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Von Micha Schulze

Wer erzählt, dass er in den Urlaub nach St. Martin fährt, der bekommt oft "Ski heil!" zu hören und wird auf dem Weg nach Österreich gewähnt. Die Karibik-Insel St. Martin ist als attraktives Ferienziel weitgehend unbekannt. Auch in der Szene hat sich noch nicht herumgesprochen, dass das südöstlich von Puerto Rico gelegene Eiland mit zwei Homo-Stränden, einer einschlägigen Disco und einem schwulen Gästehaus aufwarten kann.

Auf den ersten Blick kann man die 1493 von Christoph Kolumbus entdeckte und nach dem Heiligen Martin getaufte Insel auch leicht übersehen. St. Martin misst gerade mal 96 Quadratkilometer und ist damit etwa so groß wie Sylt. Umso ungewöhnlicher die politische Aufteilung: Der etwas größere Nordteil der Insel gehört zu Frankreich und heißt dort "Saint Martin", der südliche Teil wiederum gehört zu den Niederländischen Antillen, die autonomer Teil der Niederlande sind; dort nennt man die Insel "Sint Maarten". In der französischen Hälfte ist der Euro offizielles Zahlungsmittel, in der niederländischen bezahlt man mit dem niederländischen Antillengulden bzw. mit US-Dollars, der inoffiziellen Erstwährung. Auch wenn es keine Grenzmarkierungen geschweige denn -kontrollen gibt, merkt man leicht, in welchem Teil der Insel man sich befindet. Die französische Hälfte erinnert mit ihren schicken Restaurants ein wenig an St. Tropez, die niederländische mit ihren vielen Fastfood-Läden eher an Miami Beach.

Der inoffizielle dritte Teil der Insel heißt Delfina Hotel und gehört als deutsch geführtes Gästehaus zur schwulen Weltrepublik, dort zahlt man mit Euro, Dollar oder Kreditkarte… Doch Spaß beiseite: Das von den beiden Kölnern Boris Strehlke und Michael Hirner (Foto links) vor fast drei Jahren eröffnete und persönlich geführte Delfina Hotel hat der Szene der Insel einen gehörigen Auftrieb gegeben, manche nennen es sogar das Herzstück der Community. In dem im original karibischen Gingerbread-Stil erbauten Gästehaus, dem einzigen schwulen Hotel auf der Insel, kann man leicht Kontakte zu anderen Gästen wie Einheimischen knüpfen, aber auch völlig zurückgezogen seinen Urlaubsträumen frönen.

Dafür, sein Zimmer im Delfina Hotel zu buchen, spricht nicht zuletzt, dass mit dem Cupecoy Beach einer der beiden schwulen Strände gleich vor der Haustür liegt. Die Badehose kann man getrost zu Hause lassen, hier ist Nacktbaden nicht nur möglich, sondern sogar ausdrücklich erwünscht. Die schwulen Badegäste wollen schließlich sehen, was die anderen so "zu bieten" haben. Werden die Erwartungen erfüllt, stehen am Cupecoy Beach zwei kleine, romantische Liebeshöhlen zur Verfügung, in die man sich geschützt zurückziehen kann. Tagsüber trifft man hier vornehmlich auf Touristen, abends und am Wochenende gesellen sich auch Einheimische dazu – neben einer kleinen Gruppe von offen schwul lebenden "Locals" sind dies vor allem verheiratete, "bisexuelle" Männer , die sich eine kleine Abwechslung gönnen wollen.

Auch am zweiten schwulen Strand von St. Martin, dem Baie Rouge, wird fleißig gecruist. Hier gibt es mehr Sand als am Cupecoy Beach und das Wasser fällt flacher ab. Insgesamt hat man auf der Karibik-Insel zwischen 36 traumhaften Stränden die Auswahl, die alle ihren eigenen Charakter besitzen. So findet man Kliff-Beaches ebenso wie den Halli-Galli-Strand à la Ibiza. Doch selbst in der Hauptsaison von Dezember bis März ist auf St. Martin für jeden, der möchte, ein absolut ruhiger und einsamer Strand garantiert.

