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Ein Bareback-Pornolabel hat sich mit einem CSD-Wagen beim Cologne Pride angemeldet - jetzt regt sich erbitterter Widerstand.

Von Dennis Klein

"Der KLuST lässt die Teilnahme eine Bareback-Porno-Labels zu und verstößt damit gegen seine eigenen Satzungsziele", erklärte Rolf Emmerich heute in einem Brief an den Kölner Lesben- und Schwulentag (KLuST), der den größten CSD Europas organisiert. Emmerich, selbst Veranstalter des Kulturfestivals Sommerblut und KLuST-Mitglied, hat eine außerordentliche Mitgliederversammlung gefordert. Grund: Er möchte, dass das Label XXX-Project, das einen CSD-Wagen angemeldet hat, von der Parade ausgeschlossen wird. Die Kölner Firma produziert Pornofilme, bei denen die Darsteller kein Kondom benutzen.

Da der CSD eine Demonstration ist, dürfe nach deutschen Versammlungsrecht eigentlich niemandem die Teilnahme verweigert werden, erklärt ein Insider. Daher sei der Veranstalter gezwungen, "diese Gruppe mit Missachtung" zu erlauben. Wahrscheinlich werde sie als letzter Wagen fahren und es würden genau davor Kondome verteilt werden.

Prostituierte nein, Bareback-Porno-Darsteller ja?

Für Emmerich und viele andere Aktive ist das trotzdem ein "Skandal". Er fordert den Verbot des Wagens, da eines der Satzungsziele des KLuST "die solidarische Unterstützung von Menschen mit HIV und Aids" sei. Gegen dieses Ziel verstoße der Wagen eindeutig. Für ihn ist es auch unverständlich, dass sich das Bordell Pascha nach anhaltener Kritik vor allem von lesbischer Seite entnervt aus dem CSD zurückziehen musste (queer.de berichtete), obwohl dort Safer Sex groß geschrieben wird.

XXX-Project: "Wir verkaufen Illusionen für mündige Erwachsene"

Das so gescholtene Pornolabel versteht die Aufregung nicht: "Wir sind auch ein schwules Unternehmen und engagieren uns in der schwulen Szene", erklärte Ulrich Jung von XXX-Project gegenüber queer.de. So sei es vorgeschrieben, dass jeder Darsteller einen HIV-Test vorlegen muss, der nicht mehr als zwei Wochen alt ist. Außerdem werde vor jedem Dreh mit jedem Modell intensiv über die HIV-Gefahr gesprochen, um Ansteckungen zu verhindern. Dabei arbeite XXX-Project eng mit einem Arzt zusammen. Auch den Vorwurf, dass mehr Schwule nach Konsum der Filme unsafen Sex haben würden, hält Jung für Humbug: "Wir verkaufen Illusionen an mündige Erwachsene." Aus Kontakt zu Kunden wisse man, dass für sie deren Gesundheit natürlich Priorität habe. Trotz des Streits will das Label auf seinem Wagen "mit einem sehr süßen DJ die Stimmung ... ordentlich zum Kochen" bringen, erklärt XXX-Project auf seiner Website, die wir aus Jugendschutzgründen nicht verlinken dürfen.

Aids-Hilfe: "Das Thema ist zu wichtig, um es an einem Wagen aufzuhängen"

Michael Schuhmacher von der Aids-Hilfe Köln verweist darauf, dass das Thema Bareback bereits seit Jahren auf der Tagesordnung steht. "Das Thema ist zu wichtig, um es an einem Wagen aufzuhängen", erklärte er gegenüber queer.de und weist vor allem auf die Verantwortung des Einzelnen hin. "Diese Videos werden verkauft, weil schwule Männer sie kaufen", so Schuhmacher. Das Hauptproblem sei jedoch, dass die Aids-Hilfe in erster Linie diejenigen erreiche, die bereits Safer Sex verinnerlicht haben. "Diejenigen, die sich gelegentlich oder dauerhaft für unsafen Sex entschieden haben, erreichen wir schwerer ", bedauert er. Deshalb startet die Aids-Hilfe z.B. die Wirtekampagne "Kölner Wirte gegen AIDS". So haben sich zwölf beliebte Szenewirte auf zwölf Plakaten mit ihrer Präventionsbotschaft ablichten lassen - und diese werden nun in den Kneipen der Stadt ausgehängt. Wirte sollen auf diese Art persönliche Ansprechspartner und Vorbilder für Safer Sex werden. Damit hofft die Aids-Hilfe, mehr schwule Szenegänger zu erreichen - und so die Präventionsbotschaften unters Volk zu bringen.

