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Berlin (queer.de) - Der grüne Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour hat den Auftritt des Rap-Sängers Bushido bei einem von der Jugendzeitschrift "Bravo" organisierten Antigewalt-Konzert verteidigt. "Frauen- und schwulenfeindliche Texte finden sich auf vielen Tonträgern, bisher allerdings häufiger in englischer oder französischer Sprache", erklärte Nouripour in einem Kommentar im "Tagesspiegel". Zuvor hatte der lesben- und schwulenpolitische Sprecher der Berliner Grünen die Ausladung Bushidos verlangt, weil der Sänger unter anderem Texte wie "Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jede Schwuchtel" in sein Repertoire aufgenommen hat (queer.de berichtete).

Nouripour: "Wollen wir das alles verbieten?"

Nouripour warnt nun in dem Kommentar vor blinder Zensur: "Wenn wir unsere CD-Regale aufgeräumt haben, kommen dann die Filme dran? Danach die Bücher? Michelangelo Antonionis ‚Zabriskie Point’ ist natürlich auch ein Aufruf zur Gewalt, Charles Bukowskis Lebenswerk frauenfeindlich, die vierte Staffel der Fernsehserie ‚24’ kann als Hetze gegen die Minderheit der Muslime in den USA verstanden werden. Wollen wir das alles verbieten? Wo ist die Grenze zwischen der Freiheit der Kunst und Hetze?" Könnten dann in den USA auch die Dixie Chicks verboten werden, weil die Country-Band "mit ihrer Missbilligung der Politik George W. Bushs nun Verfassungsorgane verunglimpft hat?", fragte der 32-jährige Abgeordnete aus Hessen weiter. Nouripour argumentiert, dass Rapper wie Sido mit "widerlichen" Liedern mit "öffentlichkeitswirksamen Skandalen" nur Geld machen wollten. "Sido und Co. sind so lange im Geschäft, wie sie ‚in’ sind. Dies zu beenden kann die jeweilige Subkultur selbst – sonst niemand", so Nouripour. Er nannte als Beispiel den US-Rapper Eminem, der zunächst homophobe Texte zum Besten gab und dann in seinem Film "8 Miles" einen schwulen Kollegen in Schutz nahm.

LSVD kritisiert Nouripour scharf

Der Berlin-Brandenburger Lesben- und Schwulenverband (LSVD) bezeichnete die Aussagen Nouripours als "naiv und inakzeptabel". "Würde man dieser Denkweise folgen, wäre es nur konsequent, auch rechtsradikale und ausländerfeindliche Musikgruppen auf dem Festival auftreten zu lassen, weil auch sie einen Teil der Jugendkultur verkörpern", erklärte der Verband in einer Pressemitteilung. "Der LSVD ermutigt seine Mitglieder und Sympathisanten daher dazu, an den ‚Tagesspiegel’ und die grüne Bundestagsfraktion zu schreiben. Fordert von der Bundestagsfraktion der Grünen eine Stellungnahmen in dieser Frage! Mischt Euch ein! Stellt Euch Hass und Gewalt entgegen!", erklärte der LSVD weiter. (dk)



48 Kommentare

#1 gerdAnonym
  • 11.08.2007, 13:29h
  • Der LSVD hat Recht mit seiner Kritik an Omid Nouripour. Denn eines verkennt Herr Nouripour hier in seiner Stellungnahme grundlegen, was die aktuelle Situation angeht.

    Es geht hier in Berlin nicht um irgendein Konzert, dass das Plattenlabel von Bushido ausrichtet oder um eine Hip-Hop-Veranstaltung. Zensur bringt nichts, da har Nouripour recht.

    Aber soll man auf zentralen Veranstaltungen, die am Brandenburger Tor von führenden Jugendmagazinen wie BRAVO und dem Fernsehsender VIVA organisiert werden, ein zusätzliches Forum bieten, wo dann alle Jugendlichen sich einfinden...auch diejenigen, die HIP-HOP nicht mögen und wegen MONROSE oder MIA gegkommen sind. Diese Jugendlichen müssen dann auch Bushido "ertragen", da auch der dort auf der Bühne steht.

    Und noch zentraler ist, dass es sich um ein Konzert mit dem Thema "Gewalt an Schulen" auseinandersetzt. Da macht dann BRAVO den "Bock zum Gärtner", wenn ein solcher Künstler dort auftritt. Wenn VIVA und BRAVO das Thema Ernst sein sollte, dann treten dort keine Künstler auf, die so negativ in der Vergangenheit den Jugendjargon mit ihren Texten beeinflussen. Hier geht es nicht um die Frage, ob Zensur vorliegt, dann meinetwegen soll Bushido sein Liedtexte in der Hip-Hop-Szene weitergrölen und die Fäkalsprache musikalisch zelebrieren, aber das hat keinen Platz auf Konzerten, wo ein öffentlicher Anspruch erhoben wird von VIVA und BRAVO, dass das Konzert gegen "Gewalt an Schulen" sei.