St. Martin ist zwar recht klein, dennoch empfiehlt sich ein Mietwagen, um wirklich alle Ecken der Insel erkunden zu können. Etwa den Pic du Paradis, den mit 424 Metern höchsten Berg, von dem man eine wunderbare Aussicht hat. In Marigot, der Hauptstadt des französischen Teils, und in Grand Case locken die besten der insgesamt rund 370 Restaurants, den Shoppingbummel unternimmt man dagegen besser in der Hauptstadt der niederländischen Seite, Philipsburg, wo auch die großen Kreuzfahrtschiffe anlegen. Die gesamte Insel ist Freihandelszone, es gibt keinen Zoll und keine Steuerpflicht, so dass viele Luxusartikel erheblich preisgünstiger zu haben sind als in Deutschland.

Recht schnell macht man auf St. Martin Bekanntschaft mit dem Carib Beer (Foto rechts), das auf beiden Inselhälften gleichermaßen gern und viel getrunken wird. Obwohl es beim ersten Schluck wie Limonade schmeckt, was nicht am traditionellen Limonenschnitz im Flaschenhals liegt, wird man bei der Hitze – die Mindesttemperatur beträgt das ganze Jahr über 25 Grad – schnell süchtig nach dem erfrischenden Getränk. Auch im "Cohibar" in Marigot wird das Carib Beer am meisten geordert. Jeden Freitagaabend öffnet die Disco ihre Tanzfläche den Schwulen, bis in die frühen Morgenstunden wird hier getanzt - und manchmal gibt's eine gar nicht so schlechte Drag-Show. Wer zu schüchtern war, seinen Traumprinz im "Cohibar" anzusprechen, bekommt dazu am Wochenende am Cupecoy Beach garantiert eine zweite Gelegenheit.

Für einen Kurztrip ist St. Martin zu schade. Man sollte genügend Zeit mitbringen und mindestens zwei Wochen auf der abwechslungsreichen Insel verweilen. Langeweile kommt garantiert nicht auf. Und wen es doch einmal die Ferne zieht, kann von hier aus zahlreiche Tagesausflüge per Boot oder Flugzeug auf eine der Nachbarinseln Saba., St. Eustatius, St. Barth oder Anguilla unternehmen.

Obwohl die Karibik insgesamt kein preisgünstiges Urlaubsziel ist, muss man auf St. Martin keine höheren Preise erwarten als etwa in Florida. Von Deutschland aus bestehen günstige Flugverbindungen nach St. Martin mit Air France via Paris und mit KLM oder dem Billigflieger Air Holland über Amsterdam. Ein Grund mehr, den nächsten Urlaub mal auf der kleinen Karibik-Insel zu verbringen und sie aus ihrem unberechtigten Schattendasein zu befreien. Zumal man auf St. Martin wirklich allemal mehr erleben kann als beim Skifahren in Österreich…



#1 UweAnonym
  • 14.03.2004, 09:01h
  • Die Insel und ads Hotel sind wirklich superschön - aber schwulste Insel der Karibik ist wohl masslos übertrieben.....
    Wer wirklichauch mehr Nightlife (und Tolleranz in der Bevölkerung) erwarten, für den ist Puerto Rico ein absolutes Muss...
    Flüge gibts mit AA oder Iberia ab 550,-
    (Air Holland ist übrigens mal wieder Pleite...)
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#2 Bodo MuthAnonym
  • 02.02.2008, 02:57h
  • Die Insel ist das absolute Gegenteil von schwulenfreundlich! Wenn jemand in der Öffentlichkeit seine Neigung zeigt kann es leicht sein das man ihm den Schädel einschlägt oder ihn angreift mit einer Stichwaffe.
    Wer so tut als wäre alles OK auf der Insel und auch noch für einen schulen Urlaub wirbst der versucht offensichtlich seine Hotelzimmer zu vermieten.
    Es geht nur um die Kohle und die Wahrheit soll niemand wissen!
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#3 Juergen SchenkelAnonym
  • 24.03.2008, 18:37h
  • Vielleicht sollte man hier statt der Weichspül-Werbung auch mal die Realität anführen; alles andere ist grob fahrlässig: Die Karibik (und nicht nur Jamaika) ist voller Hass gegen Gays: 2006 wurden zwei US-Schwule auf St.Maarten niedergeschlagen. Die Tatsachenberichte sowie darauffolgenden Nachrichten bzw. Comments (besonders die der Inselzeitung "Today") sollte man vor einem Besuch der Insel auf jeden Fall lesen:
    towleroad.typepad.com/towleroad/2006/04/brutal_gay_bash.html
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#4 JürgenAnonym