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Namibias Haupstadt ist keine Gay-Hochburg, doch findet man hier ein bemerkenswertes deutsches Erbe

Von Roberto La Pietra (Text und Fotos)

Nach neun Stunden Nachtflug geht die Sonne auf über dem afrikanischen Kontinent. Weite, sandige Landschaften erstrecken sich unter uns….Kaum ein Orientierungspunkt, sei es eine Straße oder ein Haus, ist zu sehen. In der Ferne taucht wie aus dem Nichts eine Landebahn in der Steppe auf, die Maschine nimmt eine Kurve und steuert dem Flughafen zu. Das Flugzeug der Air Namibia ist die einzige Maschine am Airport von Windhoek und 200 Passagiere laufen im Gänsemarsch auf die kleine Abfertigungshalle zu.

Windhoek ist die Haupstadt eines afrikanischen Landes, das seit einigen Jahren einen wahren Tourismus-Boom erlebt. Bei Schwulen nicht unbedingt als Gay-Hochburg bekannt, zieht Namibia dennoch all diejenigen in ihren Bann, die sich Safaris, luxuriöse Lodges und gepflegte Sundowners leisten können. Annähernd so groß wie Mitteleuropa, zählt das Land nur rund zwei Millionen Einwohner, von denen der größte Teil in der Hauptstadt Windhoek lebt. Auf einer Reise durchs Land oder weiter ins benachbarte Südafrika lohnt ein kurzer Stopp in der ungewöhnlichen Stadt.

Namibia besitzt ein bemerkenswertes deutsches Erbe, was sich in den Straßennamen widerspiegelt oder an der Bauweise. Hier und da entdeckt man eine traditionelle Bäckerei und wird von Einheimischen auf deutsch angesprochen. Die Innenstadt ist klein und auf einem Spaziergang schnell erkundet.

Interessanter wird es, wenn die Sonne untergeht, denn dann gönnen sich Kenner Windhoeks einen stimmungsvollen Sundowner über der Stadt in der Heinitzburg. Anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich hierbei nicht um eine Burg, sondern um ein schmuckes und komfortables Boutique-Hotel über den Dächern Windhoeks. Die Besitzerin ist, wie sehr viele in der Tourismus-Branche hier, deutschstämmig. Bei einem gepflegten Gin Tonic sehen wir zu, wie die Sonne über der Stadt untergeht und die Lichter angehen.

Mit gesundem Appetit fahren wir mit dem Taxi weiter zu Joe’s Beerhouse. Das Restaurant ist eine Institution in Windhoek. Ich bestelle mir die Wildplatte mit Alligator, Oryx-Antilope, Büffel und Strauß. Deftige Küche scheint in Namibia von den Deutschen übernommen worden zu sein. Die Qualität des Fleisches scheint jedoch im südlichen Afrika besonders hoch zu sein. Vielleicht liegt es daran, dass es überwiegend aus Jagd und nicht aus Züchtung stammt und das Fleisch somit von "sorgenfreien" Tieren stammt. Besonders das Antilopen-Fleisch wird immer beliebter auf der ganzen Welt. Zum Essen passt vorzüglich ein Fläschchen Bier der Marke Windhoek Lager, das nach deutschem Reinheitsgebot gebraut wird.

Beim Thema Homosexualität wird’s in Namibia kompliziert. Wer auf Internet-Recherche geht, wird nur äußerst schwer fündig. Der Spartacus listet jedoch gleich ein gutes Dutzend an Bars und Clubs auf. Da finden sich zum Beispiel Funky Lab und Luigi and the Fish am Sam Nujoma Drive oder Squares und Club Sparks in der Independance Avenue, aber meist handelt es sich um Heten-Bars, die bestenfalls eine Homo-Ecke besitzen oder sich als gay-friendly bezeichnen. Schwul weggehen ist also eine Herausforderung und Besucher müssen sich bewusst sein, dass Homosexualität in Namibia nach wie vor verboten und alles andere als gesellschaftlich akzeptiert ist. Das Rainbow Project hat also einen sehr schwierigen Job zu leisten und der Beweggrund für so manchen Flirt kann die Hoffnung eines Einheimischen auf ein bisschen Bargeld sein.

Überhaupt bestimmen nicht nur schnuckelige, deutschsprachige Bäckereien den Charakter der Stadt. Windhoek ist eine Metropole mit vielen Problemen: Eine immense HIV-Rate, ungleiche Verteilung der Reichtümer und wachsende Spannungen zwischen Schwarz und Weiß gehören so unweigerlich zu dieser Stadt wie zu jeder Metropole des afrikanischen Kontinents. Nichtsdestotrotz gehört Namibia eher zu den privilegierten Nationen – kein Vergleich zu den Zuständen im nahen Zimbabwe.

Am nächsten Morgen geht es wieder Richtung Flughafen, der rund 40 Kilometer außerhalb der Stadt liegt. Auf der Landstraße dorthin versperrt uns nicht eine einzige Ampel den Weg und wir rasen konstant mit 80 Sachen durch die Weite. Hier und da steht ein Affe oder eine Antilope am Straßenrand. In der Ferne ist eine imposante Bergkette zu sehen, dahinter Weite und dahinter erneut eine Bergkette. Windhoek ist nur die Eintrittspforte dieses großen Landes, von dem ich diesmal nur einen klitzekleinen Ausschnitt gesehen habe. Eine ausführlichere Reise lohnt in jedem Fall.

19. Juni 2007



#1 Peter KonkolewskiAnonym
  • 18.03.2008, 21:10h
  • Ich kann dem Artikel einfach nur zustimmen. Ich bin zwar noch nicht in das schwule Leben eingetaucht, aber bei verschiedenen Gelegenheiten hatte ich schin mal die Chance darüber zu sprechen. das schwule Leben in Windhoek und darüber hinaus ist wirklich mager. Es gibt zwar auch einige Möglichkeiten schwul zu übernachten, aber die sind dünn gesät.
    Der Artikel spiegelt das wieder was ich bei meinen Besuchen in Namibia erlebt habe.
    Namibia ist, trotz aller Schwierigkeiten, ein wunderschönes Land, mit netten, freundlichen und hilfsbereiten Menschen. Wer sich einmal richtig Zeit nimmt und z. B. im Schneiders frühstückt, sieht zwar nicht nur schönes, aber doch auch den Stolz der Menschen.
    Ich jedenfalls bin dem rauen Charme erlegen und ob schwul oder nicht werde ich immer wieder gern hierhin reisen. Und das nicht nur wegen der schnuckeligen Jungs die da rumlaufen.
    Liebe grüße
    Peter
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