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  • 14. Juli 2007, noch kein Kommentar

Ein ungewöhnliches Underground-Drama aus Thailand: "Ahingsa – Stop To Run"

Von Micha Schulze

Die jungen Helden sind hetero, gammeln herum und dröhnen sich zu, die Schwulen sind böse, gewalttätig und dealen mit Drogen. "Ahingsa - Stop to Run" ist einer der überraschendsten und ungewöhnlichsten Thai-Filme, aber auch einer der faszinierendsten. Kreativ und geistreich zeigt das professionelle Underground-Drama von "Leo" Kittikorn Laewsirikun ein Thailand, das nur sehr wenig zu tun hat mit den Traumbildern des Fremdenverkehrsamts und den moralischen Werten, die von der Regierung Thaksin promotet werden.

Ahingsa (Boriwat Yuto) gilt seit seiner Kindheit als "ba ba bo bo" - als verrückt. Als kleiner Junge hat ihm zwar ein Priester das Leben verlängern können, doch nun taucht sein Karma in Person eines sarkastischen Typen mit rot gefärbten Haaren und Nike-Turnschuhen (Theeranai Suwanhom) wieder auf und erinnert ihn ziemlich unsanft daran, dass seine Zeit abgelaufen ist. Ahingsa bleibt nicht der einzige, der von seinem Schicksal verdroschen wird: Auch sein Kumpel Einstein, der sich als Veranstalter von Fullmoon-Partys über Wasser hält, hat plötzlich sein Karma am Hals.

Spannung in die surreal-skurrile Story bringt, dass Ahingsa plötzlich Ereignisse vorhersieht. Seine schlimmste Vision: Sein blondierter, sehr schnuckeliger bester Freund U-Kote (Prinya Ngamwongwarn), mit dem er sich eine Wohnung teilt, wird von drei schwulen Drogendealern vergewaltigt und schlitzt sich anschließend die Pulsadern auf. Als dieses Drama tatsächlich eintritt, gerät Ahingsa nicht nur in das Visier des Polizisten Marut (Kiradej Ketakinta). Er beschließt auch, das lästige Karma ein für alle Mal loszuwerden, um endlich wieder sorgenfrei leben zu können.

Dies scheint umso dringender, da er wieder eine schreckliche Vision hat: Diesmal steht Ahingsas junge Therapeutin Pattaya (Taranya Sattabusya) im Mittelpunkt, die ausgerechnet eine Beziehung mit dem eifersüchtigen Polizisten hat. Die coole Ärztin, die ihrem verrückten Patienten zwar nicht glaubt, sich aber zu ihm hingezogen fühlt, versucht das Rätsel der mysteriösen Geschichte zu lösen - ohne zu ahnen, dass sie selbst ein Teil von ihr ist.

Nach seinem Film "Saving Private Tootsie" über die Abenteuer einer Gruppe von Schwulen und Ladyboys, die mit dem Flugzeug im umkämpften Grenzgebiet zwischen Thailand und Burma abgestürzt ist, ist Regisseur "Leo" Kittikorn Laewsirikun mit "Ahingsa" ein kleines Meisterwerk gelungen - alles andere Mainstream, aber vielschichtig, dramatisch und intelligent.

Zuletzt wurde das Underground-Drama des 1967 geborenen Regisseurs durch seine Aufnahme in das Programm des Bangkok International Filmfestivals 2006 ausgezeichnet.

16. Juli 2007