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Berlin (queer.de) - Nach der Hetzjagd von 50 jungen Deutschen auf acht Inder im sächsischen Mügeln warnt der Zentralrat der Juden davor, dass sich bald auch Jagdszenen auf Schwule und Juden abspielen könnten. "Gestern Farbige, heute Ausländer, morgen Schwule und Lesben und vielleicht Juden", sagte Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der "Netzeitung". Nach derlei Vorfällen gebe es "stets die gleichen Stellungnahmen der politischen Vertreter, ohne dass es eine spürbare Änderung der Strategie" gebe. Die Bundesregierung solle endlich einen Aktionsplan vorlegen, forderte Kramer. Zudem sei das Familienministerium von Ursula von der Leyen (CDU) überfordert mit dem Thema Rechtsextremismus. Daher solle die Zuständigkeit zu Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) übergehen, da er die nötige Erfahrung und das Know-How im Kampf gegen Rechtsextremismus habe.

Wieder Ost-West-Debatte

Kramer erklärte auch, dass es in Deutschland keine No-Go-Areas geben dürfte. Der sächsische Ministerpräsident Georg Milbrandt (CDU) verwahrte sich aber gegenüber "Spiegel Online" gegen den Vorwurf, dass es in seinem Land derartige Gebiete gebe. Sozialdemokratische Politiker sehen aber Sachsen und die neuen Länderin der Pflicht: "Gerade Sachsen ist bekannt dafür, dass es die Existenz des Rechtsextremismus gern abstreitet", sagte der Vorsitzende des Innenausschusses, Sebastian Edathy (SPD). Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) zeigte sich besorgt, dass die Angriffe gerade ein ostdeutsches Problem seien. Er sprach von einem "besonderen ostdeutschen gewalttätigen Akzent" beim Rechtsextremismus. Dagegen protestierte Linkspartei-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch: Rechtsradikale Übergriffe als Problem der neuen Länder zu sehen verharmlose die Situation, so Bartsch.

Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) verwies darauf, dass in seinem Bundesland die Behörden härter gegen Hass-Angriffe durchgreifen: "Wenn so etwas in Bayern passiert, gibt es glasklar eine Weisung, dass man Leute vorläufig in Haft nimmt und dem Haftrichter vorführt", sagte er im Nachrichtensender N24. Auch Grünen-Chefin Claudia Roth kritisierte das lasche Vorgehen der lokal Zuständigen, insbesondere Bürgermeister Gotthard Deuse (FDP): "Wer den Kopf in den Sand steckt, stärkt nur die Rechtsextremisten", sagte sie der "Netzeitung". (dk)



92 Kommentare

#1 joergAnonym
  • 22.08.2007, 13:53h
  • Leider wähnen sich viele Schwule in Sicherheit.

    Die Siegessäule und ihre ständige Betonung von Gewalt gegen Schwule durch "Türkenboys" (siehe Vorwort der neuen Ausgabe) arbeitet leider (völlig unbewusst) mit an der Aufrechterhaltung der rassistischen Stereotypen. Denn diese Benennung kann nicht funktionieren. Junge Machos mit "orientalischem Aussehen", die meist in der dritten Generation hier leben, sind sowenig "Ausländer" wie ihr Scheißverhalten "islamisch" zu nennen ist. Oder wie wollen wir eigentlich den Mob im Osten nennen? Christlich, germanisch, DDR-deutsch?

    (Als Kreuzberger seit 1980 bin ich hier ein einziges Mal von Machos mit orientalischem Aussehen blöd angemacht worden, aber bei einem der seltenen Ausflüge nach Brandenburg prompt von einer ganzen Horde Jungmänner "christlich germanischen" Typus bedroht worden: als Schwuler, Ausländer (wegen fränk. Akzent!) und nur knapp einigermaßen heil davon gekommen.)

    Eine Diskussion um Rassismus - auch unter Schwulen - ist vonnöten.
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#2 hwAnonym
  • 22.08.2007, 14:41h
  • @ jörg
    als man in schicht und wie am fließband
    mit klassischer musik oder goethe und schiller im tornister jüdisches leben liquidierte, die organisationen der arbeiterbewegung liqidierte und all die anderen bekannten, geschah das
    die in der phase des fordistischen produktionsweise des kapitalismus. faschismus wohnt dem
    kapitalismus inne und zeigt sich bei den
    unbewußten und betroffensten zuerst.
    die bel-etagen der theoretischen unterfütterung und der prä-faschistischen zeitgemäßen parolik findest du dort nicht.
    es ist auch humbug von barbarei zu sprechen, man muss sie auch mit diesem gewächs der "zivilisation" zeitgemäß auseinandersetzen.
    würden wir nun in einem weniger industrialisierten und strukturierten land leben, könnte ich dir zustimmen, nur über rassismus nachzudenken. die gefahren, die diese säkularen christen, oder atheisten aus christlich-abendländisch-postindustriellem umfeld liefern, können sich in wirtschaftlichen spannungszeiten
    zu größeren gefahren entwickeln, als dummergefährlicher rassismus alleine.
    die shoa war der bisher am besten geplante, durchgeführte mir bekannte versuch des genozids. eine bisherige einzigartikeit der zivilisation. hiroshima und nagasaki einzigartig auf andere weise.
    aber nie barbarisch !
    (Die Barbarei, abgeleitet vom griechischen Wort bárbaros für nicht Griechisch sprechende Völker (vgl. Barbar), bedeutet umgangssprachlich so viel wie ungezügelte Roheit )
    die firlefanz-faschismus-blökereien diverser
    ursachen-ablenker führen in dieser frage nicht weiter.
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#3 operaTORAnonym
  • 22.08.2007, 15:50h
  • @joerg: Also ich denke mal, dass das weniger etwas mit der DDR-Vergangenheit zu tun hat, sondern eher mit der Tatsache, das im Osten der Republik Rechtsextreme mehr Zulauf haben. Dies wurde und wird nicht zuletzt dadurch unterstützt, das selbst 17 Jahre nach dem Anschluss die Löhne immer noch um bis zu 20% niedriger sind, Arbeit so gut wie garnicht vorhanden ist( Großer Dank an die treuhand!) & die Arbeitslosenzahlen extrem hoch sind.
    Da ziehen leider primitive Parolen von der "bedrohten, Teutschen Kultur"...
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#4 operaTORAnonym
#5 GeorgAnonym
  • 22.08.2007, 16:02h
  • Als Berliner stellt sich für mich die Situation so dar:

