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Gewalt ist auf dem Vormarsch. Solange wir Schwulen isoliert im Ghetto lebten, fühlten sich die Heteros nicht von uns bedroht.

Von Jürgen Friedenberg

Die Gewalt ist auf dem Vormarsch. Nicht nur in den von Bürgerkriegen und Terror erschütterten Staaten, sondern auch bei uns, ja überall: in der Schule, im Betrieb, auf der Straße. Brutale Gewaltdarstellungen beherrschen das Fernsehen und dringen übers Internet anscheinend unaufhaltsam selbst in Kinderzimmer ein. Immer mehr Jugendliche spielen das nach, was ihnen in harten Pornos so verlockend serviert wird, als sei dies alles ganz normal und gehöre zum modernen Leben einfach dazu. Der "Stern" beschwört in einer wissenschaftlich fundierten Reportage eine "sexuelle Verwahrlosung", die "Zeit" stellt in einem nicht minder gründlichen Dossier über "Schwulsein heute" fest, dass die angebliche Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben neuerdings in Hass und Gewalt gegen Homos umschlägt.

- w - Video (51s) - Feiere Pride mit Levi's®

Wieso das? Hat man etwa vergebens gehofft, dass die Legalisierung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften die Homosexualität auch in der Bevölkerung endlich "gesellschaftsfähig" machen würde? Erweisen sich die Jahrhunderte lang gehegten und gepflegten Vorurteile und Feindbilder noch immer als stärker? Mag sein. Die Brutalisierung des Sexuallebens, die auch und gerade Heten trifft, deutet aber auf tiefere Ursachen hin: etwa auf den weit verbreiteten Verlust der Fähigkeit, zärtliche Gefühle zu zeigen und zu leben. Das anerzogene, falsche Männerbild – die harte Männlichkeit – macht dies vielen Männern so schwer. Und der Neid der Heten auf die Schwulen, die zärtliche Gefühle eher zulassen, führt rasch zu Hass und Gewaltausbrüchen.

Solange wir Schwulen gesellschaftlich isoliert in einer Art Ghetto lebten, sahen sich die Nichtschwulen von uns nicht bedroht. Jetzt aber, wo die alten Grenzzäune gottlob gefallen sind, gibt es Ängste vor dem Fremdartigen, manchmal auf beiden Seiten. Diese Ängste schwinden nur, wenn man sich selber und auch den anderen besser kennen lernt. Letztlich sehnen sich Homos und Heten nach liebevoller Geborgenheit. Deshalb: Retten wir die Zärtlichkeit! Denn Zärtlichkeit erschließt die wahren Wonnen der Liebe und lässt die zärtlich Liebenden ein Lebensglück jenseits von Kommerz und Gewalt erfahren.

28. Juni 2007



18 Kommentare

#1 hwAnonym
  • 28.06.2007, 22:11h
  • "....Denn Zärtlichkeit erschließt die wahren Wonnen der Liebe und lässt die zärtlich Liebenden ein Lebensglück jenseits von Kommerz und Gewalt erfahren...."

    das spricht mir als buddhist aus dem herzen, gerade auch für kinder und heranwachsende, zärtlichkeit, zärtlichkeit
    ein leben lang, ein buch zu jedem anlass:

    www.beltz.de/katalog/buch.asp?ISBN=3-407-78913-0
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#2 schaumkroneAnonym
  • 29.06.2007, 00:22h
  • vielleicht ist es so ruhig hier, weil mit zärtlichkeit kein geschäft , kein sieg gemacht werden kann...
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#3 SaschaAnonym
  • 29.06.2007, 01:06h
  • Wow, @Jürgen Friedberg, ein eindrucksvolles und in jeder Hinsicht zutreffendes Plädoyer für mehr Achtung und Zärtlichkeit, letztlich Liebe, im Umgang miteinander!

    Ich muss mich da manchmal selbst an die eigene Nase fassen, da ich im Eifer der politischen Auseinandersetzung auch sehr gern provoziere und zuspitze.

    Aber letztlich, da stimme ich dir zu, geht es um die große und alles entscheidende Frage, ob wir in dieser Gesellschaft endlich wieder wegkommen von der Logik des Fressens oder Gefressen-Werdens, weg vom Recht des Stärkeren und einem System, das dem Menschen ihren Wert vorwiegend in Abhängigkeit materieller und konsumistischer "Errungenschaften" zuteilt.

    Letztlich liegt eine Ursache vieler Probleme, gerade auch der zunehmenden Aggressionen und der Gewalt unter jungen Menschen, in dem extremen Konsumdruck, der da lautet:

    "Wenn du nichts hast, dann bist du nichts."