    Da kann ich Eltern, die mit ihren Kindern wegen MIA oder MELROSE kommen, nur empfehlen, schleunigst wegzugehen, wenn Bushido die Bühne betritt. Denn ansonsten müssen sich diese Eltern nicht wundern, wenn am Frühstückstisch ihr Kinder sie mit "Nutte" und "Fotze" begrüßen, da das in der Jugendsprache vollkommen okay sei, solche Ausdrücke zu verwenden.
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#2 holga-waldaAnonym
  • 11.08.2007, 14:36h
  • mal von anders her. macht sinn.
    die vertiefung von schlüsselqualifikationen,
    die eine zynische gesellschaft in subkulturen entstehen läßt, kann man ja auch nutzen. heute meldet der zdf-vidotext
    die erreichung der rekrutenzahl in den usa durch finanzielle anreize und boni für "ärmere bürger".
    wenn die grünen die wehrpflicht beenden und immer mehr einsätze beginnen
    möchten, wäre es doch nett, wenn der herr oben im bild, mit beer, bütikofer und roth
    in einer affermativ-action-pose ein "friedenscorps" mit migrationshintergrund schüfen. quasi als vertrauensbeweis der "aufgeklärten gesellschaft.
    so kann man für bayreuther opernpausen auch mal einen brüller beitragen.
    wenigsten gibt es noch ein paar menschen,
    die die pragmatische und anpackende art der us-eliten, das schlechte mit dem bösartigen zu verbinden, als quell der inspiration zu schätzen.
    die richtigen schlüsselqualifikationen sind das a&o in dieser zeit. vielleicht sollte man
    noch lebenslänglich unverheiratete oder unverpartnerte extra bevorzugen. im unterhalt etwas kostenintensiver, aber im heldenfall ungemein günstig.
    grün ist zukunft.
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#3 Bushidos WeltAnonym
#5 FloAnonym
  • 11.08.2007, 17:10h
  • Mal eine Gegenfrage:
    wenn jemand (in einem Lied oder wo auch immer) zu Gewalt gegen ihn selbst aufrufen würde, würde er dann auch fragen "Wollen wir das alles verbieten?"

    Das zeigt wieder mal, dass es auch bei den Grünen faule Eier gibt, die ihre eigenen Moralvorstellungen und religiösen Überzeugungen über Grundrechte stellen. Ich bin nur froh, dass es bei den Grünen noch genug andere gibt...
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#6 MariusAnonym
  • 11.08.2007, 18:01h
  • Die Grünen sind traditionell eine sehr offene Partei und sicher ist dies nur eine Einzelmeinung innerhalb der Grünen (hoffe ich jedenfalls), aber wenn sich das Mitglied einer Partei (noch dazu Abgeordneter) hinter einen Sänger stellt, der mit Texten wie "Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jede Schwuchtel." und "Ihr Tunten werdet alle vergast" zu Gewalt gegen Schwule aufruft, sollte die Partei gut überlegen, ob sie ihn in der Partei lässt oder nicht.

    Gerade wo Schwule und Lesben zu einer der Hauptwählergruppen gehören und es mit der Linken mittlerweile eine Alternative für uns gibt. Ohne Schwule und Lesben wären die Grünen nie mehr so stark, in eine Regierung zu kommen.

    Aber selbst, wenn man von dieser Hauptwählergruppe absieht, muss man sich fragen, ob jemand, der Gewaltaufrufe unterstützt, Mitglied bleiben kann.

    Herr Nouripour verwechselt offenbar Gewaltaufrufe mit freier Meinungsäußerung. (Wahrscheinlich, weil er selbst diese Meinung über Schwule teilt, bei Gewaltaufrufen gegen Ausländer würde er wohl anders denken...)

    Um es ganz deutlich zu sagen: wenn jemand einen Sänger unterstützt, der zu Gewalt (gegen wen auch immer) aufruft, ist der genauso schlimm, wie der Sänger und für eine demokratische Partei untragbar! Und wenn die Grünen dies folgenlos durchgehen lassen, unterstützen sie dies damit auch!

    Jetzt erwarte ich von den Grünen, dass es Konsequenzen gibt!!
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#7 TimAnonym
  • 11.08.2007, 18:11h
  • Wie ich der Internetpräsenz des Bundestags entnehme, ist Herr Nouripour gebürtiger Iraner (warum überrascht mich seine Meinung jetzt nicht?) und 2002 eingebürgert worden (offenbar akzeptiert er aber auch 5 Jahre später nicht, dass in Deutschland nicht zu Gewalt aufgerufen wird).

