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In Istanbul ist wieder eine schwul-lesbische Gruppe vor Gericht, weil Homosexualität laut Staatsanwaltschaft "unmoralisch" ist.

Von Dennis Klein

Die türkische Homo-Gruppe Lambda schrieb in ihrer Satzung, sie wolle sich für "Schwule, Lesben und Transsexuelle" einsetzen. Das alleine reichte der Staatsanwaltschaft aus, die Gruppe und ihre Mitglieder anzuklagen. Begründung: Nach türkischem Recht dürften keine Vereine gegründet werden, die sich "gegen Gesetz oder Moral" des Landes stellten. Zwar gibt es in der Türkei keine ausdrücklichen Gesetze gegen Homosexualität – allerdings hat die Staatsanwaltschaft den schwammigen Begriff "Moral" für sich entdeckt. Der 1993 in der Bosporos-Metropole gegründete Verein verletze diese – und gehöre deshalb verboten. Sollten die Richter dieser Argumentation folgen, erhielten die führenden Aktivisten der Gruppe zudem eine happige Geldstrafe. Gerichtstermin ist der 19. Juli.

Es ist nicht das erste Mal, dass eifrige Behörden dem schwul-lesbischen Treiben in dem nach westeuropäischen Maßstäben konservativen Land Einhalt gebieten wollen. 2005 schickte sich der Gouverneur der Hauptstadt Ankara an, die Homo-Gruppe Kaos GL zu verbieten. Der Verwaltungsrichter sah das aber anders – und bescherte damit der jungen türkischen Community ihren ersten Sieg (queer.de berichtete). Allerdings häuften sich danach die Attacken des Staates: So wurde Ende 2006 der Chefredakteur des einzigen Homo-Magazins wegen angeblicher Verbreitung von Pornografie angeklagt (queer.de berichtete). Zudem häufen sich die Berichte über Polizei-Schikanen in Homo-Bars. So sollen erst im Juni Besucher von schwulen Kneipen in Istanbul von Beamten schikaniert, geschlagen und mit Pfefferspray bedroht worden sein.

Auch die EU-Vorgaben in Bezug auf Homorechte erfüllt das Land noch bei weitem nicht. So gibt es beispielsweise keinen Diskriminierungsschutz für Schwule und Lesben. Zwar wurde 2004 ein erster Anlauf im Parlament gemacht – der aber kläglich scheiterte. Dennoch richten die Homo-Aktivisten alle ihre Hoffnugen auf Europa: "Das Verlangen, in der EU Mitglied zu sein, bringt die Politiker dazu, ihre Einstellungen nach außen hin zu ändern", so ein Aktivist, der ungenannt bleiben möchte. "Schade ist nur, dass die Leute nicht aus eigenem Antrieb ihre Vorurteile über Bord werfen."

13. Juli 2007



55 Kommentare

#1 FloAnonym
  • 13.07.2007, 16:50h
  • Das zeigt wieder mal, dass die Türkei noch meilenweit von einer Aufnahme in die EU entfernt ist!

    Jeder, der jetzt die EU-Aufnahme befürwortet, ist entweder nicht sehr schlau oder interessiert sich kein bisschen für Menschenrechte. Wenn ein Land, dass diese Praxis ausübt nicht gesagt bekommt, dass es so keine Aufnahmegespräche gibt, wird diese Praxis nicht nur toleriert, sondern sogar gefärdert...

    Wohin das führt, sehen wir ja bei der EU-Aufnahme Polens...
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#2 MikeyAnonym
  • 13.07.2007, 16:56h
  • Und sowas will in die EU....völlig lächerlich!

