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Mein erstes Stopover in Tokio: 14 Stunden sind für Japans Hauptstadt viel zu wenig.

Von Micha Schulze

Ich habe die Verbindung bewusst herausgesucht: 14 Sunden Aufenthalt in Tokio verspricht mein Flug von Bangkok nach San Francisco – ideal, zum ersten Mal in die japanische Hauptstadt hineinzuschnuppern. Zuerst zum Tsukiji-Fischmarkt, dann mit der Yamanote-S-Bahn im Kreis ums Stadtzentrum fahren, lecker Ramen essen, den Meiji-Schrein besichtigen, Relaxen in der Gay-Sauna, Shopping in Shinjuku und vor dem Boarding noch ein Asahi Beer in einer Szenebar – so stelle ich mir mein Stopover in der 12-Millionen-Metropole vor.

Dass ich die eine oder andere Station streichen muss, ist mir nach Ankunft am riesigen Narita Airport klar. Dort heißt es vor allem Warten: 55 Minuten an der Passkontrolle, 15 Minuten beim Zollbeamten mit den weißen Handschuhen, 25 Minuten am Flughafenbahnhof. Niemand hat mich vorgewarnt, dass der Zug anderthalb Stunden bis zur Tokyo Station braucht – und dass es so gut wie aussichtslos ist, einen Sitzplatz zu bekommen. Ich hätte trotzdem nicht für 20.000 Yen (etwa 120 Euro) ein Taxi genommen…

An der Tokyo Station entscheide ich, den Programmpunkt "Ramen essen" vorzuziehen. Es gibt etliche Restaurants, doch welches serviert die traditionelle Nudelsuppe? Alle sind nur in Japanisch beschriftet. Ich betrete schließlich ein Lokal mit einem Automaten, der vergilbte Fotos von Speisen zeigt, die alle gleich aussehen. Ich tippe auf ein Bild und lächle die Bedienung an, doch die macht nur eine einladende Handbewegung. Zehn Minuten später eilt eine Kollegin zu Hilfe: Ich werfe Münzen in den Automaten, der einen Bon ausspuckt, den die Kellnerin wegnimmt. 30 Minuten später serviert sie ein Schnitzel mit brauner Soße, das entfernt an das Foto erinnert.

Mit der U-Bahn fahre ich zur Station Irija. Hier in der Nähe soll die größte schwule Sauna Tokios sein. Die Beschreibung der "24 Kaikan Ueno" aus einem berühmten "International Gay Guide" erweist sich mal wieder als wenig hilfreich: "around corner past 7-11". In der direkten Umgebung der Station sind fünf 7-11-Shops…

Vorsorglich hatte ich mir die Sauna-Adresse "1-8-7 Kita-Ueno, taito-ku" notiert. Doch alle Passanten, denen ich meinen Zettel zeige, schütteln nur den Kopf – sie können kein Englisch lesen. Zwei Stunden lang umrunde ich sämtliche 7-11 des Viertels, verfolge heimlich alle schwul aussehenden Männer, bis ich dann durch puren Zufall den Saunaeingang finde.

Nur mit einem Handtuch bekleidet, gelange ich per Fahrstuhl von der Umkleidekabine zu den anderen, insgesamt elf Etagen der rund um die Uhr geöffneten Sauna. Die einheimischen Gäste ignorieren den einzigen europäischen Besucher, aber ich habe eh keine Zeit für ein Abenteuer. Kurz schwitzen, duschen, Wäsche wechseln – dann muss ich schon zurück zum Flughafen.

5 Minuten vor Abflug bin ich am Gate und bekomme überraschend ein Upgrade in die Business Class. Bei meinem nächsten Tokio-Trip plane ich besser mehr Zeit ein, denke ich und mache es mir auf dem breiten Sessel bequem.

6. Juli 2007



#1 madridEUAnonym
  • 09.07.2007, 15:37h
  • Auch nach einer Woche Tokyo sind wir nicht in der Lage gewesen, eine schwule Bar oder Sauna zu finden. Japaner empfanden wir, jedenfalls subjektiv aufgrund fehlender Kenntnis ihrer Mentalität, als äusserst kühl und desinteressiert an uns, was wir als mediterrane Anrainer überhaupt nicht gewohnt sind. Wir haben uns dann ausschliesslich auf das schöne und harmonische Kyoto mit Tempeln und Palästen, Yokohama und Nikko in den Bergen beschränkt, da uns Tokyo total überforderte.
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#2 fabianAnonym
  • 09.07.2007, 20:48h
  • kommen sie aus butzbach, zwiesel oder einer noch tieferen provinz micha schulze? oder wie kann ein erwachsener mensch auf die idee kommen, in 14 std. minus an- und abfahrt zum airport, eine quasi-besichtigungstour durch eine 8 1/2 mio. metropole (tokio komplett hat über 35 mio. einwohner!!!) machen zu wollen, noch dazu ohne sich vorher detailliert zu informieren, geschweige den ein wort japanisch. gucken sie sich auch new york (ab/bis kennedy-airport) inklusive darkroom, puffbesuch und musical in 14 stunden an???
    und schreiben dann so einen quark?
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#3 kanzlerin der inhaftiertenAnonym
#4 TomAnonym
  • 11.07.2007, 09:17h
  • Der Autor wurde in Berlin geboren. Da hätte ich schon gedacht, dass er weniger naiv ist.
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#5 pete20Anonym
  • 11.07.2007, 09:46h
  • WOW
    Hätte nicht gedacht, dass selbstironie bei einigen so übel aufstosst.

    Ich finde: Naivität und kleine Fehler sind nicht nur menschlich sondern manchmal auch attraktive Eigenschaften.
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#6 dantonblnAnonym
  • 11.07.2007, 23:48h
  • Ja, wer eine Reise tut, der kann was erzählen. Und Schulze tut das, was er immer tut: er lässt uns an seinen Recherchen teilhaben, die er bevozugt in Saunen und Darkrooms unternimmt. Nur diesmal hats leider nicht geklappt. Und in Japan ist ne Reisschale runtergefallen. Ein echtes Stück Qualitätsjournalismus a la Micha Schulze.
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#7 stefanoAnonym
  • 12.07.2007, 15:37h
  • madrideu: kühl und desinteressiert? ich glaube, das nennt man eher distanzierte höflichkeit. vielleicht halten euch japaner ja für aufdringlich und unverschämt - denk mal drüber nach! ;-)
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#8 madridEUAnonym
  • 12.07.2007, 17:46h
  • @stefano: Schon möglich, dass Japaner distanzierte Höflichkeit pflegen, was wir in 10 Tagen wohl fälschlich als Desinteresse oder Arroganz gedeutet haben, da wir ein sehr lautes, körperkontakt- und kussfreudiges Umfeld gewohnt sind, was sie pittoresk finden, wenn sie in Spanien oder Italien auf Urlaub sind. Bleibt zu hoffen, dass unsere Kontaktversuche und gezeigte Freundlichkeit bei den meisten Japanern während unseres Besuches dort nicht als aufdringlich empfunden wurden.
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