    Wie würde er wohl reagieren, wenn jemand singen würde "Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jeden Iraner" oder "Ihr Iraner werdet alle vergast"?

    Würde er das auch als Meinungsäußerung unterstützen oder geht es hier nur darum, dass er selbst auch Gewalt gegen Schwule gut findet?

    Und sojemand ist auch noch Mitglied des Bundesvorstands der Grünen... Wenn die Grünen keine personellen Konsequenzen daraus ziehen und ein Mitglied tolerieren, das Gewalt gegen Schwule befürwortet oder zumindest toleriert, dann werde zumindest ich den Anstand haben, für meine Wahlentscheidungen Konsequenzen daraus zu ziehen...
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#8 MalteAnonym
  • 11.08.2007, 18:33h
  • Ich hoffe ja wohl, dass die Grünen daraus Konsequenzen ziehen!!

    Jemand, der einen Sänger unterstützt, der zum Verprügeln und "Vergasen" von Homosexuellen aufruft, hat im grünen Bundesvorstand nichts zu suchen!! Und evtl. sollte man so jemanden auch aus der Partei ausschließen, denn dies verträgt sich nicht mit grünen Grundsätzen und zielt ins Innerste und Elementarste grüner Überzeugungen!

    Wenn die Grünen keine Konsequenzen ziehen, ziehe ich sie!! Eine Partei, die Mitglieder (noch dazu im Bundesvorstand) toleriert, die Vergasungs- und andere Gewaltaufrufe tolerieren, ist für mich unwählbar!! Glücklicherweise gibt es mittlerweile genug andere Parteien, die auch weitere Gleichstellung von Schwulen und Lesben fordern.

    Für jeden, der den Grünen seine Meinung sagen will:
    info@gruene.de

    Natürlich kann man sich auch direkt an grüne Politiker wenden, die Mailadressen finden sich auf den Seiten der Grünen, auf den Seiten des Bundestags, etc.
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#9 JanAnonym
  • 11.08.2007, 18:40h
  • Puh. Die deutsche Linke ist inzwischen soweit weg
    von irgendwelchen Grundsätzen, das gibt es schon
    gar nicht mehr. Im fanatischen Wahn, Grundrechte
    von Hasspredigern und religiösen Fanatikern "aus
    Prinzip" zu schützen, haben sie längst aus den
    Augen verloren, dass sie damit die eigentlich
    wirklich schützenswerten Minderheiten längst
    jedweder Hetzjagd preisgegeben haben.
    Aufgeklärte In- wie Ausländer können sich längst
    nur noch wundern. Wieso Zensur? Da findet ein
    Bravo-Konzert statt. Gibt es eine Verpflichtung ihn
    da auftreten zu lassen? Das wär ja noch schöner.
    Wenn eine Neonazi-Band nächsten nicht zum
    ARD-Musikantenstadel darf, dann ist das Zensur?
    Ist ja wohl das lächerlichste was ich je gehört habe.
    Er darf seine Musik ja per Internet selbst verbreiten,
    aber TV-Sender und Plattenfirmen müssen doch
    nicht noch dabei mithelfen. Ganz abgesehen
    davon, dass m.E. teilweise auch der
    Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllt ist.
    Leider(!) nicht ganz einfach ihm das gerichtlich
    nachzuweisen...
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#10 Gandalf the GayAnonym
  • 11.08.2007, 18:56h
  • "Wo ist die Grenze zwischen der Freiheit der Kunst und Hetze?"

    Ganz einfach: dort, wo zu Gewalt aufgerufen wird!!

    Auch seine Vergleiche sind hanebüchen: ich glaube kaum, dass Charles Bukowski dazu aufgerufen hat, Frauen zu vergasen und es ist auch ein riesiger Unterschied, ob die Dixie Chicks die Politik eines Präsidenten verachten oder ihn vergasen wollen!! Etc. etc.

    Scheinbar hat dieser Mann jeglichen Realitätssinn verloren, wenn er so argumentiert, denn dann muss er mit demselben Argument auch Nazi-Bands in Schutz nehmen und das als freie Meinungsäußerung ansehen. (Aber wahrscheinlich tut er das nicht, was belegt, dass es ihm nicht um Freiheit der Kunst, sondern nur um Schwulenhass geht.)

    Schlimm genug, dass zwar Nazibands (vollkommen zu Recht) verboten werden, aber Sänger, die die gleichen Äußerungen über Schwule machen nicht - aber dass dies jetzt auch noch von den Grünen kommt...

    Vielleicht sollten alle Schwulen bei der nächsten Wahl mal anders wählen, damit die Grünen sehen, wo sie ohne ihre schwulen Wähler stünden.

    Schlimm zu sehen, was so alles an Dummheit und Hass im Bundestag sitzt (offenbar in allen Parteien) und was uns so regiert...
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