    die Türkei passt nicht zu Europa. Weder geografisch noch
    kulturell!
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#3 redforceAnonym
  • 13.07.2007, 17:16h
  • Wie es scheint, passt sich die Türkei als zukünftiges EU-Mitglied langsam den europäischen (z.B. den polnischen, estnischen, ...) Werten an.
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#4 luke12Anonym
  • 13.07.2007, 17:52h
  • Jawohl meine sehr veehrten Damen und Herren, neben Polen, der Türkei, Bulgarien, Rumänien, Estland, Lettland und all den anderen homophoben Staaten sind wir demnächst wieder da, wo wir einst angefangen haben, am absoluten Nullpunkt, was Toleranz, Akzeptanz und Rechte für Homosexuelle betrifft. Denn die werden alle irgendwann ihre Forderungen stellen und die EU wird unter dem ständig steigenden wirtschaftlichen Druck einknicken wie ein Streichholz und Zugeständnisse machen, wie gerade geschehen. Es lebe die Marktwirtschaft, is doch egal, wer da auf der Strecke bleibt!
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#5 wolfAnonym
  • 13.07.2007, 17:55h
  • na immerhin haben wir in der brd der türkei eines voraus : die gleichbehandlung, menschenwürde und staatlich geschützte toleranz, brüll !!!
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#6 SolicitorAnonym
  • 13.07.2007, 18:03h
  • ruhig blut, wir werden sehen, wie das gericht die sache sieht.
    ich denke spätestens am verfassungsgericht wird das
    verfahren scheitern.
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#7 OlafAnonym
  • 13.07.2007, 18:07h
  • Für die Schwulen in der Türkei wäre ein EU-Beitritt sicherlich segensreich. Für die EU selbst wäre es aber sicherlich schlecht, ein weiteres Polen zu verkraften.

    Immerhin wurden die Türken nicht viele Jahrzehnte von der kommunistischen Ideologie entmenschlicht und könnten schneller tolerant werden als z.B. die Polen. Wollen wirs hoffen!
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#8 FredAnonym
  • 13.07.2007, 20:10h
  • wolf> du willst doch nicht die situation in deutschland/westeuropa mit der situation in der türkei vergleichen?

    @olaf:
    "Immerhin wurden die Türken nicht viele Jahrzehnte von der kommunistischen Ideologie entmenschlicht und könnten schneller tolerant werden als z.B. die Polen. Wollen wirs hoffen!"

    ich glaube nicht, die türkei war zwar nicht kommunistisch,dafür aber bis heute sehr nationalistisch und islamisch.
    genau das gegenteil einer toleranten gesellschaft.
    ein zeittes polen möchte ich aber auch nicht.
    aber dort liegt viel mehr in argen,frauenrechte,religionsfreiheit, etc etc etc, und die außengrenzen wären dann syrien und irak.
    im übrigen werden die kemalisten leider immer weniger und eine schleichende islamisirung ist dort im vollen gang.
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#9 FloAnonym
  • 13.07.2007, 20:13h
  • @Olaf:

    Polen hat dank Merkels Kompromiss durchgesetzt, dass sie die EU-Grundrechtecharta offiziell missachten dürfen, was Homosexuelle betrifft.

    Wieso sollte also für türkische Schwule ein EU-Beitritt segensreich sein, zumal die Türkei dank ihrer hohen Bevölkerungszahl noch mehr Gewicht hätte als Polen? Was Polen geschafft hat, würde die Türkei erst recht schaffen...

    Das Einzige, was wirklich türkischen Schwulen helfen würde, wäre wenn die EU ganz klar Stellung beziehen würde. Aber von dieser EU erwarte ich gar nichts mehr...
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#10 tuxAnonym
  • 13.07.2007, 20:52h
  • @Olaf: "....Für die Schwulen in der Türkei wäre ein EU-Beitritt sicherlich segensreich. Für die EU selbst wäre es aber sicherlich schlecht, ein weiteres Polen zu verkraften....."

    Hm, nen bischen weit hergeholt, der Vergleich, denn die Türkei ist kein Stück wie Polen. In der Türkei haben dank rigeroser Trennung von Religion und Staat die Religionen nicht einen so starken einfluss wie in Polen.

    @Flo: Hm, dann müsste die BRD sofort aus der EU raus. Allein aufgrund der Menschenrechte.
    Bei letzteren hat sich in der Türkei aber auch schon so einiges zum Positiven hin geändert.
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