meine Art, mich auszudrücken. Das Politische ist ja auch Teil meines Lebens.

Wie sieht's im neuen Album aus?
Im letzten Album habe ich mich aber mehr mit der psychologischen Ebene befasst. Es geht darin darum, wie man sich in der Gesellschaft fühlt. Es ist ja im Moment so, dass trotz des Wohlstands viele Menschen nicht so glücklich sind. Das ist ja auch politisch. Es hat mich gelangweilt, eindeutige politische Songs zu schreiben – die neuen Lieder sind eher offen für Interpretationen.

Ihr hattet ja auch schon Songs für Homo-Rechte, beispielsweise "Father of a Son" war ein Lied für die Adoption. Ich habe gelesen, dass du selbst schwul bist...
Moment, das habe ich gar nicht gesagt. Ich hab immer betont, dass ich bisexuell bin...

- w - Video (51s) - Feiere Pride mit Levi's®

Ach so, vielleicht ist das falsch übersetzt worden...
Ja, viele erinnern sich nur daran, dass ich "homosexuell" gesagt habe. Wahrscheinlich weil der Homo-Aspekt der Bisexualität eher eine Schlagzeile ist.

Du gehst aber damit ganz locker um und machst keine große Geschichte daraus. Warum ist das so ein großes Problem für andere Sänger?
Ich denke, vor allem die Feigheit der großen Labels ist daran Schuld. Die haben Angst, dass Offenheit über Bi- oder Homosexualität die Verkäufe negativ beeinflussen könnte. Die denken, dann würden nur Bi- oder Homosexuelle die Alben holen. In Wirklichkeit ist das aber Blödsinn in unserer heutigen Zeit. Geheimhaltung führt nur dazu, dass das ganze Thema stigmatisiert wird.

Was würdest du dann jemandem wie Mika empfehlen, der bei Interviewfrage in dieser Richtung fuchsteufelswild wird?
Das muss er selbst entscheiden. Mir wird ja manchmal vorgeworfen, dass ich in Interviews meine Sexualität herausposaune. Für mich ist es aber keine große Sache. Es war immer Teil meines Lebens. Aber die Medien konzentrieren sich dann auf diesen kleinen Bereich. Ich verstehe daher, wenn ein Künstler nicht darüber reden will, weil die Medien das dann zu einer Riesengeschichte aufblasen. Bei mir ist es aber so, dass ich in meinen Liedern viel über meine sexuelle Identität geschrieben habe. Deswegen ist es unausweichlich, dass die Leute darüber reden. Für mich war das nie ein Problem. Es kann aber frustrierend sein, wenn daraus eine ganz große Sache gemacht wird.

Überrascht dich das Interesse der Öffentlichkeit an der sexuellen Ausrichtung von Künstlern?
Nein. Die Heterosexuellen sind fasziniert, neugierig und wohl auch etwas angsterfüllt, wenn es um nichtheterosexuelle Erlebnisse geht. Das hat wohl auch mit anerzogenen und selbstgesetzten Tabus zu tun. Es ist meiner Meinung nach aber wichtig, dass diese nicht traditionellen Konzepte auch sichtbar sind.

Wurdest du je von deinem Label gefragt, mal nicht über dieses Thema zu sprechen oder zu singen?
(lacht) Mir wurde am Anfang unserer Karriere nahegelegt, dass ich mich etwas zurückhalten soll. Ich fand das sehr frustrierend, weil mir gesagt wurde, mein Verhalten auf der Bühne sei zu "camp". Aber das hat, denke ich, nichts damit zu tun, ob ich einen Mann oder eine Frau liebe. Ich kreiere auf der Bühne einfach einer extrovertiertere Form meiner Selbst. Wenn ich dann sehr schwul rüberkomme, denken manche, das sei ein Statement. Ist es aber nicht, das bin nur ich. Fazit: Auf solche Ratschläge von außen hab ich nie gehört.

Ein großer Teil eurer "Campness" sind ja eure extrovertierten Outfits. Wer macht die denn?
Wir selbst. Meistens fange ich an, ein Outfit zu entwerfen. Dann zeig ich's den anderen Jungs von der Gruppe und die machen ihre persönliche Version davon. Dann gehen wir mit dieser Idee zu einem Designer, der die Idee umsetzt. Alle Klamotten basieren auf unseren Entwürfen.

Ihr seid inzwischen bei einem kleinen Label, wie hart ist es für euch, das ganze zu organisieren?
Eigentlich ist es jetzt einfacher. Wir waren ja zuvor bei einem großen internationalen Label. Dort hatte man schon ein fertiges Konzept von dem, was wir sein sollten – und wir sollten es lediglich erfüllen. Bei einem kleinen Label können wir freier arbeiten und selbst entscheiden, was wir machen.

