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Über ein Jahr lebte eine lesbische US-Autorin als Mann – in einem Buch beschreibt sie ihre Erfahrungen.

Von Dennis Klein

Die US-Autorin Norah Vincent wurde noch nie beschuldigt, zu weiblich zu sein. Denn als Frau und Lesbe wird sie oft als stark und durchsetzungsfähig wahrgenommen – also nach allgemeiner Meinung männliche Eigenschaften. Doch dann wagte sie ein Experiment: Sie band sich ihre Brüste ab, steckte sich einen Strumpf in die Hose, klebte sich falsche Bartstoppeln an – und lebte fast 18 Monate das Leben eines Mannes der unteren Mittelklasse. Sie wurde der 35-jährige Ned, der geil auf Frauen ist und schlecht im Sport. Sie trat einem Männer-Kegelverein bei, besuchte Striplokale, Mönchskloster und versuchte das ein oder andere Rendevous mit einer Frau.

Ihre Erfahrungen hat sie nun in dem unterhaltsamen Buch "Enthüllungen" zusammengetragen, das am 21. September auf Deutsch erscheint. Auf Englisch hatte das Werk den vieldeutigen Namen "Self-Made Man". Eines ihrer überraschenden Erkenntnisse: Als Mann wurde sie im Gegensatz zu ihren bisherigen Erfahrungen oft als weich und weibisch angesehen – viele ihre neuen Bekannten hielten ihre Kunstfigur Ned für schwul.

Einige der klassischen Rollen-Klischees widerlegte sie in dem Experiment: Sie beobachtete, dass Männer genau so Gefühle zeigen wie Frauen – ihrer Meinung nach sind sie sogar ehrlicher. Sie fühlte sich auch gleich aufgenommen im Club der Männer: "Als dieser Mann, den ich noch nie gesehen hatte, mir die Hand schüttelte, gab er mir etwas ganz Reales", beschreibt Vincent ihren Einstand beim Kegelverein. "Er schloss mich ein. Im Gegensatz dazu hatten die meisten Frauen, denen ich die Hand geschüttelt oder die ich sogar umarmt hatte, etwas zurückgehalten, als gebe es einen ständigen Konkurrenzkampf zwischen uns oder als könnten wir uns irgendwie nicht vertrauen."

Die Jagd nach Frauen ist eines der Punkte, die Vincent zu dem Urteil bringt, dass das Leben für heterosexuelle Männer viel härter ist. Die sozialen Anforderungen seien höher als beim "schwachen Geschlecht". Sie schreibt, dass sie heutzutage viel lieber wieder eine Frau ist – und als solche glücklicher lebt.

Übrigens steht sie mit den meisten der Freunde von Ned nicht mehr im Kontakt. Als die Männer vom Kegelverein herausfanden, dass ihr neuer Kumpan in Wirklichkeit eine Frau war, fühlten sie sich betrogen – und waren stinksauer.

29. August 2007