Barebacker auch beim CSD Berlin

Die Aufregung um Bareback-Pornos auf CSDs könnte sich auch noch weiter ausweiten: So fährt beim CSD Berlin die Düsseldorfer Firma Man's Art mit, die neue Filme schon mal mathematisch korrekt bewirbt: "6 Hardcore Scenes (3 Bareback Scenes)". In der Bundeshauptstadt scheint das allerdings bislang niemanden zu stören.

Die Kölner CSD-Parade findet am 8. Juli statt.

13. Juni 2007



279 Kommentare

#1 hwAnonym
#2 MichaAnonym
  • 13.06.2007, 18:30h
  • Die Aids-Hilfe ist in dieser Beziehung schon sehr fundamentalistisch und zu extrem.

    Es wird so hingestellt, als führe Bareback-Sex automatisch zu AIDS, aber das stimmt nicht. Ich vermisse eine differenzierte Betrachtung des Themas "Bareback":

    - In einer treuen vertraungswürdigen Beziehung (wo beide klar negativ sind) ist bareback nämlich kein Problem. (Ist ja bei Heterosexuellen auch nicht der Fall. Der Mensch würde sich ja sonst nicht mehr vermehren können.)
    - HIV-Ansteckungen hat mit Risikoverhalten zu tun. Es braucht also Risikomanagement und keine Angstmacherei. Wann ist die Ansteckungsgefahr am höchsten und wann ist sie am geringsten. Nicht jeder Homosexuelle lebt promiskuitiv, somit geht nicht jeder Homosexuelle die gleichen Risiken ein.

    Und das wichtigste:

    - Vom Konsum von Barebackpornografie hat sich noch niemand mit HIV angesteckt! !!!

    (Es gibt auch etliche (die meisten) Heteropornos wo Darsteller auch keinen Schutz tragen. Ist doch auch eine Sache der Organisation, dass die Darsteller nicht massenweise durch AIDS wegsterben.)

    Also bitte weniger Angstmache und mehr Differenzierung.

    Sonst benimmt sich die AIDS-Hilfe noch fast wie die römisch-katholische Kirche mit ihren absoluten Grundsätzen.

    Wer das Gehirn ausschaltet ist vorallem gefährdet... Das ist das gefährlichste Verhalten und das sollte man den Leuten einmal beibringen, anstatt alle gleich für dumm zu verkaufen.
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#3 CarstenAnonym
  • 13.06.2007, 20:49h
  • Auszug aus meiner e-mail die ich bereits am Montag an den KLUST, AIDSHILFE, RUBICON etc. geschrieben habe:

    Mir geht es nicht darum den moralischen Zeigefinger zu erheben sondern darum das ich es als Schlag ins Gesicht aller Paradeteilnehmer empfinde die Flagge gegen HIV und Aids zeigen !!! In der Satzung des KLUST steht meines Wissens nach unter Punkt 2 das es die Aufgabe ist sich FÜR die Belange von Menschen mit HIV und AIDS einzusetzen !
    Außerdem ist Pornowerbung in Bereichen der auch Minderjährigen zugänglich ist gesetzlich verboten !!! jä

    Außerdem ist Pornowerbung in Bereichen der Minderjährigen zugänglich ist verboten !
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#4 rudolfAnonym
  • 13.06.2007, 21:00h
  • Aufgrund der großen Gefahren durch unsafen Sex sollte man Bareback-Pornos verbieten.

    Pornographie ist kein Wert an sich. Das menschliche Leben schon.
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#5 tuxAnonym
  • 13.06.2007, 21:19h
  • @micha: ".....(Es gibt auch etliche (die meisten) Heteropornos wo Darsteller auch keinen Schutz tragen....."

