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  • 18. Juli 2007, noch kein Kommentar

Das Ex-Depeche Mode-Mitglied meldet sich mit seinem Album "subHuman" zurück. queer.de sprach mit ihm.

Von Christian Scheuß

Nach fünfjähriger Aufnahmepause meldet sich der Musiker und Produzent Alan Wilder mit seinem fünften Recoil-Studioalbum zurück. ‚subHuman’ ist ein düsteres wie beeindruckendes Werk, in dem das Ex-Depeche Mode-Mitglied darüber nachdenkt, warum es immer wieder Menschen gibt, die auf andere herabblicken.

Wenn in den USA eine CD veröffentlicht wird mit Songs, in denen "schmutzige" Worte gebraucht werden, gibt es immer einen Warnhinweis auf dem Cover. Hast du an eine Warnung auf deinem Album gedacht: Bitte nicht hören, wenn du eh schon depressiv bist?

Nein, da wird kein Aufkleber drauf sein, aber vielleicht ist es eine gute Idee. Die Warnung sollte dann lauten: Höre dir das Album nicht an, wenn du nicht möchtest, dass du nachdenken musst.

Lass uns mal ein bisschen nachdenken. Du sagst über dein Album "subHuman": Wir haben nichts gelernt aus der Vergangenheit. Es gibt immer jemanden, der denkt, andere seien Untermenschen. Wie enttäuscht bist du von der Menschheit?

Ich bin nicht so enttäuscht, weil es für mich nichts Neues ist. Die Menschen sind so. Das klingt jetzt ein bisschen, als ob ich zynisch wäre. Aber so ist es nicht. Jeder hat seine dunkle Seite, und das finde ich ebenso interessant wie deprimierend. Ich bin eher fasziniert von diesem Verhalten. Es braucht nicht viel, damit jemand in diese dunkle Ecke rutscht. Wir sind alle generell dazu in der Lage, auf andere Menschen herabzublicken, und tun das auch.

Ein Beispiel, wo das passiert hast Du genannt. Du hast Dich über die Homophobie christlicher Fundamentalisten beklagt. Warum haben immer noch so viele Leute Angst vor Sexualität?

Gute Frage, ich weiß es auch nicht so genau. Ich selber bin die Auseinandersetzung leid über ethnische Herkunft, Homophobie, Religion oder unterschiedlicher Ideologien. Da hat jede Gruppe so ihre eigenen Sorgen. Was mich wirklich umtreibt, ist: Obwohl wir die Möglichkeiten der modernen Kommunikation haben, und die Welt durch die Technik ein kleiner Ort geworden ist, wird der Spalt zwischen unterschiedlichen Kulturen und Gruppen immer größer. Ob es Sexualität ist, Politik oder Religion, die Differenzen scheinen zu wachsen. Für mich sind es Belege eines typischen psychologischen Verhaltens der Menschen, ob uns das gefällt oder nicht. Gruppen haben einfach die Tendenz, sich abzugrenzen.

Lass uns nochmal genauer schauen bei den Abgrenzungen in der Sexualität. Heterosexuelle Männer grenzen sich gegenüber Homosexualität ab. Meine Theorie ist: Eine Auflösung dieser Abwehr wäre sehr hilfreich für ein friedlicheres Leben. Oder einfach gesagt: Männer, die miteinander ficken, töten sich nicht.

Ja, eine gute Theorie. Aber das ist natürlich etwas naiv, zu denken: Warum sehen wir alle die Dinge nicht ein wenig lockerer und lassen jeden sein eigenes Leben führen? Das ist eine einfache Botschaft, aber so einfach ist es nicht. Aus meiner westlichen Sicht als Mensch aus der Mittelklasse ist es zum Beispiel unverständlich, dass jemand sein Leben aus religiösen Gründen zu opfern bereit ist. Meiner Ansicht nach ist es eine Verschwendung des eigenen Daseins, wenn man bestimmte Ziele so ernst nimmt, dass man nicht mehr in der Lage ist, sein Leben zu genießen.

Es sind (fast) immer Männer, die Kriege beginnen oder sich selber in die Luft sprengen. Vielleicht sollte man dort ansetzen, um Unmenschlichkeit zu verhindern?

Oh ja, das stimmt. Vielleicht sollten wir Frauen die Welt regieren lassen. Oder Schwule. Ich sehe aber keine Chancen, dass die Männer sich derart verändern können.

Du selber versuchst, niemanden schlecht zu behandeln und ein friedliches Leben zu führen. Wie machst Du es?

Ich versuche einfach, mein Leben zu genießen, und ich folge keiner bestimmten Ideologie oder Religion. Ich lebe für den Moment, und freue mich über meine Familie und meine Existenz. Das mag egoistisch sein, aber so komme ich klar. Das schützt ein wenig vor all den Dingen, die um dich herum passieren. Seit meinem letzten Album sind fünf Jahre vergangen, und in dieser Zeit ist so viel passiert. Der 11. September, Irak, Afghanistan, Palästina, die Bomben in Madrid und London, die Liste geht immer weiter. Es wäre sehr deprimierend, wenn man nur daran denken würde.

18. Juli 2007