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Das Coming-out der CDU-Ministerin wird mit Wohlwollen aufgenommen - Kritik gibt es nur hinter vorgehaltener Hand.

Von Dennis Klein

Wohl nicht ohne Hintergedanken nahm Hessens Kultusministerin Karin Wolff ihre Freundin zum Sommerfest der "Bild"-Zeitung mit. Sie wollte, dass die sechsmonatige Beziehung mit ihrer Lebensgefährtin publik wird. Und das auflagenstärkste Blatt der Republik bedankte sich mit einer wohlwollenden Titelgeschichte: "Ich liebe eine Frau", schrieb das Springer-Organ für seine Verhältnisse recht zurückhaltend in großen Lettern und lobt den Mut der 48-Jährigen.

Was bei anderen Parteien wohl nur ein müdes Gähnen auslösen würde, ist für die Union nach wie vor heikel. So musste der (heterosexuelle) Sozialminister des benachbarten Baden-Württemberg erst im vergangenen Jahr gehen, weil die bloße Unterstützung des Stuttgarter CSD vielen Konservativen zu weit ging. Und Homo-Gerüchte dienen dort auch der Denunziation: Als sich die (ledige) Annette Schavan nach der Abdankung Erwin Teufels als Ministerpräsidentin empfahl, machten plötzlich Geschichten die Runde, die damalige baden-württembergische Kultusministerin sei lesbisch. Zwar ist die hessische CDU nicht ganz so traditionell eingestellt wie die Parteifreunde im Süden - aber auch hier gibt es Abgeordnete wie den Hans-Jürgen Irmer, der Schwulen schon mal rät, sich mit Hilfe einer Behandlung umpolen zu lassen. Und auch der inzwischen in Ungnade gefallen Fuldaer CDU-Politiker Martin Hohmann hat im Bundestag jahrelang gegen Schwule und Lesben gehetzt, ohne dass die Partei ihn zur Rede stellte.

Daher sind auch so manche Konservative etwas verschnupft, dass Wolff ein gutes halbes Jahr vor den Landtagswahlen die traditionell orientierte Wählerschaft so verwirrt. Denn bislang profilierte sich die Kultusministerin als stramme Konservative und überzeugte Christin. Damit brachte sie es in den CDU-Bundesvorstand und ist als stellvertretende Ministerpräsidentin die mächtigste Frau in Hessen.

"Wolff ist nicht Wowereit"

Von allen Seiten erhält die Ministerin Lob für ihr Coming-out. Der Lesben- und Schwulenverband lobt sie als "mutig". Zeituungskommentatoren jedweder Couleur schließen sich dem an. So stellt die konservative "FAZ" gleich die Vorzüge der Unionslesbe gegenüber dem Sozi-Schwulen hervor: "Wolff ist nicht Wowereit: Sie liebt eine Frau - und damit basta", kommentierte das Blatt. Die Union schätzt es, wenn sich ihre geouteten Politiker in der Öffentlichkeit möglichst nicht zu homosexuell geben - so redet auch Ole von Beust nicht über sein Privatleben und wird dafür geliebt. Edmund Stoiber wird dagegen dafür geliebt, dass er ständig Trivial-Anekdoten über die Ehe mit seiner Karin zum Besten gibt.

Ministerin Wolff selbst besteht darauf, dass sie mit ihrem Coming-out "kein Tamtam" machen wolle. Und hatte erst heute wieder einen großen Tag im Landtag, in der ihre Schulpolitik von der eigenen Partei ausdrücklich gelobt wurde. Die Opposition wettert dagegen vor allem gegen den Vorschlag Wolffs, die christliche Schöpfungslehre auch im Biologieunterricht zu diskutieren.

Die Aufregung um den vorgeschlagenen "fächerübergreifenden Unterricht" in Glaubensfragen steht nun für kurze Zeit etwas hinter dem Coming-out zurück. Womöglich steckte aber hinter der neuen Offenheit gar kein politisches Kalkül. Denn vielleicht wollte sie im jetzt beginnenden Wahlkampf einfach nicht mehr die Frage hören, wann sie endlich den Mann fürs Leben findet; oder wer denn die komische Frau ist, die ständig an ihrer Seite weilt.