    Noch nicht kapiert? Heten kriegen doch sowas nicht^^
    (Ich bin zwar nicht dieser Meinung, nur solange dies Schülern vermittelt wird, wird sich auch nix ändern)

    @rudolf: "......Aufgrund der großen Gefahren durch unsafen Sex sollte man Bareback-Pornos verbieten......."

    klar doch, Super Idee! Als nächstes wird dann Sexualität insgesammt verboten?
    Denkst Du eigentlich auch mal nach, bevor Du so einen Bullshit schreibst?
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#6 thomas, kölnAnonym
  • 13.06.2007, 21:43h
  • Queer.de darf den Link aus Jugendschutzgründen nicht verlinken. EBEN!

    Und genau dass sollte der Klust auch als Grund für eine Untersagung der Teilnahme an der Parade heranziehen. Ein Verstoß gegen den Jugendschutz ist nicht durch das Demonstrationsrecht gedeckt!

    Wir (die Schwulen und Lesben) welche auf dem CSD auch Informationen zu Safer Sex und sexuell übertragbaren Krankheiten an die Besucherinnen und Besucher weitergeben, sollten uns das nicht bieten lassen!
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#7 thomas, kölnAnonym
  • 13.06.2007, 21:49h
  • Nachtrag:

    Auszug aus den Teilnahmebedingungen des Klust für die CSD Parade 2007:

    Allgemeine Bedingungen zur Teilnahme an der CSD - Parade 2007 in Köln
    Den allgemeinen Teilnahmebedingungen liegen die ordnungs- und polizeibehördlichen Auflagen zugrunde:

    Grundlagen
    Die Teilnahme an der Parade ist die Teilnahme an einer politischen Demonstration im Sinne des Versammlungsgesetzes. Aufrufender und Veranstalter der Demonstration ist der Kölner Lesben- und Schwulentag e.V. (KLuST). Die Teilnahme an der Parade, ob zu Fuß oder motorisiert, erfolgt auf eigenes Risiko. Eine Haftung des KLuST für Personen- oder Sachschäden ist ausgeschlossen. Die teilnehmenden Gruppen/ Initiativen/ Vereine/ Unternehmen stellen sicher, dass der Charakter der politischen Demonstration erhalten bleibt.

    Zum Erhalt des Demonstrationscharakters ist es insbesondere erforderlich, die Herausstellung kommerzieller Ziele auf ein Mindestmaß zu begrenzen und die teilnehmenden Unternehmen und Sponsoren zu verpflichten, sich bei ihren Aktivitäten mit den politischen Inhalten der Veranstaltung, die ihren Niederschlag vor allem im diesjährigen Motto finden, auseinanderzusetzen.
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#8 KonstantinEhemaliges Profil
  • 13.06.2007, 21:52h
  • Dass die Nachahmungstheorie inzwischen widerlegt ist, sollten aufgeklärte Homos eigentlich wissen. Daher sehe ich kein Problem in BB-Pornos. Auch wenn ich im realen Leben ein absoluter Verfechter von Safer-Sex bin.
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#9 redforceAnonym
  • 13.06.2007, 23:03h
  • Geht mir auch so. Bareback-Pornos ok, aber mit Aufklärungsvorspann und Hinweisen auf dem Cover. Vielleicht könnte man ja sogar ein Gratis-Kondom dazupacken. Dass verpflichtende HIV-Tests für Darsteller solcher Pornos durchgeführt werden und das Ansteckungsrisiko mit allen Mitteln minimiert wird, sollte meiner Meinung nach aber gesetzlich vorgeschrieben werden.
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#10 thomas, kölnAnonym
  • 13.06.2007, 23:17h
  • @Micha @Konstantin

    Die Problematik besteht hier nicht darin wie der einzelne von uns zum Thema Barback steht - dass möge bitte jeder mit seinem Gewisse selbst vereinbaren - IM PRIVATEN - DA WO ES HINGEHÖRT!!!

    Hier geht es darum das auf einer politischen Demonstration öffentlich Werbung für etwas gemacht werden soll, dass die meisten ausrichtenden und teilnehmenden Vereine nicht billigen!
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