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Live im Pariser Olympia: Ihre erste DVD bietet zwei Stunden Schlager- und Chanson-Spaß mit der stimmgewaltigen Französin.

Von Jan Gebauer

Lyrische Chansons, klischeereiche Schlager oder Interpretationen internationaler Bestseller – sie hat von allem ein bisschen gesungen. Wie keine andere französische Sängerin verstand es Mireille Mathieu seit jeher den künstlerischen Anspruch dem kommerziellen Aspekt unterzuordnen. Galt sie in den 60er Jahren noch als legitime Nachfolgerin der großen Edith Piaf, entschied sie sich ab "Hinter den Kulissen von Paris" (1969) für leicht bekömmliche Schlager (der französische Markt erhielt z.B. auch Liederzyklen von Francis Lai oder Ennio Morricone). Fachmänner auf diesem Gebiet, Christian Bruhn oder Ralph Siegel, schrieben unzählige Erfolgslieder für die kleine, stimmgewaltige Sängerin, die teilweise auch ins Französische übersetzt wurden und in der Heimat von Bordeaux und Champagner die Charts erreichten. "Akropolis adieu" oder "Santa Maria" seien hier genannt. Beide Titel sang sie auch bei ihrem 2005er Jubiläumskonzert im Pariser Olympia, in dem 40 Jahre zuvor ihre Weltkarriere begann, das nun erstmals in Deutschland auf DVD erschienen ist.

Das Gute bei der Mathieu ist, dass der geneigte Hörer genau weiß, was er für sein Geld bekommt. Und darin liegt auch gleichzeitig das Manko ihrer Karriere, denn seit 40 Jahren hat sich weder das Repertoire noch die Ausstrahlung der Sängerin groß verändert. Ihre unverwüstliche Stimme ist immer noch gewaltig, ihre Gesten sind stets wohl gewählt, nie verliert sie die Kontrolle. Fast weiß geschminkt, scheint das Alter an ihr spurlos vorüber gegangen zu sein, und nur ihre Hände verraten, dass sie 2005 immerhin schon die 60 erreicht hatte. Ein ebenfalls enthaltenes Interview zeigt die Mathieu mit ähnlich viel Make-up und in einem so extrem hellen Licht dass es geradezu groteske Züge annimmt. Da frage ich mich unweigerlich, ob die Französin eine Altersphobie hat. Beim DVD-Cover wählte man dann gleich einen weißen Hintergrund.

Doch was zählt die Aufmachung, wenn eine Sängerin nicht genau das bietet, was sie über all die Jahre so hervorragend beherrscht hat: das Singen. Und hier ist die Mathieu immer noch unschlagbar. Stets herzlich, immer mit vollem Einsatz und ja, auch mit begnadeter Gesangstechnik – die in Avignon geborene Sängerin beherrscht ihr Handwerk wie in alten Zeiten. Hinzu kommt eine einmalige Ausstrahlung und Präsenz auf der Bühne – die Mathieu gibt wahrlich alles. Leider ist ihre Band bei Weiten nicht so talentiert! Relativ langweiliges 08/15-Gedudel lässt das Gefühl aufkommen, als lausche man den Klängen einer zweitklassigen Urlaubsanimationskombo. Das haben gerade die hochwertigen Kompositionen von genialen Schreibern wie Francis Lai, Neil Diamond, Maurice Jarre oder Jacques Brel nicht verdient. Und die schlagerhaften Titel wirken besonders beliebig. Dafür entschädigt die einstündige Bonus-Doku "Hinter den Kulissen", in der auch das angesprochene Interview eingearbeitet wurde. Neben Fans, ihren Mitarbeiten, Freunden und Familie, kommen auch die berühmten Designer Jean-Paul Gaultier und Christian Lacroix zu Wort.

16. August 2007



#1 MartinAnonym
  • 21.08.2007, 02:04h
  • Gut, dass die Olympia-DVD endlich in Deutschland veroeffentlicht wurde.

    Bei MM ist es in Deutschland fast genau wie bei Nana Mouskouri: Mireille gilt als grossartige Chanson-Diva in Frankreich,Kanada oder Russland; ihre letzten franz. Alben sind wirklich gut und anschpruchsvoll.
    Leider in Deutschland ist sie nur als Schlagersaengerin behandelt, die Kulissen von Paris oder Sonntag in Avignon besingt (obwohl das 1999-Album "Alles nur ein Spiel"-deutlich besser war...). Schade!
    Im Herbst 2007 kommt ein neues deutsches Album heraus. Mit den Liedern von u.a. Christian Bruhn (Kult-Schlager-Komponist).

    Trotzdem aber...Hut ab vor der Mireille, mehr als 40 Jahre auf der Buehne, die Stimme ist immer noch schoen.

    Und vielleicht ist sie so lange in der Musikwelt praesent, weil sie nichts von der Image geaendert hat? Lebende Legende.
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