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  • 05. Juli 2007, noch kein Kommentar

Am Wochenende ist CSD in Köln. Über die liebenswerten Eigenheiten der Domstadt.

Von Christian Scheuß

Es ist schon merkwürdig: Köln wird oftmals in Konkurrenz wahrgenommen. Zum Beispiel zum "Erzfeind" Düsseldorf, der Nachbarstadt, in der man komisches dunkles Bier trinkt und in der sich die NRW-Landesregierung verschanzt hat. Oder es wird darüber gestritten, welches denn nun die "homosexuellste" Stadt der Republik sei: Köln oder Berlin. Ganz ehrlich: Rivalitätsdenken passt überhaupt nicht zu dieser Stadt und ihren Menschen, die geradezu harmoniesüchtig sind. Und wer als Schwuler in Köln lebt, dem geht die Frage, ob die Stadt am Rhein oder an der Spree lebenswerter sei, am (pardon) Arsch vorbei. "Jeder Jeck is anders", und weil nun mal jeder anders ist, ist man eben tolerant.

Dieser überall in der Stadt spürbare Drang zum alles gleichmachenden synchronisierenden Schunkeln, wo jeder mit jedem kann, macht auch vor der Szene nicht halt. In der Regel können die zahlreichen Verbände, Vereine und Gruppen, die das homopolitische und soziale Leben der Community prägen, gut miteinander. Doch in diesem Jahr wären beinahe alle Beteiligten von der Bierbank geflogen, weil der Schunkeltakt jäh durcheinander geriet. Wollte sich doch beim ColognePride, dem mittlerweile wichtigsten Event der Stadt nach dem Karneval, ausgerechnet ein Bordell mit in die Parade einreihen. Das "Pascha", ein riesiger Puff, der in einem mehrstöckigen Haus sexuelle Dienstleistungen für Heteros, Homos und Transenliebhaber anbietet, sah sich in einem Marsch sexueller Minderheiten gut aufgehoben. Das empfanden vor allem die feministischen Lesben ganz anders. Wochenlang stritt man beim Kölner Lesben- und Schwulentag, dem politischen Träger des CSDs darum, ob ein Bordell Willkommen ist oder nicht. Schließlich musste extra eine Mitgliederversammlung einberufen werden, die entscheiden sollte. Dem Pascha wurde zwar die Teilnahme nicht untersagt, doch der Bordellbetrieb zog sich schmollend zurück.

In Berlin hätte es bei solch ideologischen Fragen sofort eine Abspaltung gegeben und ein Alternativ-CSD wäre aus dem Boden gestampft worden. Hier setzen sich alle mit ein paar Schrammen wieder zurück auf die Bierbank und versuchen erneut in Takt und Stimmung zu geraten.

Als neu hinzu gezogener Immi, oder auch als Tourist, der Anschluss sucht, ist das Harmoniestreben von Vorteil. Denn es ist so ziemlich egal, ob er in die rustikalen Kneipen der Altstadt geht, die eher schicke Szene rund um den Rudolfplatz bevorzugt, oder auf der Suche nach Triebabfuhr in Sauna und Cruisingbar ist. In der Regel findet man jemanden, mit dem ein paar nette Stunden plaudern oder poppen kann.

Aus unerfindlichen Gründen funktioniert das schwule Partyleben in der Domstadt nur, wenn es möglichst keine festen Locations hat. Die Orte der Tanzevents wechseln immer wieder mal, und meist sind es Discotheken, die an anderen Tagen gemischtes oder rein heterosexuelles Publikum beherbergen. Einen festen Homotanztempel gibt es schon länger nicht mehr. Das macht aber nichts, denn dadurch sind die Partyveranstalter gezwungen, sich immer wieder etwas Neues einfallen zu lassen, damit ihr Publikum auch mit an den neuen Ort zieht.

Mein Tipp für einen hoffentlich doch noch heißen Sommer: Die W.E.T.-Partys am 28.7. und 11.08. in der Essigfabrik. Schaumpartys passen ganz vortrefflich zu Köln. Denn der dicke weiße Schaumteppich deckt alles zu, macht alle gleich und fördert den harmonischen Körperkontakt. Wer noch etwas Berührungsängste hat, der kann es zunächst mit ein paar Kölsch versuchen, dann klappt es schon mit dem Schunkel-Feeling …

5. Juli 2007