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Berlin (queer.de) - Nur wenige Tage, nachdem der kleine Parteitag der Berliner FDP sich für die rechtliche Gleichstellung von schwul-lesbischen Paaren ausgesprochen hat (queer.de berichtete), empörte sich die Bildungsexpertin der Partei, Mieke Senftleben, über fortschrittliche Aufklärungsarbeit über Homosexualität an den Berliner Schulen.

Ins Visier der Abgeordneten sind Rollenspiele für Schüler ab der 9. Klasse geraten, die das Landesinstitut für Schule und Medien (LISUM) entwickelt hat. So heißt es in einem Spiel für den Unterricht: "Du sitzt an der Theke einer Schwulenbar und könntest heute eigentlich einen hübschen Mann in deinem Bett gebrauchen. Ein Neuer betritt den Raum, den du eigentlich ganz schnuckelig findest. (Wie) ergreifst du deine Chance?"

Mieke Senftleben ist empört: "Aufklärung über Homosexualität, Diskriminierung und Intoleranz muss sein. Aber ich halte solche Themen in den Rollenspielen für Jugendliche für völlig daneben! Schließlich handelt es sich hier um 14- bis 15-jährige Schüler." Die FDP-Politikerin forderte Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) auf, "diese Unterrichtsmaterialien dringend zu hinterfragen und zu durchforsten und neue Materialien für den Unterricht zu entwickeln."

Der Bildungssenator meinte zwar, von den Autoren der Aufgaben sei "ein schülernaher Sprachgebrauch aufgegriffen worden", zog jedoch im Gespräch mit der Tageszeitung "BZ" zugleich den Schwanz ein: "Ich werde allerdings die Redaktion bitten zu prüfen, ob die gleichen Ziele nicht auch durch eine weniger saloppe Wortwahl erreicht werden können."

Mieke Senftleben ignoriere die Realitäten an den Schulen vollkommen, wies indes der Berliner Lesben- und Schwulenverband (LSVD) die Kritik an dem Rollenspiel zurück und bot der Berliner FDP "Nachhilfeunterricht zur Diskriminierung Homosexueller" an. "Dabei werden wir auch gerne die Frage erörtern, ob das gleiche Rollenspiel in einer heterosexuellen Bar mit einem heterosexuellen Paar dieselbe wohlfeile Empörung hervorgerufen hätte", so LSVD-Pressesprecher Alexander Zinn. (mize)

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46 Kommentare

#1 SaschaAnonym
  • 27.06.2007, 13:27h
  • Und wieder einmal wird deutlich, was die Neoliberalen und Neokonservativen unter "Gleichstellung" von Homosexuellen verstehen - nämlich allenfalls die formaljuristische Gleichberechtigung eines Rechtsinstituts zweiter Klasse, vielleicht noch mit der großzügigen Draufgabe des Adoptionsrechts.

    Dabei sind es allein Maßnahmen in den Schulen wie die hier zitierte, die das individuelle und kollektive Bewusstsein in dieser Gesellschaft effektiv und nachhaltig verändern und eine wahrhaftige Kultur des Respekts zu begründen vermögen.

    Vielleicht nimmt der LSVD das als Denkanstoß, um die Aufklärungs-, Antidiskriminierungs- und Anti-Gewalt-Arbeit in deutschen Schulen und deren umfassende Institutionalisierung endlich ganz oben auf seine Agenda zu setzen.
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#2 tobi85Anonym
  • 27.06.2007, 14:33h
  • wäre auf das vom lsvd vorgeschlagene rollenspiel gespannt. handlungsort ist dann keine schwulen sondern eine hetenkneipe am besten noch in einem viertel welches für seine mann-frau gastronomien/buchläden/shops bekannt ist. ich wette in diesem szenario würde das männchen nichts für eine nacht suchen sondern die frau fürs leben.
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#3 wolfAnonym
  • 27.06.2007, 14:42h
  • miefke hat völlig recht, im neuen berlin, im neuegestalteten deutschland, sitzt man in einer rauchfreien milchbar und nippt am alkfreien nitecup.
    da gibt es sowas nicht wie anmache, nicht bei den neosterilen, denn verhütet wird sowieso und für den deutschen nachwuchs sorgen ohnehin die ausländer, die lassen sich auch besser im niedriglohnsektor unterbringen, damit wir uns besser um die altersvorsorge kümmern können.
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#4 JulienAnonym
  • 27.06.2007, 14:52h
  • Wieder mal zeigt die FDP ihr wahres Gesicht:

    was soll daran verkehrt sein 15-16 -jährige Schüler über Homothemen aufzuklären. Das ist genau das Alter, wo viele sexuell aktiv werden oder zumindest Interesse zeigen. Und auch das Alter in dem schwule und lesbische Jugendliche am meisten zu leiden haben. Und auch genau das Alter wo sich bei Heteros manifestiert ob sie mal tolerant sein werden oder Homohasser....

    Aber das ist bei der Berliner FDP nicht anders als in anderen Landesverbänden. Man will unsere Stimmen, aber wehe es wird an Schulen aufgeklärt...

    Die FDP ist so peinlich und durchschaubar, dass man sich fragen muss, warum immer noch Leute auf die reinfallen. (Gut, ich gebe zu, so dumm war ich auch mal, aber ich habe wenigstens darauf gelernt und werde diesen Fehler nie wieder begehen...)
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#5 FloAnonym
  • 27.06.2007, 15:13h
  • Typisch FDP: beim Reden sind die ganz groß um möglichst viele Stimmen zu bekommen. (erst recht, seitdem sie gemerkt haben, dass manche Schwule sehr leicht auf sie reinfallen).