    Wenn ich daher in diesem Forum immer wieder drastische Veränderungen im Bildungssystem und in den Schulen einfordere, dann meine ich damit insbesondere auch mehr Zeit für eben diese Fragen: Wer bin ich? Was macht mich und meinen Wert als Mensch (und den Wert anderer) aus? Was hält uns als Gesellschaft und Menschheit zusammen?

    Nochmals danke für den hervorragenden Kommentar, der leider bislang kein Echo gefunden hat - er passt schließlich so gar nicht zum allgemeinen Zeitgeist, der leider auch unter Schwulen weit verbreitet ist.
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#4 MarcelAnonym
  • 29.06.2007, 08:06h
  • Auch wenn es einigen Herren hier nicht passt, dass jemand die Wahrheit sagt, aber die nachlassende Toleranz gegenüber Homosexuellen in Deutschland und anderen westlichen Staaten ist vor allem auf die größer werdende muslimische Bevölkerung zurückzuführen.

    Die Politik wird dies so natürlich nicht bestätigen wollen, aber Untersuchungen zeigen, dass vor allem bei jungen, männlichen Muslimen nur sehr wenig Toleranz gegenüber Homosexuellen besteht, die sie als minderwertig ansehen.
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#5 FloAnonym
  • 29.06.2007, 08:48h
  • Solange Politik und Kirche uns weiterhin diskriminieren, echte Gleichstellung verwehren oder sogar gegen uns hetzen, darf man sich nicht wundern, wenn manche Dummköppe, diese Diskriminierung durch "Vorbilder" als Anlass nehmen, ihren Frust und ihre Gewalt an Schwulen auszulassen.

    Die Täter der Worte (Politik und Kirche) sind genauso schuldig, wie die Vollstrecker der Gewalt!
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#6 madridEUAnonym
  • 29.06.2007, 10:10h
  • Ja @sascha, da habe ich mich doch selber dabei ertappt, diesen Artikel gar nicht erst zu lesen. Dann liess mich Dein Kommentar aufhorchen und ich stimme voll mit Dir und dem Verfasser überein.
    Man mag vom Charakter her offen für Zärtlichkeiten sein, aber sie treffen zunehmend auf eine cybernuckelnde Gesellschaft, wo ganz andere Dinge zählen.
    Wo man wie hier im Forum anonym immer nur austeilt, sich in der Öffentlichkeit die Ohren mit Walkman volldudelt, bis man taub ist , damit aber den Kontakt zur Umwelt bewusst meidet usw.....Sicher ist eine bessere Welt für Euch junge Menschen noch möglich, aber wie wollt Ihr das bewerkstelligen in dieser angebrochenen Eiszeit ?
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#7 AdrianAnonym
  • 29.06.2007, 10:51h
  • Meine Güte, was für ein auf progressiv getrimmtes, kulturkonservatives Gewäsch. Wenn so etwas der Papst schreiben würde, würden alle hier ihn auslachen. Aber man muss nur irgendwie Schwule mit einbeziehen und schon kent die Zustimmung keine Grenzen mehr.
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#8 AdrianAnonym
  • 29.06.2007, 11:49h
  • Stimmt hw, gerade Ché Guevara war ja bekannt für seine Liebe und Zärtlichkeit gegenüber Menschen die anders dachten als er und auch gegnüber Schwulen. Diese Liebe und Zärtlichkeit zu den Menschen ließ ihn Erschießungkommandos befehligen und Schwule in Arbeits- und Umerziehungslager stecken. Chapeau.
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#9 hwAnonym
  • 29.06.2007, 13:33h
  • @ adrian

    hätte er zur durchsetzung minimaler menschenrechte guillotinen durch den busch schleppen sollen ?
    kannst du mal quellen für deine enthauptungen nennen ?
    kuscheln muss subversiv sein...
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#10 ManfredAnonym
  • 29.06.2007, 14:21h
  • Ja Mensch wo sammer denn?
    Wenn sich doch mal alle Menschen bemühen würden frei zu sein wäre der erste Schritt zur Anerkennung eines Jeden gemacht. Auch wir schwule würden nicht mehr unter solchen Feststellungen leiden.
    Solange aber die Menschen von äußeren Zwängen wie die zunehmende Macht des Kapitals und der Unterordnung leiden, können Sie nicht frei entscheiden. Dies machen sich alle Religionen zu Nutze und die Unfreiheit nimmt zu.
    Ich glaube dass nur ein weiteres Wehren gegen Bevormundung uns auch im Umgang mit anderen Menschen frei macht und offene Gefühle zulässt.
    Der Aufruf soll Schwule und Heteros gleichermassen zum Nachdenken und Handeln anregen.
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