    Für offen lebende Schwule gibt es in Berlin
    sehr wohl "No-go-Areas" und zwar die Bezirke, in denen die 14-18-jährigen Nachkommen der Migrantinnen und Migranten wohnen (Neukölln, Wedding, Moabit usw).

    Ebenfalls gibt es Untersuchungen, dass schwule Paare in den Nollendorf-Kiez (Schwulenviertel) ziehen, um dort vor Diskriminierungen sicher zu sein, sie dann allerdings genau dort von herumstreunenden Araber- und Türkenjungs belästigt werden.

    Gerade in der letzten Woche habe ich es noch erlebt, dass mein Freund und ich dumm angemacht wurden, als wir in der U-Bahn-Station "Nollendorfplatz" auf die U-Bahn warteten.
    Wir sehen ganz normal aus und waren ganz normal gekleidet, es war 18 Uhr.
    Aber allein die Tatsache, dass zwei Männer am Nollendorfplatz stehen, reicht für diese Araber aus, den Macho zu spielen.

    Wer wissen will, wie es in unseren Großstädten weiter geht, sollte sich in Amsterdam umsehen, wo die Schwulen nachts mit dem Taxi direkt vor das Schwulenlokal fahren müssen, um nicht von herumstreunenden Marokkanern angegriffen zu werden...
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#6 SaschaAnonym
  • 22.08.2007, 16:09h
  • @joerg:

    Abgesehen von deiner ebenso falschen Unterstellung, das Ganze stehe in irgendeinem kausalen Zusammenhang mit der ehemaligen DDR, kann ich deinen Ausführungen ansonsten nur voll und ganz zustimmen!

    Es geht hier in erster Linie um soziale Exklusion, Marginalisierung und Fragmentierung. Dies ist der Nährboden für alle Formen rechtsextremistischer und fremdenfeindlicher Gesinnungen. Und junge Menschen mit migrantischem Hintergrund sind in allererster Linie ebenso Opfer dieser gesellschaftlichen Entwicklung wie viele Schwule.

    Daher kann die Antwort darauf auch kein kranker und politisch wie menschlich völlig verfehlter "Kampf der Kulturen" sein, der noch mehr Hass und Aggression schürt, sondern vielmehr eine sozial progressive Veränderung der extrem ungerechten Zustände in diesem Lande, die jungen Menschen - gerade denen im Osten und gerade denen mit migrantischem Hintergrund - praktisch keine reelle Perspektive der vollwertigen gesellschaftlichen Teilhabe bieten.

    Dass sich dann einige von ihnen rechtsextremem Gedankengut, andere radikalen religiösen Gesinnungen oder beidem zuwenden und in Parallelgesellschaften ihre Zuflucht suchen, ist zweifellos erschreckend, aber keineswegs überraschend.
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#7 wolfAnonym
  • 22.08.2007, 17:08h
  • es sind auch die folgen unserer "goodie-goodie" gesellschaft daran schuld. in einer haupstadt in der frisöre, ohne meisterbrief, schon zu ersten garnitur gehören und kein öffentliches fest ohne vip-zelt gefeiert wird, bleibt der bürger auf der strecke, in diesen zeiten ohnehin. das jugendliche sich zusammenschliessen, egal welcher herkunft, ist auch normal. schlimm ist, das der begriff : schwul, einen negativeren schimpfwortcharakter bekommen hat als zu seinen entstehungszeiten. selbst kinder haben die "schwule drecksau" schon drauf. und da sind nicht zuletzt die medien gefragt, dieses bild in den köpfen zu verändern. von der führenden politik ist ohnehin nichts zu erwarten. berlin hat sich in den letzten 40 jahren beständig verschlechtert, was die sicherheit auf den strassen anbelangt. ins berliner umland fahre ich seit kurz nach der wende nicht mehr, bringt einfach keinen spass und ist absolut riskant. die liste der probleme lässt sich endlos fortsetzen. der geist der regierenden in kirche und staat breitet sich immer mehr aus, wenn auch schleichend und das wieder zurückzufahren, dürfte sehr schwer werden.
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#9 operaTORAnonym
  • 22.08.2007, 18:27h
  • siehst Du, @hw & @sascha, ohnbe gerufen zu werden, sind sie schon da. Nur komischerweise schreiben die immer den selben quatsch, wie immer auch ohne nur einen einzigen beweis zu erbringen...

    @sascha: Zu deinem ersten absatz das gelesen, was ich geschrieben habe?
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#10 operaTORAnonym