48 Kommentare

#1 svenAnonym
  • 05.07.2007, 17:48h
  • Ui, da ist mal wieder jemand in der CDU aufgetaucht, der auf unserer Seite stehen könnte. Wählbarer wird für mich diese Partei damit aber noch lange nicht, insbvesondere, da diese besondere Person die Schöpfungslehre im Biounterricht will. Die gehört in den Religionsunterricht. Und wenn in den Biounterricht, dann wenigstens parallel zum Fliegneden Spagettimonster (
    www.venganza.info/
    ), was in einigen Bereichen doch logischer klingt...
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#2 ralfAnonym
  • 05.07.2007, 19:30h
  • erstaunlich was liebe so alles bewirkt. da argumentiert nun die gute jahrzehntelang die göttliche schöpfungslehre und selber bricht sie mit ihrer eigenen meinung. so etwas nennt man verlogen. die frau sollte zurücktreten, ihr leben leben und nie wieder politisch aktiv werden. ralf
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#3 Krzyszek
  • 05.07.2007, 19:41h
  • Meiner unmaßgeblichen Ansicht nach wäre es auch für diese Diskussion hilfreich, wenn man sich vorher erstmal die notwendige Sachkenntnis verschaftt.

    Äußerungen wie "Die will (ausschließlich) die Schöpfungsgeschichte im Biologieunterricht" gehen doch an der Sache vorbei, weil sie schlicht und einfach nicht stimmen - aber Emotionen freisetzen.
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#4 JustusAnonym
  • 05.07.2007, 21:21h
  • Ich bin überzeugt, es gibt eine Menge Menschen, welche die biblische Schöpfungsgeschichte nicht kennen.
    Sie muss diskutiert werden, da sie selbst Teil der menschlichen Evolution ist, ja ihr Urgeheimnis in sich birgt.
    Die biblische Schöpfungsgeschichte ist fundamentale Glaubensgrundlage von Juden, Christen und Muslime.
    Es muss eine gegenseitige respektvolle Diskussion sein, getragen vom evolutionärem Geist und der Achtung vor dem göttlichen Schöpfer.
    Das denke ich, ist die Intention von Karin Wolff.
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#5 tuxAnonym
  • 05.07.2007, 22:21h
  • @Justus: Das dies Grundlage verschiedener Religionen ist, kann man diskutieren. Trotzdem hat sie nichts im Biologieunterricht zu suchen.
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#6 antosAnonym
  • 05.07.2007, 22:45h
  • Justus, Geheimniskrämer:

    "Sie muss diskutiert werden, da sie selbst Teil der menschlichen Evolution ist, ja ihr Urgeheimnis in sich birgt."

    Hat dir das Gott selbst gesagt? Und, wenn Du schon dabei bist, könntest Du das Urgeheimnis mal ein wenig genauer umreißen, ja, vielleicht sogar gleich ganz verraten? Hier, in trauter Runde?
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#7 hwAnonym
#8 SaschaAnonym
  • 06.07.2007, 02:00h
  • Tja, eine FAZ-konforme Anpassungs-Lesbe ist wohl das Letzte, was die Gay Community in ihrem Bemühen um mehr offene, selbstbewusste Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit braucht.

    Was erlaubt sich dieses reaktionäre Blatt eigentlich, den wohl einzigen deutschen Politiker, der sich als Homosexueller mit seiner sexuellen Identität in der Öffentlichkeit so verhält, wie alle Heterosexuellen es auch ganz selbstverständlich tun, auf derart billige Manier zu verunglimpfen???

    Und wie es oben schon jemand formulierte: Der nächste und einzig konsequente Schritt von Frau Wolff müsste nun sein, von all ihren Ämtern zurück- und aus ihrer Partei auszutreten, denn alles andere ist eine Schlag ins Gesicht aller homosexuellen Menschen in diesem Lande.
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#9 MarkusAnonym
  • 06.07.2007, 13:38h
  • Das mit dem Austreten sehe ich anders. Jeder hat das Recht auf seine Meinung, und er soll sie auch sagen dürfen. Dass der biblische Schöpfungsmythos allerdings als "Fakt" im Biologieunterricht ernsthaft diskutiert werden sollte, ist in einem solchen Maße lächerlich, dass man darüber eigentlich kein Wort verlieren sollte. Schöpfungsmythen und -märchen gehören in den Deutsch-, den Ethik- und in den Religionsunterricht. Jetzt hat also auch die Union ihre Quotenlesbe, okay. Aber wer hat denn behauptet, dass es nicht auch unter Schwulen und Lesben unwählbare, Stumpsinn schwafelnde Matschbirnen gibt?
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#10 ThorstenAnonym
  • 06.07.2007, 14:30h
  • Nach der Landtagswahl ist die Frau doch eh Geschichte: Andrea Ypsilanti wird den pausbäckigen Lügenbaron mitsamt seinem tiefschwarzbraunen Rechtsaußen-Kabinett in den Ruhestand schicken! Und dann haben wir - nach Bremen - schon die zweite rotgrüne Landesregierung.
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