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Am Samstag bekam der Entertainer in Köln die schwule Kompassnadel verliehen. Queer.de traf ihn zum Interview.

Von Christian Scheuß

Thomas, du bekommst am 7. Juli in Köln die Kompassnadel vom Schwulen Netzwerk NRW verliehen. Ich hoffe, du gehst vorher in die Muckibude, dieser Preis ist verdammt schwer. Rita Süßmuth hat sich seinerzeit beinahe einen Bruch gehoben…

Och, ich glaub, das schaff ich schon. Oder ich suche mir jemanden, der genug Muskeln hat, der sie für mich tragen kann.

Wie hast Du auf die Nachricht reagiert, dass du diesen Preis bekommen sollst? War das eher so ein "Warum ausgerechnet ich" oder eher ein "Schön, dass es gewürdigt wird"?

Ich fand schön, dass es gewürdigt wird. Als Entertainer bin ich es nicht gewohnt, dass Leute merken, was man nebenher noch so alles macht. Ich hatte nicht mit diesem Preis gerechnet, da die Reihe der Preisträger der Vorjahre eher aus der Politik kam. Und deshalb freue ich mich jetzt besonders, denn die Mischung macht’s.

Die Ehrung wird dir zuteil, weil du bei der Verleihung der Goldenen Kamera an dich im Jahr 2006 Jugendliche zum Coming-out aufgerufen hast. War das spontan oder geplant?

Ich bin ja auch so ein Preisverleihungsjunkie, der bei vielen Awards mit dabei ist. Ich wollte nicht nur das Abspulen an Lob und Dank, was alle sagen. Deshalb hatte ich mir das schon vorher genau überlegt. Ich wollte den Moment nutzen. Ich fand, es passte gut an diesem Abend.

Wieso ist dir das Thema Coming-out so wichtig? Hattest du selber Stress damit?

Nein, im Gegenteil, bei mir verlief es super. Wenn man eine gute Coming-out-Erfahrung gemacht hat, dann wünscht man die auch jedem anderen. Am Abend der Verleihung der Goldenen Kamera saßen meine Eltern mit im Publikum und mein Freund. Ich konnte der Medienöffentlichkeit zeigen, dass meine Familie bei mir ist und deswegen passte es einfach auch so gut, anderen ein ebensolches Glück zu wünschen. Stell dir vor, es sitzt so ein 16-Jähriger mit seinen Eltern vor dem Fernseher und bekommt darüber den Kick, sich zu offenbaren.

Hast du von solchen Coming-outs nach der Sendung etwas mitbekommen?

Nein, leider hat mir niemand einen Brief geschrieben und mir so eine Geschichte erzählt. Die Reaktionen waren eher allgemein. Aber sie waren überwiegend positiv. Regisseur Dieter Wedel kam noch nach der Verleihung extra deswegen auf mich zu und Thomas Gottschalk auch.

Wenn man schaut, wer im Medienbusiness offen schwul ist, trifft man sehr oft auf Leute aus der Comedy-Ecke oder der leichten Unterhaltung. Dirk Bach, Georg Uecker, Ralf Morgenstern... Kann man im TV sich nur als Komiker öffnen und trotzdem Karriere machen?

Na ja, offen schwule Politiker haben wir ja inzwischen auch schon mehr als jedes andere Land der Welt. Ich finde, das geht inzwischen quer durch die Bank. Die Entertainer sind es oft zuerst. Das liegt aber wohl daran, dass die Figur eines guten Unterhalters sehr authentisch wirken muss. Das war bei mir auch so. Für mich war es einfach Quatsch zu denken, diesen persönlichen Aspekt meines Lebens lasse ich einfach weg, würde aber ansonsten so tun, als ob mich die Leute richtig kennenlernen könnten. Ich arbeite immer daran, die Nähe zu meinem Publikum zu bekommen – und das funktioniert nicht, wenn ich da etwas Wesentliches ausblende. Im Bereich Entertainment ist es immer leichter gewesen als in der Politik, in der Wirtschaft oder im Sport.

Über versteckt lebende Schwule im Profisport ist in den vergangenen Monaten viel geredet worden. Warum ist es da so schwierig, aus dem Schrank zu kommen?

Das sind die letzten klassischen Männerbünde, aber ich warte eigentlich stündlich darauf, dass sich jemand outet. Das wird nicht unbedingt der Fußball sein, vielleicht eher Ping-Pong oder Synchronschwimmen. Es liegt da was in der Luft.

Du hast jetzt spontan keine Lust, einen Sportler zu outen, um die Diskussion mal voran zu bringen?

Nein, outen würde ich keinen, das sollen die Leute selber tun.

Du lebst offen schwul, schützt dich deine Prominenz oder bekommst auch du Homophobie zu spüren?