    Aber in der Praxis handeln sie genau entgegengesetzt!

    Die sollen sich alle eine 18 unter die Schuhsohle malen und sich mit ihrem Spaßkanzler Guido wieder ins Bigbrotherhaus setzen gehen. Dann haben wir endlich Rehe vor denen.
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#6 gerdAnonym
  • 27.06.2007, 15:30h
  • Die Ziele sind richtig...und die 9. Klasse ist auch gut vom Ansatz her der Aufklärung und Information. Denn diese Themen gehören mit Sicherheit nicht in den Unterrichtsstoff der Klassen 1 - 7.

    Aber die Wortwahl für Schulunterrichtsmaterial ist wirklich bisserl sehr "salopp" und ob das Ansprechen eines Partners in einer Schwulenbar das richtige Thema ist, da habe ich auch so meine Zweifel, was Unterrichtsmaterial angeht.

    Besser wäre es, wenn dort ein Beispiel über "dumme, homophobe Sprüche" auf dem Schulhof im Unterrichtsstoff vermittelt wird. Das wäre relevant und wichtig auf den Schulhöfen, wo "die Kräfte der Pubertät jedes Jahr von neuem in ihrer Urgewalt sich Bahn brechen".

    Oder den Schülern wird im Unterrichtsmaterial vermittelt, was Transsexualität, Intersexualität, Transvestitismus oder eine Drag Queen ist oder halt die Geschichte der Bürgerrechtsbewegung von Lesben und Schwulen oder die Bedeutung von Christopher Street Day.

    Alles Begriffe und Themen, die mir keiner in der Schule (Ende der 80er) und auch nicht als Student (Anfang/Mitte der 90er) an der Universität beigebracht hat. Das musste ich mir alles selbst in meinem Leben "zusammensuchen" und "nachlesen".

    In meinen Schulbüchern mit Biologie- und Geschichteleistungskurs im Abitur findet sich nirgendwo der Begriff "Homosexualität". Und auch in der Oberstufe wurde in der Jahrgangsstufe 12/13 im Geschichteleistungskurs Themen wie "Eulenburg-Hardenberg" oder die Hintergründe des Röhm-Putsch ausgespart. Auch im Biologieunterricht nie ein Wort über Homo-Bisexualität.

    Daher ob "die Anmache in einer Schwulenbar" das beste Beispiel für Unterrichtsmaterial ist, da wüßte ich bessere Beispiele für Schulmaterial.
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#7 SaschaAnonym
  • 27.06.2007, 16:22h
  • @tobi85:

    Unsere Gesellschaft ist voll von "Rollenspielen" der heterosexuellen Selbstinszenierung, sei es in der Öffentlichkeit oder in den massiv heteronormativen Massenmedien.

    Eben deshalb ist die umfassende Verankerung des Themas der sexuellen Vielfalt in den Schulen so wichtig!
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#8 JustusAnonym
  • 27.06.2007, 16:31h
  • Die Frau hat recht. Es ist unsinnig, so was in einem Rollenspiel zu üben.
    Sollen mal besser Mathematik und Rechtschreibung pauken.
    Und @Sascha, mit Politik hat das überhaupt nichts zu tun. Wie, wann, warum und wo ich mit einem Menschen anbändele, ist allenfalls Ausdruck meines persönlichen sozialen Verhaltens.
    Angeborenes soziales Balzverhalten dürfte auch bei Sozialisten vorhanden sein, so dass man die liberale Ablehnung solcher Rollenspiele pädagogisch bestätigen kann.
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#9 wolfAnonym
  • 27.06.2007, 16:51h
  • gerade die vermittlung durch rollenspiele und der "saloppen" sprache vermittelt den kids ein gefühl für situation und realität, erst recht den jüngeren.
    in einer stadt wie berlin, sind die jüngeren so früh mit problemsituationen konfrontiert, die ihnen ihre eltern nicht zu erklären vermögen (aus welchem grund auch immer), dass dieses die einzige möglichkeit ist, damit vernünftig umzugehen und eigene verhaltensmuster zu verstehen.
    schaden werden sie erfahrungsgemäss nicht erleiden, eher den eltern unangenehme fragen stellen zu deren verhaltensweisen.
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#10 hwAnonym
  • 27.06.2007, 16:57h
  • ich wundere mich oft über verantwortliche, die in ihrer dumpfbackigen paternalistischen bräsigkeit so tun, als ob sie sich, for ever young, in die wahrnehmungsmuster kommender generationen hineinversetzen könnten.
    dies ist bei diesem thema aber keine stilfrage, sondern zwingend notwendig.
    deutsche liberale und konservative sind meiner meinung nach strukturell unfähig,
    jungen menschen, wegen mir mit belohnanreiz innerhalb staatlicher strukturen, aber ansonsten frei, ausreichend knete für projekte zu geben, die die genannten ziele
    wahrscheinlich eher erreichen, als irgendwelche auträge an dynamisch junge beutelschneider aus dem ach so kreativen liberalen milieu, die ihren konzept-krempel
    der geldgebenden bräsigkeit vorstellen, denen die umsetzung nach diesem date, aber so ziemlich am arsch vorbeigeht. wer kennt sie nicht alle die wertvollen broschüren, die dann vergilbt verschämt im besten fall beim altpapier landen.
    alles schon erlebt. ich bekomm da jedes mal den hirnbeiss.
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