Warum singst du nur auf Englisch und nicht in deiner Muttersprache?
Ich war schon immer ein Reise-Junkie und liebe die Welt. Wenn wir nur auf Schwedisch singen würden, würden wir ja nur für eine sehr begrenzte Anzahl von Leuten spielen. Ich habe aber immer schon auf Englisch geschrieben – schon als ich fünf oder sechs Jahre alt war. Ich habe mich einfach in die englische Sprache verliebt.

Ist es nicht schwieriger, sich in einer Fremdsprache auszudrücken?
Das glaube ich nicht. Als meine zweite Sprache ist sie einfacher zu handhaben. Weil ich Abstand zu der Sprache habe, kann ich Qualitäten von ihr erkennen, die Leute, die sie täglich sprechen, nicht wahrnehmen. Bei Schwedisch ist es für mich schwieriger, die poetischen Qualitäten zu entdecken.

Seid ihr euch in der Band eigentlich immer grün darüber, wie es weitergehen soll?
Im großen und ganzen schon. Wir haben ja schon als Teenager zusammen Musik gemacht und sind immer gute Freunde gewesen. Da haben wir uns angewöhnt, gut aufeinander zu hören. Wir sind einfach wie Brüder. Natürlich gibt es Kämpfe, aber am Ende vertragen wir uns immer, weil wir uns doch so nah sind.

Die Hälfte deines Lebens warst du Sänger von "The Ark". Kannst du noch ohne diese Rolle leben?
(lacht) Wohl kaum. Ich wuchs in einer kleinen, kalten Industriestadt auf. Die Band haben wir alle zu unserem kleinen Universum gemacht. Das hat durch die Jahre gebracht, an denen uns die Musikwelt nicht wahrgenommen hat. Diese Außenseiterrolle haben wir noch in uns, auch wenn wir in Skandinavien sehr etabliert sind.

Was habt ihr in den nächsten zehn Jahren mit "The Ark" vor?
Nun ja, wir wollen andere Länder erobern. In Schweden und einigen anderen Ländern läuft es ja schon recht gut. Und selbst, wenn das nicht klappt, wollen wir auf jeden Fall weiter Musik machen.

30. Mai 2007



13 Kommentare

#1 JoshuaAnonym
#2 SaschaAnonym
  • 30.05.2007, 20:20h
  • Oh je, so ein großes Maul, aber dann den "Bisexuellen" mimen müssen...

    Nächstens bezeichne ich meinen privaten Gesangsverein dann auch als "beste Band der Welt" und gehe mal davon aus, dass queer.de dann auch eine Top-Story über uns bringt. Immerhin sind wir alle ausdrücklich SCHWUL!
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#3 mvsAnonym
  • 31.05.2007, 21:55h
  • ja hallo, joshua ... wir kennen uns doch ... schon lang nicht mehr gelesen :)

    [bei schlechtem gedächtnis: trafen uns beim lästern über citizen_b]
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#4 mvsAnonym
#5 OlafAnonym
  • 01.06.2007, 15:24h
  • Das ist doch mal ein Sänger mit Profil, den ich sicher nicht von der Bettkante stoßen würde! Die Musik ist auch genial. Beim Eurovision hatte er meine Stimme!!!!!!
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#6 OlafAnonym
  • 01.06.2007, 15:27h
  • @Sascha
    Deine Bisexuellen-Schelte klingt ja sehr nach George W: "You're either with us or against us"
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#7 SaschaAnonym
  • 01.06.2007, 15:31h
  • Das ist keine "Schelte", @Olaf, sondern vielmehr eine sachliche Analyse der gesellschaftlichen Realitäten...
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#8 JoshuaAnonym
  • 22.06.2007, 14:41h
  • 1. Ich kenne Ola Salo. Er hat Recht ;-)

    2. Sascha kenne ich nicht. Aber ich finde trotzdem, dass er Unrecht hat.

    3. Ich erinnere mich an dich, mvs ;-) aber ich habe eine neue E-mail-Addy. Die alte gibt es nicht mehr.
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#9 tuxAnonym
#10 mvsAnonym
  • 26.06.2007, 23:33h
  • meine auch nicht mehr.

    aber die hier: david.brandes@gmx.at

    man beachte die ironische anspielung auf einen von mir verachteten "hit"produzenten ...

    @alle perverslinge: gebts euch keine mühe, is ne wegwerfadresse
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