Ja, die Prominenz schützt, ich bekomme sie aber auch zu spüren. Insgesamt habe ich aber relativ viel Glück gehabt. Es kommt ja immer darauf an, wo man sich aufhält. Wenn du vor dir einen Block schlechtgelaunter 16-Jähriger in Berlin-Neukölln hast - so Sido-Fans - dann ist es nicht so lustig, an denen vorbei zu gehen. Manchmal wundert man sich aber auch über positive Reaktionen. Zum Beispiel, als ich einmal allein im Zugabteil saß und plötzlich kommt ein Trupp Soldaten aus Rostock dazu. Und man sorgt sich zunächst, wie die wohl drauf sind. Aber dann war ich halt der Schwule aus dem Fernsehen und es war ein fröhlicher Anlass, sich mit mir zu unterhalten. Auch bei den CSDs in Rostock und Erfurt, wo ich mitgemacht habe, war wenig, was wirklich gefährlich war. Das ist natürlich ganz anders in Warschau, wo ich die letzten Jahre mit hingefahren bin. Dort ist das Gefühl der Bedrohung wesentlich konkreter, weil man dem Feind direkt in die Augen schaut.

Solidarität für den Gay Pride in Warschau zeigt das Berliner Bündnis "Warschauer Pakt". Warum bist du mit dabei?

Ich war in den vergangenen Jahren eigentlich nur noch auf den kleineren CSDs in Deutschland dabei, wo ich das Gefühl hatte, das dort die politische Message noch im Vordergrund steht. Von daher war naheliegend, dass es als Nächstes ins Ausland geht. Wir können zwar in Berlin oder Köln wunderbare Partys feiern zum CSD, und das ist auch schön so, aber fahre mal 500 Kilometer weiter Richtung Osten, da sieht das ganz anders aus. Deshalb haben wir den "Warschauer Pakt" gegründet. Letztes Jahr waren wir beim CSD in Warschau noch komplett abgeschirmt von der Polizei. In diesem Jahr war der Schutzwall etwas durchlässiger und wir konnten an die normalen Passanten herankommen. Wir haben Regenbogenflaggen verschenkt und Blumen. Die Gegendemonstranten dagegen wurden eingekesselt. Vielleicht hat es im nächsten Jahr bereits eine gute Normalität.

Dann wäre dein nächstes Ziel Moskau…

Ich denke nicht, Moskau ist natürlich ein Alptraum. Das wird noch sehr lange dauern, bis man da weiterkommt. Aber ich finde es wichtig, dass Volker Beck dort hin fährt, sich solidarisch zeigt und den Finger auf die Wunde legt. Wir werden nächstes Jahr noch mal nach Warschau fahren und vielleicht schauen wir danach mal in Richtung Estland, Lettland. Da ist auch noch Einiges im Argen.

Du bist jetzt seit 15 Jahren mit ein und demselben Mann zusammen. Wie hältst du es mit eurem Privatleben? Es gab noch keine Homestory in der Bild-Zeitung.

Mein Mann ist nicht in den Medien, also muss er sich auch nicht fotografieren lassen. Wir machen keine Homestorys, auch wenn inzwischen alle Blätter schon mal deswegen angefragt haben. Wenn er Lust hat, ist er bei öffentlichen Auftritten mit dabei. Die üblichen Bilder auf dem Roten Teppich gibt es von uns ja. Wenn er nicht mit will, halte ich ihn da raus. Es ist ja schließlich mein Job und nicht seiner.

Wird dein Mann zur Verleihung der Kompassnadel in Köln mit dabei sein?

Da wird er mitkommen. Das ist eine sehr emotionale Sache, da will ich ihn auch mit dabei haben.

Du hast als Reliquie daheim einen Stiefel von Abba-Girl Frida. Schade, dass das Paar nicht komplett ist, die hättest du dann zur Feier des Tages anziehen können.

Selbst, wenn ich die komplett hätte, wäre das nicht der richtige Anlass, mich zu verkleiden. Das soll schon würdig ablaufen.

5. Juli 2007



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#1 gerdAnonym
  • 05.07.2007, 14:18h
  • Herzlichen Glückwunsch an Thomas Hermanns !

    Diesen Preis hat er verdient und ich wünsche ihm weiterhin viel Erfolg.

    Würde mir im übrigen wünschen, wenn in den kommenden Jahren immer wieder Leute von Berlin nach Warschau fahren; soweit ist es von Berlin aus nicht, das kann man immer wieder schaffen.
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#2 seb1983
  • 05.07.2007, 16:31h
  • Hatte den besagten Auftritt sogar gesehen und war damals überrascht. Aber warum nicht fand es gut.

    Lustig nur dass Herr Herrmanns Angst vor einem Trupp Soldaten hat, das ist für viele Schwule außerhalb ihrer porno DVDs wohl eine unbekannte unheimliche Welt *g*
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#3 MikeyAnonym
#4 KonstantinEhemaliges Profil
  • 06.07.2007, 07:07h
  • Gute Aktion von Ihm. Trotzdem kann ich die olle Hackfresse und seine Busenfreundin Georg nicht leiden. Nicht besonders repräsentativ für Schwule per se.
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#5 MikeyAnonym
#6 ballyhooAnonym
  • 07.07.2007, 09:52h
  • Der Typ ist dermaßen hochnotpeinlich. Ich würde weglaufen, wenn der sich mir nur auf 100 Meter nähern würde.
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#7 Bastian22Anonym
  • 16.11.2007, 10:58h
  • Alle die hier offen Thomas Herrmanns kritisieren sollten mal daran denken was er für die Gay-community getan hat. Ich finde seine karrikierend kritisierende Art und seinen Selbstwitz klasse.
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